- 23.04.2026
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Die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz (AT Schweiz) schliesst sich dem weltweiten Aufruf zum Stopp von Tabakwerbung in auf Jugendliche ausgerichteten Branchen an.
Ein weltweiter Zusammenschluss von Gesundheits-, Interessenvertretungs- und privaten Organisationen hat einen gemeinsamen Appell an grosse globale Marken und Unterhaltungsplattformen gerichtet – darunter die Formel 1, Disney, Lego und Mattel. Sie fordern diese auf, die Richtlinien zur Unterbindung von indirekter Werbung für Tabak- und Nikotinprodukte zu verschärfen.
In dem Schreiben wird kritisiert, dass in Branchen wie Sport, Unterhaltung und Konsumgüter Marken, Partnerschaften und Bildmaterial der Tabakindustrie nach wie vor präsent sind. Weiter sei man über die Wiederaufnahme der Partnerschaften zwischen Formel-1-Teams und Tabakunternehmen enttäuscht. Im Jahr 2006 stoppte die Formel 1 Zigaretten-Sponsorings. Die Koalition fordert nun den internationalen Motorsportverband auf, dasselbe auch bei anderen Tabakprodukten wie Nikotinbeuteln zu tun.
Sie äussert zudem ihre Besorgnis darüber, dass die modernen Marketingstrategien der Tabakindustrie, deren Botschaften sich nun um Innovation, Nachhaltigkeit oder eine «rauchfreie Zukunft» drehen, den Nikotinkonsum insbesondere bei jüngeren Zielgruppen weiter normalisieren könnten. Philip Morris International kündigte kürzlich einen Ausbau der Partnerschaft mit Ferrari an, um seine Zyn-Nikotinbeutel bei Formel-1-Rennen zu bewerben.
Im Brief wird ebenfalls erwähnt, dass British American Tobacco die Nikotinbeutelmarke Velo weiterhin durch das Sponsoring des Formel-1-Teams McLaren bewirbt. Das Unternehmen hat kürzlich ein überarbeitetes Design angekündigt, um das Velo-Logo hervorzuheben.
Unter der Federführung der «Campaign for Tobacco-Free Kids» umfasst die Initiative zudem separate Schreiben an die CEOs der Walt Disney Company, Lego und Mattel, in denen diese aufgefordert werden, die Forderungen nach einem vollständigen Verbot von Tabaksponsoring in der Formel 1 zu unterstützen. Mit ihren plattformübergreifenden Ökosystemen im Wert von mehreren Milliarden Dollar, inklusive Medien, Konsumgüter, Live-Veranstaltungen und digitale Environments, ist die Reichweite dieser Unternehmen enorm: Disneys Content-Ökosystem erreicht weltweit Hunderte Millionen Menschen; Lego verkauft jährlich über 100 Milliarden Bausteine; Mattel erreicht Kinder in mehr als 150 Ländern; und die Formel 1 zieht in jeder Saison insgesamt über 1,5 Milliarden Zuschauer an.
Insgesamt machen ihre beispiellose Reichweite, Sichtbarkeit und ihr kultureller Einfluss sie zu Schlüsselakteuren, wenn es um die Prägung von Normen, Verhaltensweisen und Lebensstil geht – insbesondere bei jungen Zielgruppen. Ihre Haltung zum Thema «Partnerschaften mit Tabakunternehmen» ist daher von grosser Tragweite.
Die Diskussion unterstreicht die wachsende Komplexität des Tabakmarketings, das zunehmend über indirekte Kanäle wie Sponsoring, digitale Inhalte und Lifestyle-Branding erfolgt. Politische Massnahmen hinken zudem oft hinter dem Marketing für neue Tabak- und Nikotinprodukte her.
Die Koalition fordert klarere Massnahmen, um sicherzustellen, dass Partnerschaften und Medieninhalte nicht unbeabsichtigt zur Werbung für Nikotinprodukte beitragen. Dazu gehören eine strengere Sorgfaltspflicht bei kommerziellen Kooperationen, mehr Transparenz und die Angleichung an internationale Verpflichtungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, einschliesslich des WHO-Rahmenübereinkommens zur Eindämmung des Tabakkonsums. Obwohl die Schweiz das Übereinkommen unterzeichnet hat, wurde es nicht ratifiziert. Über 20 Jahre später hat sie vor kurzem begonnen, es in nationales Recht umzuwandeln. Eine formelle Ratifizierung wird weiterhin abgelehnt.
Die Diskussion knüpft auch an die laufenden Debatten über Werbebeschränkungen, Jugendschutz und die Regulierung neuer Nikotinprodukte an. Sie unterstreicht die Notwendigkeit einheitlicher Ansätze, die nicht nur traditionelle Werbung, sondern auch neuere Formen der Einflussnahme in kulturellen und digitalen Ökosystemen berücksichtigen.
«Die Vermarktung von Tabakprodukten an denselben Orten wie Disney, Lego und Hot Wheels ist Teil der aktuellen Strategie. Die Industrie richtet sich an Kinder und zielt darauf ab, sie von Produkten abhängig zu machen, die ihnen schaden, während sie gleichzeitig behauptet, ihre Produkte seien nur für Erwachsene bestimmt. Die Formel 1 muss Kinder schützen, ihre Zusammenarbeit mit der Tabakindustrie unverzüglich beenden und sicherstellen, dass sie nicht als Plattform für die Vermarktung schädlicher und suchterzeugender Produkte an junge Fans dient», sagte Yolonda C. Richardson, Präsidentin und CEO der «Campaign for Tobacco-Free Kids».
Dieser internationale Aufruf zum Handeln unterstreicht, wie wichtig Wachsamkeit und Koordination zwischen politischen Entscheidungsträgern, der Zivilgesellschaft und Akteuren aus der Privatwirtschaft in der Schweiz und weltweit sind.
Anbei PDFs der Dokumente:
https://tobaccofreekids.org/Formula-One-letter
https://tobaccofreekids.org/Formula-One-Lego