- 31.08.2026
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Vaping, Einfluss und Prävention: drei aktuelle Entwicklungen
Fokus Forschung & Prävention. Vaping bei Jugendlichen, Einfluss der Tabakindustrie, neutrale Verpackungen, eine tabakfreie Generation und die Rückkehr von Vareniclin in der Schweiz: ein Überblick über mehrere aktuelle Entwicklungen.
Vaping bei Jugendlichen
Eine neue systematische Übersichtsarbeit mit 81 Studien gibt einen Überblick über die gesundheitlichen und sozialen Folgen des Vapings bei Kindern und Jugendlichen. Besonders konsistent sind die Ergebnisse zu Atemwegsbeschwerden und zum späteren Einstieg ins Zigarettenrauchen.
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Einfluss
Von China über Luzern bis nach Deutschland zeigen drei aktuelle Entwicklungen das Gewicht wirtschaftlicher Interessen und die Bedeutung von Transparenz in der Tabakpräventionspolitik.
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Prävention
Neutrale Verpackungen in Belgien, das Projekt einer tabakfreien Generation in New York und die Rückkehr von Vareniclin in der Schweiz: drei Entwicklungen, die an unterschiedlichen Punkten auf dem Weg zu einer tabakfreien Gesellschaft ansetzen.
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Dampfen bei Kindern und Jugendlichen: Die Hinweise auf gesundheitliche Schäden verdichten sich
Eine neue systematische Übersichtsarbeit zeichnet eines der bisher umfassendsten Bilder zu den gesundheitlichen und sozialen Folgen des Vapings bei Kindern und Jugendlichen. Die Ergebnisse zeigen konsistente Zusammenhänge mit Atemwegsbeschwerden und dem späteren Einstieg ins Zigarettenrauchen. Für weitere mögliche Folgen verdichtet sich die Evidenz, auch wenn noch nicht alle Fragen zur Kausalität und zu den langfristigen Auswirkungen beantwortet sind.
81 Studien aus acht Themenbereichen
Die im Archives of Disease in Childhood publizierte Übersichtsarbeit erfasste die Forschung von Beginn der ausgewerteten Datenbanken bis September 2025. Von 14’026 geprüften Treffern erfüllten 81 Studien die Einschlusskriterien. Die Stichproben reichten von 83 bis 216’056 Teilnehmenden, überwiegend im Alter von 12 bis 19 Jahren. 22 Studien wurden als qualitativ hoch, 46 als mittel und 13 als niedrig eingestuft.
Am konsistentesten waren die Befunde zu Husten, pfeifender Atmung und Bronchitis ähnlichen Beschwerden. Mehrere höherwertige Studien zeigten solche Zusammenhänge auch nach Berücksichtigung des Zigarettenrauchens und weiterer Einflussfaktoren. Bei Jugendlichen, die E-Zigaretten nutzten, wurde zudem in zahlreichen prospektiven Studien häufiger ein späterer Einstieg ins Zigarettenrauchen beobachtet. Höhere Nikotinkonzentrationen, häufigeres Vaping und ein früherer Beginn gingen mit einem höheren Risiko für anhaltenden Nikotinkonsum einher.
Die Review fand ausserdem Hinweise auf Zusammenhänge mit Angst, Depression und Panikstörungen, mit Problemen der Mund- und Zahngesundheit, Schlafstörungen, Allergien, Augenbeschwerden sowie ungünstigen Schwangerschafts- und Geburtsoutcomes. Hier ist eine besonders sorgfältige Interpretation nötig: Ein grosser Teil der zugrunde liegenden Forschung ist beobachtend, querschnittlich und basiert auf Selbstauskünften. Bei psychischen Beschwerden lässt sich deshalb beispielsweise nicht immer klären, ob Vaping zur Belastung beiträgt, belastete Jugendliche eher zu E-Zigaretten greifen oder beides zutrifft.
Ein Markt, der junge Menschen gezielt anspricht
Die wissenschaftlichen Befunde treffen auf einen rasch wachsenden Markt. Die Campaign for Tobacco-Free Kids verweist darauf, dass 2025 in den USA mehr als 1,4 Millionen Jugendliche aktuell E-Zigaretten nutzten; fast 90 Prozent davon konsumierten aromatisierte Produkte. Die WHO schätzt, dass weltweit rund 15 Millionen 13- bis 15-Jährige E-Zigaretten verwenden.
Aromen, auffällige Verpackungen, günstige Preise und die Vermarktung über soziale Medien sind dabei nicht bloss Begleiterscheinungen. In der neuen Review waren aromatisierte Produkte mit häufigerer Nutzung, stärkerer Abhängigkeit und mehr erfolglosen Aufhörversuchen verbunden. Auch die Exposition gegenüber Nikotinwerbung in sozialen Medien ging mit einer höheren Anfälligkeit für Vaping und Rauchen einher.
Jugendschutz braucht einen eigenen Massstab
Für Erwachsene, die rauchen und einen Rauchstopp anstreben, muss der mögliche Nutzen einzelner Entwöhnungshilfen gesondert beurteilt werden. Bei Kindern und Jugendlichen ist der richtige Vergleich jedoch nicht die Zigarette, sondern der Verzicht auf Tabak und Nikotin. «Weniger schädlich als Rauchen» bedeutet nicht harmlos.
Die Ergebnisse sprechen für einen konsequenten Schutz junger Menschen: weniger attraktive Produkte, strikte Beschränkungen von Werbung und Verkaufsförderung, eine wirksame Alterskontrolle, eine laufende Marktüberwachung und passende Ausstiegshilfen für bereits abhängige Jugendliche. Die heute verfügbaren Erkenntnisse reichen aus, um Prävention und Regulierung nicht weiter aufzuschieben.
Quellen
Oyella et al. (2026): Impacts of vaping on children and young people: a systematic review
Campaign for Tobacco-Free Kids: E-Cigarettes (aktualisiert am 24. Juni 2026)
The Guardian: Young vapers at risk of breathing problems and becoming smokers
Wer prägt die Tabakpolitik? Neue Debatten über Einfluss und Transparenz
Drei aktuelle Entwicklungen aus China, Luzern und Deutschland zeigen, wie eng wirksame Tabakprävention mit der Frage verbunden ist, wer politische Entscheide beeinflusst und wie sichtbar diese Einflussnahme ist. Wo wirtschaftliche Abhängigkeiten, Sponsoring und Lobbykontakte im Dunkeln bleiben, gerät der Schutz der öffentlichen Gesundheit ins Hintertreffen.
China: Regulator und Tabakkonzern unter einem Dach
Während der Zigarettenkonsum in weiten Teilen der Welt zurückgeht, entwickelt sich China in die entgegengesetzte Richtung. Nach einer Analyse der New York Times stieg der Zigarettenkonsum zwischen 2003 und 2023 um 39 Prozent, während er im Rest der Welt um 26 Prozent sank. Rund 2,4 Billionen Zigaretten werden jährlich in China verkauft, was beinahe die Hälfte des weltweiten Volumens entspricht. Zugleich ist der Anteil der rauchenden Bevölkerung leicht zurückgegangen. Steigende Verkaufszahlen und sinkende Prävalenz sind deshalb nicht dasselbe.
Der zentrale Interessenkonflikt ist institutionell verankert: Die State Tobacco Monopoly Administration reguliert den Markt und betreibt zugleich über die China National Tobacco Corporation den dominierenden Zigarettenhersteller. 2025 erwirtschaftete das staatliche Tabaksystem gemäss der Berichterstattung rund 244 Milliarden US-Dollar an Gewinnen und Steuereinnahmen - etwa sieben Prozent der Staatseinnahmen. Eine Einordnung der Stanford University verweist zusätzlich auf schwach durchgesetzte Rauchverbote und die wachsende fiskalische Bedeutung des Tabaks in einer abkühlenden Wirtschaft.
Luzern: Parlamentarischer Vorstoss verlangt Klarheit
Auch in der Schweiz bleibt die Nähe zwischen öffentlichen Institutionen und der Tabakindustrie ein Thema. Im Global Tobacco Industry Interference Index 2025 erreicht die Schweiz 96 von 100 Punkten und liegt auf Rang 99 von 100 – schlechter als jedes andere untersuchte europäische Land.
Ein aktuelles Beispiel ist der Lucerne Dialogue. Japan Tobacco International wird im Netzwerk «Friends» als Premium Member aufgeführt, während gleichzeitig öffentliche Akteure wie die Stadt und der Kanton Luzern sowie das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten als Partner der Initiative auftreten.
Mit der Interpellation 229 vom 9. Juli 2026 verlangt Christoph Landolt im Namen der SP/JUSO-Fraktion vom Stadtrat Auskunft über direkte und indirekte Verbindungen zur Tabakindustrie. Gefragt wird unter anderem nach beteiligten Akteuren, finanziellen Zuwendungen, der Öffentlichkeit von Verträgen, bestehenden Ausschlussregeln sowie möglichen Sponsoringverboten und Transparenzpflichten. Die Antwort steht noch aus. AT Schweiz begrüsst den Vorstoss: Transparenz ist eine Voraussetzung dafür, Interessenkonflikte zu erkennen und klare Grenzen zu ziehen.
Deutschland: Das Informationsfreiheitsgesetz unter Druck
In Deutschland plant die Regierungskoalition eine weitreichende Reform des Informationsfreiheitsgesetzes. Seit 2006 ermöglicht das Gesetz den voraussetzungslosen Zugang zu Dokumenten von Bundesbehörden. Künftig sollen Anfragen nach den bisherigen Plänen nur noch natürlichen Personen mit einem nachgewiesenen «berechtigten Interesse» offenstehen. Auch höhere Gebühren, zusätzliche Ausnahmen und Einschränkungen für Organisationen und Menschen ohne deutsche oder EU-Staatsangehörigkeit stehen zur Diskussion. Die Vorschläge sind noch nicht Gesetz.
Am 16. Juli wandten sich 50 Gesundheits- und zivilgesellschaftliche Organisationen aus Deutschland und dem Ausland in einem offenen Brief an die Bundesregierung und den Bundestag. AT Schweiz gehört zu den Mitunterzeichnenden. Der Brief warnt, dass die Reform den Zugang zu Informationen faktisch aushöhlen könnte. Gerade für die Tabakprävention ist dieses Recht zentral: Nur wenn Kontakte, Korrespondenzen und wirtschaftliche Interessen nachvollziehbar sind, lässt sich prüfen, wer an gesundheitspolitischen Entscheiden mitwirkt.
Mitzeichnende Organisationen, darunter die AT Schweiz
Transparenz ist keine Nebensache
Die drei Beispiele unterscheiden sich stark, haben aber einen gemeinsamen Kern. Wirksame Tabakpolitik braucht eine klare Trennung zwischen Regulierung und kommerziellen Interessen sowie öffentlich nachvollziehbare Regeln für Kontakte, Partnerschaften, Sponsoring und finanzielle Zuwendungen. Transparenz verhindert Einflussnahme nicht automatisch. Ohne Transparenz bleibt sie jedoch oft unsichtbar.
Quellen
New York Times: Xi Jinping Quit Smoking. China Still Cannot
Stanford SCCEI: Matthew Kohrman on rising cigarette consumption in China
AT Schweiz: Global Tobacco Industry Interference Index 2025
Von neutralen Packungen bis zum Rauchstopp: Drei Entwicklungen in Belgien, New York und der Schweiz
Tabakprävention muss gleichzeitig verhindern, dass neue Generationen abhängig werden, und Menschen unterstützen, die mit dem Rauchen aufhören möchten. Drei aktuelle Entwicklungen zeigen, wie unterschiedlich die Instrumente dafür sein können – von neutralen Verpackungen über ein generationenbezogenes Verkaufsverbot bis zum verbesserten Zugang zu einem wirksamen Rauchstoppmedikament.
Belgien weitet neutrale Verpackungen aus
Seit dem 1. Juni 2026 gelten in Belgien die Regeln für neutrale Verpackungen nicht mehr nur für Zigaretten, Roll- und Wasserpfeifentabak. Sie wurden auf weitere Tabakprodukte und pflanzliche Rauchprodukte ausgeweitet, darunter Zigarren, Zigarillos und erhitzte Tabakprodukte sowie bestimmte Geräte und Zubehör wie Zigarettenpapier, Filter und Hülsen. Logos, auffällige Farben und andere Markenelemente werden dadurch weitgehend von den Verpackungen verbannt.
Ein wichtiger blinder Fleck bleibt: E-Zigaretten fallen weiterhin nicht unter die belgischen Vorgaben für neutrale Verpackungen. Die belgische Stiftung gegen Krebs fordert deshalb, auch Vape-Verpackungen zu standardisieren. Gerade bei Produkten, die mit Farben, Aromen und verspielten Designs gezielt junge Menschen ansprechen, sollte die Regulierung nicht an Produktgrenzen haltmachen.
New York diskutiert eine tabakfreie Generation
Im US-Bundesstaat New York wurde am 28. Mai 2026 der Gesetzentwurf A11509 eingebracht. Er würde den Verkauf von Tabak- und Vape-Produkten an alle Personen verbieten, die nach dem 31. Dezember 2007 geboren wurden. Anders als bei einem festen Mindestalter würde das Verbot diese Generation lebenslang begleiten. Bei einer Annahme sollte es am 1. Januar 2028 in Kraft treten.
Der Vorschlag zeigt, dass das im Vereinigten Königreich beschlossene Modell einer «rauchfreien Generation» inzwischen auch ausserhalb Europas aufgegriffen wird. Sein politischer Weg in New York steht allerdings erst am Anfang: Der Entwurf wurde an den Gesundheitsausschuss überwiesen; eine Abstimmung hat bislang nicht stattgefunden. Er ist deshalb als politisches Signal und nicht als beschlossene Reform einzuordnen.
Vareniclin ist in der Schweiz wieder verfügbar
Auch beim Rauchstopp gibt es in der Schweiz eine wichtige Entwicklung. Swissmedic erteilte Varénicline-DALITA am 8. Juli 2025 die Zulassung; seit dem 12. Februar 2026 ist das rezeptpflichtige Generikum im Schweizer Handel erhältlich. Der Wirkstoff Vareniclin lindert das Verlangen nach Nikotin und Entzugssymptome und vermindert zugleich den belohnenden Effekt des Rauchens.
Eine Cochrane-Review zeigt mit hoher Sicherheit, dass Vareniclin mehr Menschen zu einem längerfristigen Rauchstopp verhilft als Bupropion oder eine einzelne Form der Nikotinersatztherapie. Die Wirkung ist wahrscheinlich ähnlich wie bei einer Kombination verschiedener Nikotinersatzprodukte. Die Behandlung sollte ärztlich begleitet und nach Möglichkeit mit Beratung oder weiterer Verhaltensunterstützung kombiniert werden.
Positiv ist, dass damit nach dem Rückzug von Champix wieder ein wirksames Medikament direkt in der Schweiz verfügbar ist. Der Zugang bleibt jedoch unvollständig: Laut stopsmoking.ch wird das Präparat derzeit nicht generell von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung vergütet. Eine wirksame Tabakpolitik sollte beides leisten: den Einstieg in die Abhängigkeit erschweren und evidenzbasierte Hilfe beim Ausstieg möglichst leicht zugänglich machen.
Quellen
Belgischer Föderaler Öffentlicher Dienst Gesundheit: Tabakregulierung
Belgische Stiftung gegen Krebs: Neutrale Verpackungen für E-Zigaretten
New York State Assembly: Bill A11509
Swissmedic Journal 07/2025: Varénicline-DALITA