Überblick über die Instrumente des Monitorings

Das systematische Monitoring des Rauchens in der Schweiz stützt sich derzeit fast ausschliesslich auf zwei landesweit repräsentative Studien: die Schweizerische Gesundheitsbefragung[1] (SGB) bei der Bevölkerung ab 15 Jahren und die Studie Health Behaviour in School-aged Children[2] (HBSC) bei 11- bis 15-jährigen Schülerinnen und Schülern. Sie bilden die wichtigsten Datenquellen für die Indikatoren zum Rauchen im Monitoringsystem Sucht und NCD (MonAM) des Bundesamts für Gesundheit (BAG; Obsan, 2026[3]). Diese Indikatoren erfassen zentrale Aspekte des Rauchverhaltens, etwa die Konsummenge oder neue Produkte, nur teilweise. Ergänzt werden sie durch Indikatoren aus Datenquellen mit unterschiedlichen methodischen Grundlagen, die in der Regel keine eigentlichen Monitoringinstrumente sind. Dazu zählen Online-Omnibusbefragungen und Sekundäranalysen von Erhebungen, die das Rauchen nur indirekt behandeln. Ein Beispiel ist die Erhebung Gesundheit und Lifestyle, eine Zusammenarbeit des Bundesamts für Gesundheit, des Tabakpräventionsfonds und des Bundesamts für Statistik[4]. Andere Quellen lassen sich nur unzureichend in ein Monitoring einbinden, etwa wegen fehlender gemeinsamer Definitionen und Messinstrumente oder aufgrund erheblicher methodischer Unterschiede.

Es ist deshalb sehr bedauerlich, dass das Monitoring des Rauchens in der Schweiz derzeit auf sehr wenigen gezielt dafür erhobenen Indikatoren beruht, die durch uneinheitliche Indikatoren geringerer Qualität ergänzt werden. Um den Mangel an hochwertigen Daten teilweise auszugleichen, stützt sich der epidemiologische Überblick auf unserer Webseite auch auf ältere, aber vergleichsweise detaillierte Daten: jene des Tabakmonitorings Schweiz von 2001 bis 2010 und der CoRolAR-Befragung des Suchtmonitorings Schweiz[5] von 2011 bis 2016. Eine Übersicht über die für unsere epidemiologische Beschreibung berücksichtigten Befragungen findet sich am Ende dieser Seite.

Lücken bei den Monitoringinstrumenten in der Schweiz

Für das Monitoring des Rauchverhaltens weisen auch die Schweizerische Gesundheitsbefragung und die Studie Health Behaviour in School-aged Children Schwächen auf. Die SGB wird seit 1992 nur alle 5 Jahre durchgeführt. Damit lässt sich die Entwicklung des Rauchens in der Schweiz nicht kontinuierlich verfolgen. Die HBSC-Studie hat dieselbe Einschränkung: Sie findet seit 1986 alle vier Jahre statt. Aufgrund dieser Erhebungsabstände und des erheblichen organisatorischen Aufwands sind die daraus abgeleiteten Schätzungen fast durchgehend nicht mehr aktuell. Detaillierte Ergebnisse liegen erst ein bis zwei Jahre nach der Datenerhebung vor und bleiben dann bis zur Veröffentlichung der nächsten Erhebungswelle die massgebliche Referenz. So wurden beispielsweise die detaillierten Ergebnisse der SGB 2022 zu den Konsumanteilen in der erwachsenen Bevölkerung 2024 veröffentlicht. Sie werden voraussichtlich bis 2029 oder sogar 2030 als Referenz dienen. Der organisatorische Aufwand beider Studien, SGB und HBSC, erfordert zudem, dass die Fragebogen lange im Voraus feststehen. Das erschwert es, auf neue Entwicklungen zu reagieren. Gerade im Bereich der «neuen Tabakprodukte» ist dies problematisch: Seit mehr als einem Jahrzehnt kommen laufend neue Produkte auf den Markt oder lösen andere rasch ab. Die bestehenden Monitoringinstrumente können ihre Aufgabe als Frühwarnsystem und zur Beobachtung neuer Entwicklungen daher nur sehr eingeschränkt erfüllen. Häufigere Omnibusbefragungen wie die Erhebung Gesundheit und Lifestyle[4], die sich hauptsächlich mit Themen rund um das Rauchen befasst, sollen diese Lücken schliessen. Da diese Erhebung jedoch nicht ausdrücklich für ein epidemiologisches Monitoring konzipiert wurde, kann sie die Einschränkungen nur teilweise ausgleichen.

Die wichtigsten Datenquellen für das Monitoring des Rauchens in der Schweiz (nur landesweit repräsentative Daten)

Umfrage Schweizer Schülerinnen- und Schülerbefragung zum Gesundheitsverhalten (HBSC) Schweizerische Gesundheitsbefragung (SGB) Umfrage CoRoIAR des Schweizerischen Suchtmonitorings (AMIS) Tabakmonitoring Schweiz (TMS) Erhebung Gesundheit und Lifestyle
Umsetzung Sucht Schweiz (unter der Führung der WHO Europa) Bundesamt für Statistik (BFS) Sucht Schweiz, IUMSP(1), ISGF(2), IBSF(3) Universität Zürich/Hans Krebs BFS/BAG/TPF
Erhebungsjahre 1986 - 2022; alle 4 Jahre 1992 - 2022 / alle 5 Jahre 2011 - 2016 (jährlich) 2001 - 2010 (jährlich) 2018, 2022, 2023, 2024, 2025
Jährliches N > 11'000 > 22'000 > 11'000 > 10'000 ca. 6’000
Zielpopulation Schülerinnen und Schüler im Alter von 11 - 15 Jahren Allgemeinbevölkerung ab 15 Jahren Allgemeinbevölkerung ab 15 Jahren Allgemeine Bevölkerung 14 bis 65 Jahre Gesamtbevölkerung ab 15 Jahren
Basisreferenz www.hbsc.ch www.bfs.admin.ch www.suchtmonitoring.ch www.tabakmonitoring.ch bag.admin.ch

1. Institut universitare de mèdicine social et preventive
2. Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung
3. Institut für Begleit- und Sozialforschung

Eine weitere wesentliche Einschränkung für eine umfassende Untersuchung des Rauchens liegt im begrenzten Umfang der erhobenen Daten. Beide Studien decken ein breites Spektrum an Gesundheitsthemen ab: Sowohl die Schweizerische Gesundheitsbefragung als auch die HBSC-Studie befassen sich mit dem Gesundheitsverhalten im Allgemeinen. Für das Rauchen steht deshalb nur wenig Platz zur Verfügung, und es werden lediglich einige wenige spezifische Fragen dazu aufgenommen. Damit lassen sich weder die aktuellen Erscheinungsformen des Rauchens noch ihre Entwicklung über die Zeit umfassend dokumentieren.

Möglicherweise noch problematischer sind die grossen Abstände zwischen den Erhebungen der SGB und der HBSC-Studie, weil sie die Interpretation der Entwicklung erschweren. Insbesondere bleibt unklar, ob Unterschiede zwischen zwei Messzeitpunkten tatsächliche Trends oder nur vorübergehende Schwankungen widerspiegeln, etwa aufgrund besonderer Umstände in einem Erhebungsjahr. Die Trends, die sich aus den jüngsten veröffentlichten Ergebnissen abzeichnen, lassen sich somit erst vier oder fünf Jahre später bestätigen oder widerlegen.

Die langen Erhebungsabstände und der begrenzte Platz in den Fragebogen verhindern zudem, dass die Instrumente rasch an kurzfristige Entwicklungen angepasst werden, etwa an neue Konsumtrends oder Produkte. Aus denselben Gründen können die Studien auch angrenzende Themen nicht abdecken, beispielsweise den Rauchstopp oder die Frage, wie stark die Bevölkerung und insbesondere junge Menschen dem Marketing ausgesetzt sind. Hinzu kommt, dass die Befragungen ihre Funktion als langfristiges Monitoring erfüllen müssen. Deshalb werden von Erhebung zu Erhebung bevorzugt die bisherigen Messinstrumente eingesetzt. Das schränkt in beiden Studien den Spielraum ein, bestehende Fragen anzupassen oder neue Fragen zu weiteren Aspekten des Tabakkonsums aufzunehmen, etwa zu neuen oder anderen «traditionellen» Tabakprodukten. Aus diesem Grund betrachtet die HBSC-Studie den Tabakkonsum bei den 11- bis 15-Jährigen hauptsächlich anhand des Zigarettenkonsums. Die wenigen Fragen zu anderen Tabakprodukten ergänzen lediglich die grundlegenden Fragen zum Zigarettenrauchen.

Viele dieser Einschränkungen der SGB und der HBSC-Studie wurden früher durch eigens dem Rauchen gewidmete Befragungen vermieden. Dies gilt etwa für die Erhebungsabstände, die mangelnde Aktualität der Schätzungen, die unvollständige Erfassung der Konsumformen, die geringe Reaktionsfähigkeit auf neue Entwicklungen und die unzureichende Abdeckung angrenzender Themen. Entsprechende Befragungen gab es zunächst im Tabakmonitoring Schweiz (TMS) und danach in der CoRolAR-Befragung des Suchtmonitorings Schweiz[5]. Letztere erfasste das Rauchen sehr umfassend, unter anderem mit Teilstichproben und modularen Fragebogen speziell zu diesem Thema.

Regelmässige Befragungen als Priorität

Angesichts der Schwächen des heutigen Monitorings des Rauchverhaltens in der Schweiz und der Einschränkungen seiner wichtigsten Datengrundlagen sollte die Wiederaufnahme regelmässiger Erhebungen eine Priorität sein. Dafür braucht es Instrumente, die gezielt das Rauchen und verwandte Themen erfassen, etwa den Rauchstopp sowie den Einfluss des sozialen und wirtschaftlichen Umfelds und der individuellen sozioökonomischen Verhältnisse. Solche regelmässigen Erhebungen sollten auch künftige Entwicklungen erkennen und verfolgen können, die heute noch nicht absehbar sind. Dazu gehören neue Tabakprodukte ebenso wie neue Konsumformen von CBD und Cannabis, die häufig zusammen mit Tabak konsumiert werden. Eine Wiederaufnahme von Befragungen nach dem Vorbild des Tabakmonitorings Schweiz und des Suchtmonitorings Schweiz zwischen 2001 und 2016 würde deshalb ein wirksames epidemiologisches Monitoring des Rauchens ermöglichen. Ergänzt werden müsste es durch die systematische, kontinuierliche Erhebung von Verkaufs- und Marketingdaten zu Tabakprodukten, Geräten neuer Generationen und den Produkten, die diese künftig zwangsläufig ablösen werden, sowie beispielsweise zu Nikotinersatzprodukten und anderen Angeboten für den Rauchstopp. Besonders wichtig ist auch zu verstehen, wie und wo junge Menschen die konsumierten Produkte kaufen. Mit dem starken Wachstum des Onlinehandels, insbesondere während der COVID-19-Pandemie, haben sich die Kaufgewohnheiten und Zugangswege verändert, gerade bei jungen Menschen. Deren Zugang zu Tabakprodukten sollte deshalb gezielt untersucht werden, insbesondere seit dem Inkrafttreten des Tabakproduktegesetzes (TabPG) 2024, das den Verkauf an Minderjährige nun verbietet. Entsprechend müssen auch Onlinekäufe Gegenstand des Verkaufsmonitorings und der Verkaufskontrollen sein.

Rauchverhalten entwickelt und verfestigt sich in der Schweiz vor allem in den jüngeren Altersgruppen. Gleichzeitig fehlen gerade für diese Gruppen detaillierte Daten, die sich nach Alter auswerten lassen. Deshalb erscheint ein kontinuierliches Monitoring mit jährlichen Befragungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen unerlässlich. Bei der älteren Bevölkerung könnten dagegen Erhebungen alle zwei Jahre durchgeführt werden.

Das ideale Monitoringsystem

Ein gezielt auf das Rauchen in der Schweiz ausgerichtetes Monitoringsystem würde idealerweise zwei Arten von Informationen verbinden: in Echtzeit erhobene Indikatoren, etwa Verkaufsdaten oder Angaben zur Nutzung von Dienstleistungen, und kurzfristig verfügbare, fortlaufend veröffentlichte epidemiologische Schätzungen. Letztere sollten insbesondere die Bevölkerungsgruppen erfassen, die vom Rauchen und von neuen Entwicklungen besonders betroffen sind. Zudem müsste das System mit dem entsprechenden Monitoringmodell der Weltgesundheitsorganisation[6] vereinbar sein sowie auf einer klaren theoretischen Grundlage[7] und ausdrücklich definierten Überwachungskriterien[8] beruhen. Dies ist in der Schweiz derzeit nicht der Fall.

Die Schwächen des Monitorings in der Schweiz betreffen nicht nur Tabak, sondern auch andere psychoaktive Substanzen und Verhaltensweisen im Zusammenhang mit Sucht. Ohne ein hochwertiges Monitoringsystem lässt sich die Gesundheits- und Präventionspolitik im Bereich des Rauchens nur unzureichend steuern. Ein solches System verursacht zwar Kosten, die sich heute durch einen stärkeren Einsatz neuer Technologien auch senken lassen. Wir sind jedoch überzeugt, dass unser Land die Mittel hat, ein solches Instrument für alle Suchtformen aufzubauen, insbesondere für das Rauchen. Denn dieses verursacht die Hälfte aller suchtbedingten gesellschaftlichen Kosten in der Schweiz.


[1] https://www.bfs.admin.ch/bfs/fr/home/statistiques/sante/enquetes/sgb.html ; eingesehen am 30.04.2026.

[2] https://www.hbsc.ch; eingesehen am 30.04.2026.

[3] https://ind.obsan.admin.ch/fr/monam/topic/1TAB; eingesehen am 30.04.2026.

[4] https://www.bag.admin.ch/fr/enquete-sante-et-lifestyle; eingesehen am 30.04.2026.

[5] https://www.suchtmonitoring.ch/fr/page/8.html; eingesehen am 30.04.2026.

[6] https://www.who.int/teams/noncommunicable-diseases/surveillance/systems-tools/tobacco-surveillance; eingesehen am 30.04.2026.

[7] voir par ex. Groseclose, Samuel L.; Buckeridge, David L. (2017): Public Health Surveillance Systems: Recent Advances in Their Use and Evaluation. In Annual review of public health 38:57–79.

[8] Drewe, J. A.; Hoinville, L. J.; Cook, A. J. C.; Floyd, T.; Stärk, K. D. C. (2012): Evaluation of animal and public health surveillance systems: a systematic review. In Epidemiology and infection 140:575–590.

AT Schweiz, April 2026