Neue Organisation TIME nimmt Deutschlands Tabaklobby unter die Lupe

In Deutschland gibt es eine neue Organisation, die den Einfluss der Tabakindustrie offenlegt. TIME – für eine nikotinfreie Zukunft wurde von Laura Graen gegründet und verbindet investigative Recherchen mit politischer Interessenvertretung und Kampagnenarbeit. Graens jüngste kritische Auseinandersetzung mit einer Bundestagsanhörung zeigt, weshalb diese Arbeit für die öffentliche Gesundheit wichtig ist.

TIME untersucht, wie die Tabakindustrie die Politik beeinflusst, und setzt sich für eine wirksame Tabak- und Nikotinkontrolle ein. Graen bringt mehr als 20 Jahre Erfahrung mit: Sie hat Unfairtobacco mitgegründet und fünf Jahre am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) gearbeitet.

Ein aktuelles Beispiel ist die Anhörung des Bundestags zur Tabakbesteuerung vom 5. Oktober 2026. Graen hinterfragte die Auswahl der Sachverständigen durch die CDU/CSU-Fraktion. Die definitive Liste der Eingeladenen bestätigt, dass die Fraktion drei Tabakindustrieverbände sowie die Deutsche Zoll- und Finanzgewerkschaft (BDZ) nominierte. Gesundheitliche Fachkenntnisse brachten die AOK, der Ökonom Tobias Effertz und Katrin Schaller vom DKFZ ein, die auf Vorschlag der Grünen hinzukam.

Diese Auswahl verdient eine kritische Prüfung, ohne dem Ergebnis des Gesetzgebungsverfahrens vorzugreifen: Laut dem Bericht des Bundestags zur Anhörung schlugen CDU/CSU und SPD zugleich stärkere Steuererhöhungen vor, als der Regierungsentwurf vorsah.

Der massgebliche Grundsatz ist klar. Artikel 5.3 des WHO-Rahmenübereinkommens zur Eindämmung des Tabakgebrauchs verpflichtet die Vertragsparteien, ihre Tabakkontrollpolitik vor den kommerziellen Interessen der Industrie zu schützen. Die Leitlinien zur Umsetzung empfehlen, Kontakte auf das für eine wirksame Regulierung notwendige Mass zu beschränken und transparent zu gestalten. Die Liste der Eingeladenen allein belegt keinen Verstoss. Sie bietet jedoch einen konkreten Ansatzpunkt, um den Zugang zu politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern zu untersuchen.

Für AT ist diese kritische Beobachtung auch über Deutschland hinaus relevant. Wer die öffentliche Gesundheit schützen will, muss nachvollziehen können, wer politische Entscheidungen mitprägt und welche Interessen diese Akteure vertreten. Watchdog-Organisationen wie TIME können diese Verbindungen sichtbar machen und Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger zur Rechenschaft ziehen.

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