- 15.09.2026
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Passivrauch: Weltweit weiterhin 2,7 Milliarden Menschen exponiert
Trotz der Fortschritte seit 1990 bleibt die Exposition gegenüber Passivrauch ein bedeutendes Problem für die öffentliche Gesundheit. Eine neue Analyse in The Lancet Public Health schätzt, dass im Jahr 2023 weltweit noch 2,71 Milliarden Menschen Passivrauch ausgesetzt waren. Darunter waren 767 Millionen Kinder unter 15 Jahren.
Das Ausmass bleibt beträchtlich. Laut einer neuen Studie der Global Burden of Disease Study (GBD) 2023, die im September 2026 in The Lancet Public Health veröffentlicht wurde, ist weiterhin mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung Passivrauch ausgesetzt.
Die Forschenden untersuchten die Entwicklung der Exposition in 204 Ländern und Gebieten zwischen 1990 und 2023. Es handelt sich um die erste Publikation des GBD, die sich spezifisch mit der Prävalenz von Passivrauch und den damit verbundenen gesundheitlichen Folgen befasst.
Ein Rückgang, der nicht ausreicht
Seit 1990 ist die altersstandardisierte weltweite Prävalenz um 22,2 Prozent zurückgegangen. Diese positive Entwicklung verdeckt jedoch eine besorgniserregende Realität: Unter anderem aufgrund des Bevölkerungswachstums ist die Gesamtzahl der exponierten Menschen weltweit nicht gesunken.
In einigen Regionen hat sie sogar stark zugenommen. Zwischen 1990 und 2023 hat sich die Zahl der exponierten Menschen in Subsahara-Afrika nahezu verdoppelt (+98,5 Prozent); in Nordafrika und im Nahen Osten stieg sie um 72,1 Prozent.
Kinder sind weiterhin besonders betroffen. Im Jahr 2023 waren schätzungsweise 767 Millionen Kinder im Alter von 0 bis 14 Jahren Passivrauch ausgesetzt.
1,66 Millionen Todesfälle in einem Jahr
Die gesundheitlichen Folgen sind erheblich. Allein für das Jahr 2023 führen die Forschenden weltweit rund 1,66 Millionen Todesfälle und 44,8 Millionen verlorene gesunde Lebensjahre infolge von Krankheit, Behinderung oder vorzeitigem Tod (DALYs) auf Passivrauch zurück.
Ischämische Herzkrankheiten verursachen in der Gesamtbevölkerung den grössten Anteil dieser Krankheitslast. Bei Kindern fallen Infektionen der unteren Atemwege am stärksten ins Gewicht.
Insgesamt bewertet die Studie die mit neun Gesundheitsproblemen verbundenen Risiken. Neu wird auch Asthma in die Schätzungen der Global Burden of Disease Study einbezogen.
Besserer Schutz im öffentlichen Raum und zu Hause
Für die Autorinnen und Autoren dürfen die Fortschritte der vergangenen drei Jahrzehnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass weiterhin sehr viele Menschen exponiert sind. Die geografischen Unterschiede sind gross, und in einigen Ländern sind Frauen deutlich stärker betroffen als Männer.
Die Forschenden fordern eine beschleunigte Umsetzung und Durchsetzung umfassender Massnahmen zur Tabakprävention und betonen insbesondere den Schutz von Frauen und Kindern. Dieser Schutz betrifft nicht nur öffentliche Orte: Auch die Exposition zu Hause bleibt eine zentrale Herausforderung.
Die Ergebnisse verdeutlichen damit, dass Passivrauch nicht allein eine Frage des individuellen Tabakkonsums ist. Betroffen sind auch Menschen, die selbst nicht rauchen und in ihrem Alltag unfreiwillig exponiert werden.
Und die Schweiz? Eine Gesetzgebung, die sich seit 2010 kaum weiterentwickelt hat
In der Schweiz beruht der Schutz vor Passivrauch nach wie vor weitgehend auf dem 2010 in Kraft getretenen Bundesgesetz. Dieses verbietet das Rauchen in geschlossenen Räumen, die öffentlich zugänglich sind oder mehreren Personen als Arbeitsplatz dienen, etwa in Restaurants, Schulen, Spitälern, öffentlichen Verkehrsmitteln oder Gemeinschaftsbüros. Es sieht jedoch mehrere Ausnahmen vor, unter anderem für Raucherräume und bestimmte Raucherbetriebe.
Seither wurde der bundesrechtliche Rahmen nicht wesentlich weiterentwickelt, um den Schutz der Bevölkerung substanziell auszuweiten. Seit Oktober 2024 gilt das Verbot in den betreffenden Räumen auch für elektronische Zigaretten und erhitzte Tabakprodukte. Bedeutende Lücken bestehen jedoch weiterhin.
Die Bundesgesetzgebung konzentriert sich insbesondere auf Innenräume. Sie bietet keinen allgemeinen Schutz vor Passivrauch im Freien, beispielsweise an Haltestellen des öffentlichen Verkehrs, auf bestimmten Terrassen oder in der Nähe von Gebäudeeingängen. Auch wenn Rauch aus einer Nachbarwohnung, von einem Balkon oder aus gemeinschaftlich genutzten Bereichen in eine Privatwohnung eindringt, besteht kein spezifischer bundesrechtlicher Schutz.
Die AT Schweiz fordert einen besseren Schutz vor Passivrauch
Für die AT Schweiz zeigen die neuen Daten aus The Lancet Public Health erneut, dass Passivrauch nicht nur eine Frage des individuellen Verhaltens ist: Die Bevölkerung vor unfreiwilliger Exposition zu schützen, ist eine Aufgabe der öffentlichen Gesundheit.
Die Schweiz muss ihre Gesetzgebung stärken und die Bevölkerung an Orten besser schützen, an denen sich eine Exposition nicht zumutbar vermeiden lässt. Besondere Aufmerksamkeit gilt Kindern, die weder ihre Umgebung selbst wählen noch sich eigenständig dem Rauch von Erwachsenen entziehen können.
Dieser Schutz muss auch die Entwicklung der Konsumformen berücksichtigen. Elektronische Zigaretten und erhitzte Tabakprodukte geben ebenfalls Aerosole ab, die potenziell schädliche Substanzen enthalten, und müssen konsequent in die Schutzmassnahmen einbezogen werden.
Parallel zu ihrem politischen Engagement hat die AT Schweiz passivesmoke.ch entwickelt, eine nationale Plattform zum Thema Passivrauch. Sie ist in mehreren Sprachen verfügbar und bietet wissenschaftliche und rechtliche Informationen sowie praktische Hilfestellungen für Menschen, die Passivrauch ausgesetzt sind – insbesondere in ihrem eigenen Zuhause.
Mehr als 15 Jahre nach Inkrafttreten des Bundesgesetzes haben sich die wissenschaftlichen Erkenntnisse weiterentwickelt und die Produkte verändert. Nun muss sich auch der Schutz der Schweizer Bevölkerung vor Passivrauch weiterentwickeln.
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