23. Deutsche Konferenz für Tabakkontrolle

Am 03. und 04. Dezember 2025 fand die 23. Deutsche Konferenz für Tabakkontrolle statt. Der Fokus der Beiträge lag dieses Jahr insbesondere auf der verdecken und weniger verdeckten Lobby-Arbeit der Tabak- und Nikotinindustrie einerseits, sowie auf den neuesten Erkenntnissen zum Konsum (vor allem unter Jugendlichen) und den Gesundheitsschäden von E-Zigaretten und anderen neuen Tabak- und Nikotinprodukten. Eine Auswahl präsentierter Themen:

Österreich: Jede/r sechste 15-Jährige konsumiert täglich Nikotinprodukt

Die ESPAD (European School Survey on Alcohol and Other Drugs) Befragung zum Konsum von Nikotinprodukten in Österreich zeigt, dass der Rückgang des Zigarettenkonsums bei Minderjährigen in den letzten 25 Jahren, seit dem Aufkommen neuer Tabak- und Nikotinprodukte relativiert wird, durch den Konsum neuer Nikotinprodukte und den Multiple Use diverser Nikotinprodukte: Unter den 15-Jährigen konsumieren täglich 15 Prozent mindestens ein Tabak- oder Nikotinprodukt (6 Prozent rauchen Zigaretten, 6 Prozent konsumieren Nikotinbeutel und 8 Prozent konsumieren E-Zigaretten).

Noch deutlicher wird dieser Trend, wenn der Konsum der letzten 30 Tage angeeschaut wird: 35 Prozent der 15-Jährigen konsumieren mindestens ein Tabak- oder Nikotinprodukt (6 Prozent rauchen Wasserpfeife, 16 Prozent konsumieren Nikotinbeutel, 20 Prozent rauchen Zigaretten und 28 Prozent konsumieren E-Zigaretten). Besonders bedenklich ist dabei der Multiple Use: So konsumieren die meisten der Jugendlichen die rauchen, ebenfalls E-Zigaretten und/oder Nikotinbeutel. Insgesamt konsumieren 22 Prozent aller 15-Jährigen zwei oder mehrere Produkte.

Schmutterer, Irene; Akartuna, Deniz (2025): Tabak- und Nikotinkonsum. Zahlen und Fakten 2024. Gesundheit Österreich, Wien. https://jasmin.goeg.at/id/eprint/4681/

Strizek, Julian; Akartuna, Deniz; Busch, Martin; Schwarz, Tanja (2025): ESPAD Österreich 2024. Gesundheit Österreich, Wien. https://jasmin.goeg.at/id/eprint/4625/

Gefährliche «Cooling Agents» und Aromen in E-Zigaretten

Eine Untersuchung des Bundesinstituts für Risikobewertung BfR zu Kühlstoffen (Cooling Agents) in E-Zigaretten ergab die Präsenz von mehr als 35 verschiedenen chemischen Substanzen in den E-Liquids. Dies obwohl kaum Daten zu den gesundheitlichen Auswirkungen dieser chemischen Substanzen in E-Zigaretten und Nachfüllflüssigkeiten öffentlich vorliegen. Zu den am häufigsten gefundenen Substanzen gehören: Benzoesäusre, Nikotin, Vanillin, Ethylmaltol, Ethylvanillin, Benzylalkohol, Menthol, WS-3 und Linalool.

Bei mittlerem und hohem E-Zigarettenkonsum ist bei den meisten vom BfR bewerteten Kühlstoffen ein langfristiges Gesundheitsrisiko möglich – allen gemein ist, dass sie u.a. die Leber und Nieren nachhaltig schädigen können. Das BfR rät von der Verwendung dieser Kühlstoffe in E-Liquids ab, da die toxikologisch unbedenklichen Mindestmengen (Margin of Exposure, MOE) bei den meisten Stoffen bereits bei mittlerem Konsum überschritten werden.

Weitere Untersuchungen des BfR zeigen die Existenz diverser Carbonylverbindungen (Formaldehyd, Acetaldehyd, Acrolein, Aceton) in Einweg-E-Zigaretten. Carbonylverbindungen sind bekannt für ihre potenziell toxischen und karzinogenen Wirkungen. Krebserzeugende Carbonyle entstehen im Aerosol, durch das Erhitzen des Propylenglykols, Glycerin und der Aromastoffe im Liquid. Die Zusammensetzung des Aerosols ist jeweils stark vom jeweiligen Gerät und Liquid abhängig.

Kühlstoffe in E-Zigaretten sind schlecht erforscht – Gesundheitsschäden möglich : Stellungnahme Nr. 010/2025 des BfR vom 26. März 2025 https://doi.org/10.17590/20250326-134203-0

Framing: Wie die Tabakindustrie uns mit Sprache manipuliert

Der Konsum konventioneller Tabakprodukte ist seit Jahren rückläufig. In der Folge hat sich die Tabak- und Nikotinindustrie neue Märkte erschlossen und führt nun eine Reihe verschiedener Nikotinprodukte in ihrem Portfolio. Die Nikotinindustrie nutzt dazu gezielt die Sprache, Bewusstsein zu schaffen und neue Nikotinprodukte als vermeintlich weniger risikoreich zu charakterisieren als traditionelle Tabakprodukte.

Sie hat dazu erfolgreich Begriffe eingeführt wie «risikoreduziert», «rauch- und tabakfrei», «dampfen», «alternative Produkte», die als gezielte Marketingstrategie zu verstehen sind, die das Risiko, das mit dem Konsum von E-Zigaretten, Tabakerhitzern und anderen Produkten verbunden ist, verharmlosen soll. Es ist nun die grosse Herausforderung, diese Begriffe durch eine Nomenklatur zu ersetzen, die die Gesundheitsrisiken, insbesondere die Abhängigkeits- und Gesundheitsgefahr des Konsums dieser Nikotinprodukte wieder adäquat beschreibt.

Posch, W., Ulbricht, S., & Hanewinkel, R. (2025). Interessengesteuertes Framing: Die Sprache der Nikotinindustrie. Pneumologie. https://doi.org/10.1055/a-2508-1456

Die Deutsche Konferenz für Tabakkontrolle wird jährlich vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg durchgeführt.

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