British American Tobacco in den USA wegen mutmaßlicher Terrorismusfinanzierung über Nordkorea verklagt

British American Tobacco (BAT) sieht sich in den Vereinigten Staaten mit einer schweren Zivilklage konfrontiert. Hunderte von Angehörigen des US-Militärs, Zivilpersonen sowie deren Familien werfen dem Tabakkonzern vor, durch frühere Geschäftstätigkeiten in Nordkorea indirekt zur Finanzierung von Terrorismus beigetragen zu haben. Die Klage wurde vor einem Bundesgericht im Bundesstaat Virginia auf Grundlage des US-Antiterrorrechts eingereicht.

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Illustration, mittels KI erstellt, zu Zwecken einer kritischen Veranschaulichung, in Bezug auf in der internationalen Presse berichtete gerichtliche Vorwürfe.

Laut Klageschrift gründete BAT im Jahr 2001 ein Joint Venture zur Zigarettenproduktion in Nordkorea. Obwohl das Unternehmen erklärte, sich 2007 infolge internationaler Sanktionen und politischen Drucks aus dem Land zurückgezogen zu haben, behaupten die Kläger, dass BAT seine Aktivitäten über Jahre hinweg verdeckt über Zwischenfirmen und Tochtergesellschaften fortgesetzt habe. Diese Geschäfte sollen dem nordkoreanischen Regime Einnahmen in Höhe von mehreren Hundert Millionen US-Dollar verschafft haben.

Nach Ansicht der Kläger trugen diese finanziellen Mittel zur Finanzierung nordkoreanischer Waffenprogramme bei und damit indirekt zu Angriffen auf US-Ziele im Ausland. Das Verhalten von BAT stelle somit eine „Beihilfe“ zu terroristischen Handlungen dar, was eine Haftung nach US-Recht begründe.

Der Fall knüpft an frühere Ermittlungen der US-Behörden an. Im Jahr 2023 schlossen BAT und eine Tochtergesellschaft ein sogenanntes Deferred Prosecution Agreement mit dem US-Justizministerium und erklärten sich bereit, rund 629 Millionen US-Dollar an Bussen und Strafzahlungen zu leisten. Diese Einigung betraf Verstösse gegen Sanktionen und Bankbetrug im Zusammenhang mit den Nordkorea-Geschäften. BAT weist die Vorwürfe der aktuellen Zivilklage zurück. Der Fall wirft jedoch grundlegende Fragen zur Verantwortung multinationaler Unternehmen in Hochrisikoländern und zu den gesellschaftlichen Schäden der Tabakindustrie auf.

Originalartikel:

The Guardian, „British American Tobacco accused of helping North Korea fund terrorism in lawsuit“ (30. Januar 2026)

https://www.theguardian.com/business/2026/jan/30/british-american-tobacco-lawsuit-north-korea-terrorism

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