Europas Tabakkontroll-Revolution: Drei Länder, eine klare Richtung

In der europäischen Tabakpolitik zeichnet sich derzeit ein grundlegender Wandel ab. Innerhalb weniger Wochen haben drei grosse europäische Länder Entscheide getroffen, die zusammen eine klare Verschiebung zeigen, wie Staaten künftig mit Rauchen, E-Zigaretenn und der Tabakindustrie umgehen wollen.

Den Anfang machte das Vereinigte Königreich. Am 29. April 2026 trat das Tobacco and Vapes Act in Kraft. Ein Gesetz, das von Gesundheitsexpert:innen als eines der bedeutendsten Public-Health-Gesetze seit Jahrzehnten bezeichnet wird. Ab dem 1. Januar 2027 wird der Verkauf von Tabak an alle Personen, die am oder nach dem 1. Januar 2009 geboren wurden, dauerhaft verboten. Damit wird die heutige junge Generation nie legal Zigaretten kaufen können.

Das Gesetz nimmt auch E-Zigaretten stärker in den Fokus: Werbung und Sponsoring werden verboten, und die Regierung erhält neue Befugnisse gegen Verpackungen, die gezielt junge Menschen ansprechen. Auch die Durchsetzung wird gestärkt: 10 Millionen Pfund fliessen in die Marktaufsicht (Trading Standards), um zusätzliche Kontrollen vor Ort zu ermöglichen, ergänzt durch strengere Lizenzierungsregeln und wirksamere Instrumente gegen illegalen Verkauf. Der gesundheitliche Hintergrund ist klar: Täglich sterben im Vereinigten Königreich mindestens 40 Menschen an rauchbedingten Herzinfarkten und Schlaganfällen.

Irland folgt und das zu einem besonders strategischen Zeitpunkt. Am 1. Juli 2026 übernimmt das Land die EU-Ratspräsidentschaft mit dem klaren Ziel, die Revision der Tabakprodukterichtlinie voranzutreiben, insbesondere im Hinblick auf neue Nikotinprodukte.

Auch national setzt Irland ambitionierte Massnahmen um: Das Mindestalter für den Kauf von Tabak soll bis Februar 2028 von 18 auf 21 Jahre angehoben werden. Detailhändler, die weiterhin Tabak- oder Vape-Produkte verkaufen wollen, müssen künftig jährliche Lizenzgebühren von bis zu 1’800 Euro entrichten. Zwei Gesetzesvorlagen sehen zudem ein Verbot von Einweg-E-Zigaretten sowie strengere Regeln für Aromen, Verpackung und Verkaufsförderung vor. Parallel wurde eine nationale Sensibilisierungskampagne zu Nikotin und Vaping lanciert, die sich gezielt an junge Menschen richtet.

Mit der EU-Ratspräsidentschaft hat Irland nun die Möglichkeit, nationale Prioritäten auf europäischer Ebene zu verankern, was heute nationale Politik ist, könnte schon bald zum europäischen Standard werden.

Deutschland setzt derweil auf steuerliche Massnahmen. Ein Entwurf aus dem Bundesfinanzministerium sieht eine Erhöhung der Tabaksteuer um rund 13 % ab dem 1. September 2026 vor, gefolgt von einer weiteren Erhöhung Anfang 2027. Insgesamt könnte der Anstieg über 20 % betragen.

Das Finanzministerium rechnet mit zusätzlichen Einnahmen von rund 2,8 Milliarden Euro. Betroffen wären neben Zigaretten auch Feinschnitt- und erhitzte Tabakprodukte. Der Vorschlag muss noch parlamentarisch beraten und vom Bundesrat genehmigt werden. Die Tabakindustrie warnt bereits vor einem möglichen Anstieg des Schwarzmarkts.

Drei Länder, drei unterschiedliche Instrumente - ein generationenbezogenes Verkaufsverbot, regulatorische Reformen aus der EU-Ratspräsidentschaft und steuerpolitische Massnahmen - doch die Richtung ist eindeutig.

Für die Schweiz, die diese Entwicklungen bislang eher beobachtet, stellt sich zunehmend die Frage: Wie lange bleibt sie noch Zuschauerin?

Verwandte Artikel