Grosses Medienecho für das Themendossier über die Tabakindustrie und die Schweizer Hochschulen

Am 19. Februar 2026 veröffentlichte das vom Tabakpräventionsfonds finanzierte Projekt Transparency and Truth (TnT) ein bedeutendes Themendossier, das die vielfältigen Formen der Einflussnahme durch die Tabakindustrie an den Schweizer Hochschulen enthüllt. Der Bericht löste ein erhebliches Medienecho aus, was bestätigt, wie sensibel und relevant das Thema in der öffentlichen Debatte ist.[i]

Die Analyse von TnT deckte 29 Kooperationen zwischen der Tabakindustrie und 16 von 31 Schweizer Hochschulen seit 2019 auf. Sie bringt verschiedene Formen von Finanzierungen, Forschungspartnerschaften und institutionellen Kontakten ans Licht. Dabei handelt es sich zumindest um die identifizierten Kooperationen, weil vier Hochschulen die Fragen nicht beantworten wollten, obwohl sie gemäss dem Transparenzgesetz dazu verpflichtet wären. Im Global Tobacco Industry Interference Index 2025[ii] liegt die Schweiz jetzt schon auf dem vorletzten Platz von 100 Ländern, was den grossen Einfluss der Tabaklobby auf die politischen Behörden beweist. Vor diesem Hintergrund zeigt das Themendossier von TnT, wie nahe die Tabakindustrie der wissenschaftlichen Forschung immer noch steht. Bereits in der Vergangenheit wurden Verbindungen aufgedeckt. Ein Beispiel dafür ist die Affäre Rylander, benannt nach dem Forscher der Universität Genf, der ab den 1970er-Jahren mit Philip Morris International (PMI) zusammengearbeitet hatte. PMI ist übrigens in 23 der 29 von TnT erwähnten, seit 2019 laufenden Studien involviert.

Der Bericht fügt sich in einen wachsenden Bestand von in der Schweiz erstellten Analysen ein. Dazu zählt namentlich die Untersuchung der AT Schweiz, die im Februar 2024 eine erste Analyse gefolgt von einer aktualisierten Version im März 2025 veröffentlichte.[iii] Sie deckte insbesondere zwei von PMI finanzierte und beeinflusste Forschungsprojekte an der ETH Zürich auf. Bei einem davon sollte das Argument gestützt werden, wonach bei Fehlen eines Verbrennungsvorgangs kein Benzo(a)pyren – ein hochgradig krebserregender Stoff – entstehe. Unter den 29 von TnT erfassten Kooperationen sticht dieser Fall finanziell gesehen deutlich hervor: PMI zahlte mehr als eine Million Franken. Die nur teilweise vorgestellte und wissenschaftlich zweifelhafte Hypothese trug dazu bei, den irreführenden Eindruck zu erwecken, das von PMI vertriebene Flaggschiffprodukt IQOS sei weniger gefährlich.

Hinter der Zusammenarbeit zwischen PMI und der ETH Zürich sowie den Behauptungen über «rauchfreie Produkte» und «Risikoreduktion» verbarg sich in Tat und Wahrheit eine sehr gut strukturierte Strategie, um Einfluss auf den akademischen Bereich zu nehmen. Dabei geht es nicht nur um die Wissenschaft, sondern um die Glaubwürdigkeit unserer Institutionen und den Schutz der Bevölkerung vor einer Industrie, deren Geschichte von Manipulationen geprägt ist.

AT Schweiz

[i] Transparency and Truth, Tabakindustrie und Schweizer Hochschulen: Neue Recherche deckt erstmals weitreichende Verbindungen und Transparenzmängel auf, Pressemitteilung, 19.02.2026, https://transparencyandtruth.ch/de/ressource/tabakindustrie-und-schweizer-universitaten-ein-besorgniserregender-einfluss/

[ii] https://www.at-schweiz.ch/de/advocacy/tabakindustrie/global-tobacco-index/gti-2025/

[iii] Ruggia, Luciano (2025) Benzopyrene, smoke and money. The perfect Philip Morris International recipe for toxic scientific research. Swiss association for tobacco control (AT Switzerland). Bern (AT Research Series). Online: https://www.at-schweiz.ch/documents/1047/2025.03.07_Ruggia_Benzopyrene_smoking_and_money__AT_Research_Series_No2.1.pdf

Verwandte Artikel