- 05.06.2026
- News
USA: FDA verstärkt die Überwachung von Inhaltsstoffen in E-Zigaretten
In einer Mitteilung vom 22. April 2026, die weitgehend unbeachtet blieb, gab die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) bekannt, dass sie 18 neue Stoffe in ihre offizielle Liste der «schädlichen oder potenziell schädlichen Inhaltsstoffe» (Harmful and Potentially Harmful Constituents, HPHC) von Tabak- und Nikotinprodukten aufgenommen hat. Die Entscheidung betrifft insbesondere mehrere Zusatzstoffe, die in E-Zigaretten und neuartigen Nikotinprodukten weit verbreitet sind. Gleichzeitig hat die FDA eine öffentliche Konsultation zu drei weiteren Aromastoffen eröffnet.
Flüssigkeiten von E-Zigaretten
Zu den neu aufgenommenen Stoffen gehören insbesondere Propylenglykol (PG) und pflanzliches Glycerin (VG), die die Grundlage der meisten in E-Zigaretten verwendeten E-Liquids bilden. In den meisten E-Liquids machen Propylenglykol (PG) und pflanzliches Glycerin (VG) zusammen zwischen 90 und 99 Prozent der Flüssigkeit aus; der Rest besteht aus Nikotin, Aromastoffen und teilweise weiteren Zusatzstoffen. Die Liste umfasst zudem mehrere Verbindungen, die mit Aromastoffen in Zusammenhang stehen oder sich beim Erhitzen der Flüssigkeiten bilden können.
Diese Entwicklung ist von besonderer Bedeutung. Seit vielen Jahren bezeichnet die Vaping-Industrie PG und VG häufig als «Lebensmittelzutaten» oder «allgemein gebräuchliche Stoffe» und erweckt damit den Eindruck, sie seien praktisch unbedenklich. Die Entscheidung der FDA zeigt jedoch, dass ein Stoff, der in Lebensmitteln verwendet wird, nicht automatisch risikofrei ist, wenn er in Form eines Aerosols eingeatmet wird.
Die FDA betont, dass die Aufnahme in die HPHC-Liste kein Verbot dieser Stoffe bedeutet. Die Liste soll jedoch die wissenschaftliche Bewertung von Produkten unterstützen, die für eine Marktzulassung eingereicht werden. Hersteller könnten künftig verpflichtet werden, zusätzliche Daten über das Vorkommen dieser Stoffe in den Emissionen ihrer Produkte sowie über deren mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit vorzulegen.
Auch Tabakerhitzer sind betroffen
Die Entscheidung betrifft auch erhitzte Tabakprodukte wie IQOS von Philip Morris International (PMI) oder glo von British American Tobacco (BAT). Propylenglykol (PG) ist ein wesentlicher Bestandteil vieler Tabaksticks für Tabakerhitzer. Es wird dem rekonstituierten Tabak zugesetzt, um die Feuchtigkeit zu erhalten, die Bildung des Aerosols zu erleichtern, den Nikotintransport zu verbessern und bestimmte Aromastoffe zu stabilisieren. Pflanzliches Glycerin (VG) kann ebenfalls enthalten sein, allerdings meist in geringeren Mengen als in E-Zigaretten. So enthalten beispielsweise HEETS- oder TEREA-Sticks für IQOS neben rekonstituiertem Tabak auch Propylenglykol, Wasser, Glycerin, Zellulose, Aromastoffe und weitere Zusatzstoffe.
Seit Jahren betont Philip Morris, dass IQOS den Tabak erhitzt, ohne ihn zu verbrennen, und suggeriert damit eine deutliche Verringerung der mit der Verbrennung verbundenen Schadstoffe. Das Fehlen einer Verbrennung bedeutet jedoch nicht das Fehlen einer Belastung durch toxische Stoffe. Beim Erhitzen können sich Propylenglykol (PG) und pflanzliches Glycerin (VG) – die sowohl in Tabakerhitzern als auch in E-Zigaretten zur Erzeugung des inhalierten Aerosols verwendet werden – zersetzen und Verbindungen wie Formaldehyd, Acetaldehyd, Acrolein oder Glycidol bilden. Mehrere dieser Stoffe stehen bereits auf der HPHC-Liste der FDA, andere wurden nun neu aufgenommen. Die Entscheidung zeigt auf, dass Tabakerhitzer und E-Zigaretten nicht nur Nikotin beinhalten: Die Geräte erzeugen komplexe Aerosole, die Lösungsmittel, thermische Abbauprodukte und weitere Stoffe enthalten, die Gesundheitsrisiken bergen können.
Notwendigkeit einer besseren Kontrolle und Regulierung dieser chemischen Stoffe
Für die Schweiz bestätigt diese Entscheidung die Notwendigkeit, die komplexe und sich ständig verändernde chemische Zusammensetzung neuartiger Tabak- und Nikotinprodukte sowie der chemischen Zusammensetzung der eingeatmeten Aerosole mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Während E-Zigaretten, Tabakerhitzer und Nikotinbeutel auf dem Schweizer Markt eine immer grössere Rolle spielen, unterstreicht dieser Entscheid in den USA die Bedeutung des regulatorischen Rahmens, der auf unabhängigen, transparenten und regelmässig aktualisierten toxikologischen Bewertungen beruht.
Obwohl das Tabakproduktegesetz (TabPG) Bestimmungen zu Inhaltsstoffen und Emissionen enthält, sieht es derzeit keine Bestimmung vor, die mit der HPHC-Liste der FDA vergleichbar wäre und eine systematische Identifizierung und Überwachung schädlicher oder potenziell schädlicher Stoffe in neuartigen Nikotinprodukten ermöglicht. Dies stellt eine der zahlreichen Schwächen des neuen Schweizer Gesetzes dar, das im Oktober 2024 in Kraft getreten ist.
Diese Ankündigung erfolgt zudem in einem Kontext, in dem weiterhin zahlreiche Fragen zu den langfristigen Auswirkungen einer chronischen Exposition gegenüber Lösungsmitteln, Aromastoffen und thermischen Abbauprodukten in neuartigen Nikotinprodukten offen sind. Sie zeigt, dass selbst in den Vereinigten Staaten, die häufig als vergleichsweise offen gegenüber Vaping-Produkten gelten, die Behörden ihre Überwachung der in diesen Produkten enthaltenen chemischen Stoffe schrittweise verstärken.
Quelle : FDA, Center for Tobacco Products, avril 2026. https://www.fda.gov/tobacco-products/ctp-newsroom/fda-adds-18-constituents-list-harmful-and-potentially-harmful-constituents-seeks-comment-three?utm_campaign=ctp-hphc&utm_content=statement&utm_medium=email&utm_source=govdelivery&utm_term=stratout