Die Evidenz ist eindeutig: Tabakprodukte zum Erhitzen und Nikotin sind gefährlicher, als die Industrie behauptet

Eine Reihe aktueller wissenschaftlicher Studien stellt die sorgfältig aufgebaute Narrative der Tabak- und Nikotinindustrie zunehmend infrage, wonach neuere Produkte weniger schädliche Alternativen seien. Zusammengenommen zeichnen die Ergebnisse ein klares Bild.

Eine besonders direkte Widerlegung der Industrieargumente liefern die Universität Maastricht und das niederländische Nationale Institut für öffentliche Gesundheit und Umwelt. In einer Analyse von 74 unabhängigen Studien aus den Jahren 2019 bis 2024 kommen die Forschenden zum Schluss, dass Tabakprodukte zum Erhitzen keine sichere Alternative zu Zigaretten darstellen.

Obwohl diese Produkte häufig als weniger schädlich vermarktet werden, zeigen die Ergebnisse, dass ihre Emissionen weiterhin zahlreiche gesundheitsschädliche Stoffe enthalten und bereits kurzfristig negative Effekte auftreten. Konsumierende weisen messbare Veränderungen bei Blutdruck, Herzfrequenz und Gefässelastizität auf sowie eine erhöhte Atemwegsresistenz. Zwar sind diese Effekte weniger ausgeprägt als bei Zigarettenrauchenden, liegen jedoch klar über denen von Personen ohne Tabakkonsum. Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Tabakprodukte zum Erhitzen sollten ebenso konsequent entmutigt und geregelt werden werden wie herkömmliche Tabakprodukte.

Das European Heart Journal geht noch weiter und richtet den Fokus nicht nur auf erhitzte Tabakprodukte, sondern auf Nikotin selbst,unabhängig von der Konsumform. In einer umfassenden Stellungnahme wird gewarnt, dass nikotinhaltige Produkte, ob verbrannt oder rauchfrei, ein zunehmendes Risiko für die Herz-Kreislauf-Gesundheit darstellen.

Während Tabakrauchen weiterhin Millionen Todesfälle pro Jahr verursacht, droht die rasche Verbreitung von E-Zigaretten, Tabakprodukten zum Erhitzen und synthetischen Nikotinbeuteln, insbesondere unter Jugendlichen, die Fortschritte der Tabakkontrolle der letzten Jahrzehnte zu untergraben. Die Autor:innen legen zwölf evidenzbasierte Erkenntnisse zur kardiovaskulären Toxizität von Nikotin vor und fordern eine umfassende Regulierung aller Nikotinabgabesysteme.

Die Auswirkungen von Tabak reichen zudem weit über die Konsumierenden hinaus. Eine neue Studie in Environmental Pollution hat erstmals über einen Zeitraum von zehn Jahren untersucht, was mit weggeworfenen Zigarettenstummeln geschieht. Die Ergebnisse zeigen, dass diese über Jahre hinweg komplexe mikrobiologische, chemische und toxikologische Veränderungen durchlaufen und damit eine langfristige Umweltbelastung darstellen.

Angesichts von Billionen weggeworfener Zigarettenstummel weltweit ist die Verschmutzung von Böden und Gewässern ein anhaltendes Problem für Umwelt und Gesundheit - weit über den eigentlichen Konsum hinaus.

Schliesslich quantifiziert eine umfassende Analyse in The Lancet Oncology die erheblichen Auswirkungen des Tabakkonsums auf die Gesundheit von Frauen, insbesondere im Zusammenhang mit Brustkrebs. Die Studie zeigt, dass durch einen gesunden Lebensstil, einschliesslich Rauchverzicht, weltweit mehr als ein Viertel der durch Brustkrebs verlorenen gesunden Lebensjahre vermieden werden könnte. Tabakkonsum ist mit einem Anteil von 8 % der zweitgrösste beeinflussbare Risikofaktor für die globale Brustkrebsbelastung, nach hohem Konsum von rotem Fleisch. Die Studie zeigt zudem, dass die Zahl der jährlichen Brustkrebsfälle voraussichtlich von 2,3 Millionen im Jahr 2023 auf über 3,5 Millionen bis 2050 steigen wird, während die jährlichen Todesfälle um 44 % auf fast 1,4 Millionen zunehmen dürften.

Vom Herz bis zur Lunge, von Flussböden bis zu Krebsstationen, die wissenschaftliche Evidenz weist in eine klare Richtung: Es gibt keinen sicheren Bereich im Tabak- und Nikotinkonsum.

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