2026: Europa erhöht die Tabak- und Nikotinsteuern, die Schweiz schaut zu

Im Januar 2026 hat der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, erneut mit deutlichen Worten zu einer schärferen Besteuerung der Tabakprodukte aufgerufen und daran erinnert, dass dies eine der wirksamsten gesundheitspolitischen Massnahmen darstellt: «Health taxes are not a silver bullet, and they’re not simple. They can be politically unpopular, and they attract opposition from powerful industries with deep pockets and a lot to lose, but many countries have shown that when they’re done right, they’re a powerful tool for health.»[i]

Vor diesem Hintergrund ist der Jahresanfang in Europa von einer Steuerrunde auf Tabak- und zunehmend auch Nikotinprodukten geprägt. Fast immer werden die Steuererhöhungen mit gesundheitspolitischen Zielen begründet, namentlich der Senkung des Konsums, der Prävention des Einstiegs bei Kindern und Jugendlichen sowie der Reduktion der sozial bedingten gesundheitlichen Ungleichheiten. Die Schweiz spielt einmal mehr eine Sonderrolle. Zwar werden Gespräche über minimale Steuererhöhungen geführt, doch treffen sie auf die frontale Opposition der Tabakindustrie mit ihren immer gleichen Argumenten.

Im Januar 2026 verstärkt fast ganz Europa die Besteuerung von Tabak und Nikotin.

Österreich, Deutschland, Frankreich und Italien haben allesamt progressive, vorhersehbare und mehrjährige Erhöhungspfade der Besteuerung von Tabak und nikotinhaltigen Produkten eingeschlagen, im Einklang mit den Zielen der öffentlichen Gesundheit.

In der Schweiz hingegen schadet eine niedrige Besteuerung — die stark von den Interessen der Tabakindustrie beeinflusst ist — weiterhin erheblich der Gesundheit der Bevölkerung.

Hier prüfen wir das Länderpanorama der wichtigsten Entwicklungen bei den Tabak- und Nikotinsteuern in Europa. Alle Nachbarländer der Schweiz – Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich – verfolgen bei der Tabak- und Nikotinbesteuerung einen progressiven, kontinuierlich ansteigenden Pfad. Dazu kommen die Länder, die seit mehreren Jahren zu den Vorläufern einer abschreckenden Gebührenpolitik gehören und diese Dynamik unbeirrt fortsetzen: Irland, Vereinigtes Königreich und Finnland. Seit Kurzem haben auch weniger naheliegende Staaten, etwa die Balkanländer Kroatien und Montenegro, im Kampf gegen den Tabakkonsum die Besteuerung verschärft.

Tabelle: Vergleich europäischer Preise pro Zigarettenpaket, pro Nikotinbeutel-Dose und pro Paket HTP-Zigaretten. (Daten erhoben am 20.01.2026)
Land 1 Zigarettenpaket (Marlboro Red) 1 Standard-Dose Nikotinbeutel (Zyn) 1 Paket HTP-Sticks (Terea)
Deutschland € 8.50-8.80 € 6.00 – 6.50 € 7.00 - 7.50
Österreich € 6.50-6.90 € 5.50 – 6.00 € 6.50 – 7.00
Finnland € 11.50 € 7.00 – 7.50 € 8.00 – 8.50
Frankreich € 13.00 - 13.50 € 6.50 – 7.00 € 8.50 – 9.00
Irland € 18.00 – 19.00 € 8.00 – 9.00 € 10.00 – 11.00
Italien € 6.80 € 5.00 € 5,50
Vereinigtes Königreich £ 18.00 – 20.00 £ 7.00 – 8.00 £ 9.00 – 10.00
Schweiz CHF 9.00 CHF 3.90 CHF 8.50

Deutschland

In Deutschland wird die Tabak- und Nikotinproduktsteuer im Rahmen der sogenannten «Modernisierung des Tabaksteuerrechts» bis 2026 schrittweise angehoben.[ii] Dabei sollen neu alle Nikotinprodukte steuerlich ähnlich behandelt werden, um Abweichungen zwischen Produktkategorien zu vermeiden und die gesundheitspolitischen Zielen zu erreichen.

Auf den herkömmlichen Zigaretten wird die Verbrauchssteuer in regelmässigen Schritten angehoben. Dies geschieht bis 2026 jährlich in 10- bis 15-Cent-Schritten pro Paket, womit die Verteuerung der Verkaufspreise progressiv und absehbar ist.[iii]

Der Steuersatz für erhitzten Tabak (HTP) ist neu deutlich höher als zuvor und wird ganz bewusst an denjenigen für herkömmliche Zigaretten angenähert. 2026 stieg die Steuer für HTP-Sticks deutlich an und liess den Preisvorteil anderen Tabakprodukten gegenüber deutlich schrumpfen.

Zudem war Deutschland eines der ersten europäischen Länder, das eine spezifische Steuer auf E‑Liquiden mit und ohne Nikotin einführte. Von 26 Cent 2025 stieg diese 2026 auf 32 Cent pro Milliliter an, was im Vergleich zur Steuerfreiheit vor der Reform eine Preiserhöhung von rund 3,20 Euro pro 10-ml-Flakon verursachte.

Diese Entwicklung zeigt den klaren Willen der deutschen Behörden, alle nikotinhaltigen Produkte einheitlich zu behandeln und die Steuerpolitik als wichtigen Hebel zu verwenden, um diese Produkte gerade für junge und neue Konsumierende unerschwinglich zu machen, dabei die Entwicklung der Besteuerung mittelfristig aber absehbar auszugestalten. Es darf erwartet werden, dass Deutschland auch noch 2027 auf diesem Pfad steigender Steuern bleiben wird.

Österreich

In Österreich wird die Besteuerung von Tabak und Nikotinprodukten im Rahmen einer Reform zwischen 2026 und 2028 schrittweise erhöht. Herkömmliche Zigaretten werden ab Anfang 2026 mit einer Verbrauchssteuer belegt, die sich direkt auf den Verkaufspreis auswirkt.[iv]

Zugleich dehnt Österreich die Besteuerung auch auf die sogenannt «alternativen» Nikotinprodukte aus. Ab Frühling 2026 fallen erstmals auch Nikotinbeutel («Pouches») und E-Liquide unter die Steuer, während erhitzte Tabakprodukte ähnlich wie die Zigarette schrittweise verteuert werden.

Die sukzessiven Steuererhöhungen befeuern das Preisniveau kontinuierlich. Laut Schätzungen und bereits festgestellten Preiskorrekturen dürfte ein Paket Zigaretten, das 2025 noch 6,20 bis 6,50 Euro kostete, 2026 für knapp 7 Euro verkauft werden und bis 2028 je nach Marke einen Preisstand von rund 7,50 bis 8,00 Euro erreichen.

Diese Entwicklung beruht auf einer Strategie, die Erschwinglichkeit der Tabak- und Nikotinprodukte zu dämpfen und die österreichische Steuerpolitik schrittweise mit den Zielen der europäischen Gesundheitspolitik in Einklang zu bringen.

Frankreich

In Frankreich ist und bleibt die Tabakbesteuerung ein zentrales gesundheitspolitisches Instrument. Dieser Trend zeichnet sich auch Anfang 2026 ab. Erneut stieg der Zigarettenpreis am 1. Januar aufgrund einer Erhöhung der Verbrauchssteuer und ihrem automatischen Teuerungsausgleich an. Je nach Marke betragen die Erhöhungen rund 40 bis 50 Cent pro Paket, womit viele Zigaretten über 12,50 Euro, teils bis über 13,00 Euro pro Paket kosten.[v] Ein Paket Marlboro Red, das oft als internationale Preisreferenz dient, soll sogar um die 13,50 Euro gehandelt werden.[vi]

Trotz sukzessiver Steuererhöhungen halten die Fabrikanten an Referenzpreisen um die 11,50 Euro fest. Dies geht auf ihre Strategie zurück, die Steuererhöhungen nicht vollumfänglich auf die Konsumierenden abzuwälzen («Undershifting»), um das preissensible Kundensegment nicht zu verlieren.[vii] Dies erschwert den französischen Behörden, ihr Ziel eines Mindestpreises von knapp 13 Euro pro Paket zu erreichen, was mittlerweile vor 2027 kaum realisierbar scheint.

Die französische Steuerentwicklung verfolgt einen langfristigen Pfad, der in den nationalen Plänen zur Tabakbekämpfung festgeschrieben ist und die nachhaltige Senkung des Tabakkonsums bezweckt, indem Tabak speziell für ein junges Publikum weniger erschwinglich gemacht wird. Die französischen Behörden wiederholen regelmässig, dass ihr Ziel darin besteht, über 2026 hinaus und bis 2027 den steuerlichen Druck auf den Tabakprodukten kontinuierlich hochzuhalten.

Heets_CH_FR

Eine Packung HEETS wird in der Schweiz und in Frankreich praktisch zum gleichen Preis verkauft, nämlich 8.50–9.50 €.
Doch der Unterschied bei der Besteuerung zwischen den beiden Ländern ist enorm!

Wer steckt die Differenz ein? Die Tabakindustrie.

Bei den sogenannt «alternativen» Nikotinprodukten ist die Lage weniger klar. Im Entwurf des Haushaltsgesetzes 2026 war eine Steuer auf E-Liquiden vorgesehen, die aber in der verabschiedeten Fassung nicht berücksichtigt wurde. Die Liquide sind 2026 also nicht einer eigenen Verbrauchssteuer unterstellt, doch bleibt die Debatte zu ihrer Besteuerung offen und könnte in den nächsten Haushaltsberatungen wieder aufflammen.

Insgesamt verfolgt Frankreich also eine Strategie, die klar auf eine strukturelle, nachhaltige Erhöhung der Tabaksteuer abzielt, während das Vorgehen bei den übrigen Nikotinprodukten vorsichtiger ist. Dieser Ansatz widerspiegelt den Willen, den erreichten Rückgang beim Tabakkonsum zu konsolidieren und die Diskussion über eine Ausdehnung der Besteuerung auf alle nikotinhaltigen Produkte offen zu halten.

Trotz Kritik wegen einer befürchteten Parallelwirtschaft hat Frankreich zudem die Steuerausnahmen für Tabak in Korsika abgeschafft und die Tabakproduktepreise auf das Niveau im übrigen Frankreich angehoben.[viii] Seit 1811 hatte ein Dekret von Napoleon der Insel ein steuerliches Sonderstatut gewährt, das sich in einem rund 25 Prozent tieferen Tabakpreis niedergeschlagen hatte. Die beschlossene Änderung zeigt den Willen der französischen Behörden, die regionalen Preisgefälle zu bekämpfen, auf die sich die Tabakindustrie regelmässig abstützte, um Steuererhöhungen mit dem Argument der Parallelwirtschaft zu bekämpfen.

Italien

In Italien steigen die Preise für Tabak- und Nikotinprodukte aufgrund erneuter Erhöhungen der Verbrauchssteuer im Haushaltsgesetz Anfang 2026 an. Diese Reform ist Teil einer mehrjährigen progressiven Steuerstrategie für den Zeitraum 2026–2028.[ix]

Für herkömmliche Zigaretten führt die Steuererhöhung 2026 verglichen mit 2025 zu einem Preisanstieg von durchschnittlich rund 15 Cent pro Paket. Dies ist nur ein erster Schritt: Weitere Erhöhungen sind bereits geplant in der Grössenordnung von 25 Cent (2027) und 40 Cent (2028), was zu einem empfindlichen, kontinuierlichen Anstieg der Verkaufspreise führen wird.

Dabei wird Drehtabak härter getroffen: Der Preis für ein Standardpaket von 30 Gramm steigt 2026 um rund 50 Cent. Damit soll das Preisgefälle zwischen verschiedenen Konsumformen von Tabak reduziert werden.

Die sogenannt «alternativen» Nikotinprodukte – erhitzter Tabak und E-Zigaretten – sind ebenfalls von neuen Steuersätzen betroffen. Doch bleiben die Erhöhungen moderat und verursachen Preisanstiege von nur wenigen Cents, bekräftigen aber einen Trend, die Steuersätze für alle nikotinhaltigen Produkte zu harmonisieren.

Konkret kostet ein Paket Zigaretten, das je nach Marke und Preissegment 2025 noch 5,30 bis 5,50 Euro kostete, 2026 durchschnittlich 5,45 bis 5,65 Euro, 2027 voraussichtlich ca. 5,70 bis 5,90 und 2028 schliesslich 6,10 bis 6,30 Euro. Diese Steuererhöhungen dienen finanzpolitischen, aber auch gesundheitspolitischen Zwecken, indem die Tabakprodukte durch regelmässige, absehbare Anhebungen über einen längeren Zeitraum immer weniger erschwinglich werden.

Irland

Irland benutzt die Tabaksteuer seit langem als zentralen gesundheitspolitischen Hebel und erhöht die Steuersätze ganz bewusst regelmässig, absehbar und erheblich. Heute gehört die Insel zu den europäischen Ländern mit den höchsten Tabakpreisen. Dies ist das Ergebnis einer langfristigen Strategie, mit der ausdrücklich der Konsum gesenkt und dem Einstieg besonders von Kindern und Jugendlichen vorgebeugt werden soll.

Schon im Oktober 2025 bestätigte sich diese Ausrichtung. Die Verbrauchssteuer auf Zigaretten und Drehtabak wurde in der Budgetdebatte erneut angehoben, was die Verkaufspreise zusätzlich anheizte. Heute liegt der Paketpreis deutlich über 15,00 Euro, wobei einige Referenzmarken sogar 18,95 Euro kosten.[x] Dieses hohe Preisniveau ist Ausdruck des klaren politischen Willens, den Steuerdruck ungeachtet der wiederkehrenden Kritik wegen Einkaufstourismus und Parallelwirtschaft langfristig hochzuhalten.

Irland verfolgt zudem offiziell die ehrgeizige, visionäre Strategie, bis 2035 «smoke-free» zu werden. Vor diesem Hintergrund wird die Besteuerung nicht nur als Einzelmassnahme gehandhabt, sondern als strukturelles Instrument, das sich regelmässig weiterentwickeln soll.

Bei den sogenannt «alternativen» Nikotinprodukten wie den E-Zigaretten wendet Irland vorerst keine eigene Verbrauchssteuer für E-Liquide an, wie dies im Vereinigten Königreich der Fall ist. Doch sind die Gespräche in Politik und Verwaltung schon weit fortgeschritten, namentlich angesichts der wachsenden Sorgen um den Vape-Konsum durch ein junges Publikum. Es gibt verschiedene Anzeichen dafür, dass in den kommenden Jahren eine Ausdehnung der Besteuerung auf Vape-Produkten eine Option sein könnte, um die Nikotinsuchtbekämpfung allgemein zu harmonisieren.

Insgesamt befindet sich Irland bei der Tabakbesteuerung auf einem langfristig angelegten konsequenten und restriktiven Pfad. Angesichts der klar formulierten gesundheitspolitischen Zielen und des relativ breiten politischen Konsens, die Steuer als Lenkungsmassnahme einzusetzen, ist es höchst wahrscheinlich, dass diese Strategie auch nach 2026, also 2027 und später weitergeführt wird, und zwar sowohl für Verbrennungstabak als eventuell auch für andere nikotinhaltige Produkte.

Finnland

In Finnland steigen die Tabak- und Nikotinproduktsteuern ab 2026 deutlich an. Nikotinbeutel werden rund 37 Prozent höher besteuert, was den Preis einer Durchschnittspackung von ca. 5 Euro auf knapp 7 Euro anhebt. Zugleich liegt der durchschnittliche Paketpreis für Zigaretten bei 11,50 Euro. Über 90 Prozent davon sind Steuern.

Diese Reform ist Teil eines klar definierten Besteuerungspfads, bei dem die Steuersätze bis Mitte 2027 halbjährlich angehoben werden. Dieser progressive Ansatz verfolgt ausdrücklich ein gesundheitspolitisches Ziel, indem die Tabak- und Nikotinprodukte längerfristig weniger erschwinglich werden sollen. Dies soll speziell die jungen Konsumierenden dabei unterstützen, ihren Konsum zu senken.[xi]

Marlboro_IR_UK

Die europäischen Länder, die in der Tabakkontrolle am weitesten fortgeschritten sind — mit umfassenden und kohärenten Politiken — sind Irland und das Vereinigte Königreich, im Gegensatz zur Schweiz, die in diesen Fragen zurückbleibt.

Vereinigtes Königreich

Das Vereinigten Königreich benutzt Tabaksteuern seit langem als zentralen Pfeiler der Gesundheitspolitik und verfolgt bewusst eine Strategie der regelmässigen, absehbaren Steuererhöhungen. Die Verbrauchssteuern auf Zigaretten und Drehtabak werden seit Jahren mit einem «Escalator»-Mechanismus im Jahresrhythmus angehoben, wobei ein Teuerungsanteil mit einem Anteil zur Konsumreduktion kombiniert werden.

Auch Anfang 2026 ist es wieder so weit: Die Zigaretten- und Drehtabaksteuern steigen erneut an, was das Paket um mehrere Dutzend Pence teurer macht und eines der höchsten Preisniveaus Europas weiter festigt.[xii] Diese Entwicklung entspricht einem Anstieg des Mindestverbrauchssteuersatzes von über 9,8 Prozent in weniger als einem Jahr, der sich direkt auf die Verkaufspreise niederschlägt.

Die verfügbaren Daten weisen die Wirkung dieser Steuererhöhungen eindeutig nach. 2025 wurde der Durchschnittspreis für ein 20er-Paket je nach Region und Marke generell auf 16 bis 18 Pfund geschätzt. Nach den letzten Erhöhungen gehen gewisse Analysen neu von einem durchschnittlichen Paketpreis um die 17,74 Pfund aus. Offenbar haben die Fabrikanten nicht nur die erfolgten Erhöhungen automatisch auf die Verkaufspreise abgewälzt, sondern vorauseilend auch die künftigen.

Dieser steigende Trend wird durch die Prognosen 2026 bestätigt. Mit der erneuten Anhebung im Oktober 2026, welche die Teuerung gemäss Index der Konsumentenpreise RPI +2 Prozent sowie eine zusätzliche Erhöhung um 2,20 Pfund pro 100 Zigaretten kombiniert, gehen mehrere Schätzungen davon aus, dass der Paketpreis besonders für die populärsten Marken die 20-Pfund-Marke überschreiten könnte. Zum Vergleich erreichten gewisse internationale Marken wie Marlboro schon 2025 je nach Verkaufsstelle Preisniveaus zwischen 18 und 20 Pfund.

Diese Erhöhungen erfolgen vor einem bewusst gewählten politischen Hintergrund. Die britische Regierung hat sich ausdrücklich zum Ziel gesetzt, mit der Kombination von Besteuerung, Reglementierung und Prävention bis 2030 eine «smoke-free generation» zu erreichen. Auch wenn die Gebühren nicht der einzige Hebel sind, gelten sie doch als zentrales gesundheitspolitisches Instrument, das wirkungsvoll ist, die Zigaretten weniger erschwinglich zu machen und so den Tabakkonsum zu reduzieren.

Daneben tritt das Vereinigte Königreich in eine neue Hauptphase der Nikotinbesteuerung ein. Am 1. Oktober 2026 wird eine eigene Steuer auf E-Zigaretten eingeführt (vaping products duty).[xiii] Sie soll pauschal für nikotinhaltige und nikotinfreie Produkte mit 2,20 Pfund pro 10 Milliliter erhoben werden. Inklusive Mehrwertsteuer wird die Preiserhöhung 2,64 Pfund pro 10-ml-Flakon betragen. Damit werden zwei Ziele verfolgt: die Attraktivität bei jungen und Nicht-Konsumierenden reduzieren und ein abschreckendes Preissignal setzen, das demjenigen von Tabak entspricht. Die Behörden schätzen die Zahl der betroffenen Vaper:innen auf rund 5,1 Millionen. Diese Massnahme dürfte 2026–2027 Einnahmen von rund 135 Millionen Pfund generieren, bis 2030–2031 dann jährlich bis zu 565 Millionen Pfund und zugleich einen gesundheitspolitischen Nutzen zeitigen. Auch die CBD-Liquide sollen besteuert werden. Ab April 2027 wird eine obligatorische Steuermarke eingeführt, um die Rückverfolgbarkeit zu verbessern und den illegalen Handel zu bekämpfen.

Kroatien

In Kroatien wurde die Besteuerung von Tabak und Nikotinprodukten am 1. Januar 2026 deutlich verschärft. Dies ist Teil einer Strategie zur schrittweisen Erhöhung der Steuereinnahmen und dient explizit der Verfolgung gesundheitspolitischer Ziele.[xiv]

Die Verbrauchssteuern auf Zigaretten wurden in mehrfacher Hinsicht erhöht. Die spezifische Verbrauchssteuer beläuft sich neu auf 59,10 Euro pro 1000 Zigaretten, während der proportionale Anteil neu 34 Prozent des Verkaufspreises beträgt. Vor allem aber steigt die Mindeststeuer auf 130,60 Euro pro 1000 Zigaretten an, was einer Erhöhung um knapp 7 Prozent entspricht. Diese Mechanismen treiben die Verkaufspreise unmittelbar nach oben.

Konkret führte diese Reform zu einem durchschnittlichen Preisanstieg von rund 20 Cent pro Paket, also je nach Marke 4 bis 6 Prozent. Trotzdem bleiben die Preise relativ tief: Ging ein Zigarettenpaket 2025 noch für 4,80 bis 5,30 Euro über den Ladentisch, kostet es 2026 etwa 5,00 bis 5,50 Euro, ein Preisniveau, das deutlich tiefer ist als in den meisten westeuropäischen Ländern.

Aber die Reform beschränkt sich nicht nur auf die Zigaretten. Drehtabak und andere Rauchtabake werden neu mit 126,90 Euro pro Kilo besteuert, erhitzter Tabak untersteht einer Verbrauchssteuer von 211,30 Euro pro Kilo. Auch auf E-Liquiden wird neu eine eigene Steuer erhoben, die 25 Cent pro Milliliter beträgt. Dies stellt insofern einen Bruch dar, als diese Produkte vorher kaum oder gar nicht besteuert wurden.

Die Regierung schätzt, dass alle diese Steuererhöhungen 2026 Mehreinnahmen von über 120 Millionen Euro generieren dürften. Doch haben die Behörden ein schrittweises Vorgehen gewählt, um Brucheffekte zu minimieren und dennoch ein klares Preissignal an die Konsumierenden in einem Land auszusenden, in dem die Tabakprävalenz nach wie vor hoch ist.

Mit dieser Entwicklung bewegt sich Kroatien auf die europäische Dynamik zu, auch wenn die Steuern deutlich unter dem westeuropäischen Niveau liegen. Doch äussert sich darin der feste Wille, die Tabak- und Nikotinbesteuerung in einen langfristig ansteigenden Trend zu bringen.

Montenegro

Kroatien ist nicht das einzige Balkanland, in dem die Tabaksteuer steigt. Auch Montenegro hebt die Besteuerung an und richtet eine eigentliche Strategie einer langfristigen, progressiven Steuererhöhung ein. Aufgrund einer vom Finanzministerium angekündigten erneuten Erhöhung der Verbrauchssteuer steigt am Montag, 19. Januar 2026 der Zigarettenpreis in den Verkaufsstellen um 20 bis 50 Cent pro Paket an.[xv]

Die Preise sind je nach Marke und Format sehr unterschiedlich. So werden einige Pakete 6 Euro teuer sein, andere Referenzen lediglich 4,00 bis 4,60 Euro. Auch die Preise von Billigmarken wie Winston werden auf 3,00 bis 3,80 Euro pro Paket steigen. Mitte Dezember kündigte das Finanzministerium an, dass die Preisanstiege durchschnittlich 20 Cent pro Paket oder rund 7,7 Prozent betragen werden, die direkt auf die Steuererhöhung zurückgehen.

Diese Massnahme ist Teil einer langfristigen Strategie: Bis Ende 2028 sind fünf weitere Erhöhungen im Halbjahresrhythmus geplant. Mittelfristig geht die Regierung davon aus, dass die billigsten legal gehandelten Zigaretten über 4 Euro kosten werden. Damit werden finanz- und gesundheitspolitische Ziele verfolgt, indem die Zigaretten mit regelmässigen, absehbaren Steuererhöhungen allmählich unerschwinglicher werden.

Europäische Union: auf dem Weg zur harmonisierten Tabak- und Nikotinbesteuerung

In der Europäischen Union haben die Diskussionen zur Harmonisierung der Tabakbesteuerung 2025 eine wichtige Etappe erreicht. Die Europäische Kommission hat die Reform der Tabaksteuerrichtlinie (2011/64/EU) beantragt, die seit über zehn Jahren unverändert geblieben war. Damit sollen die Verbrauchssteuermindestsätze angehoben, das Steuergefälle zwischen Mitgliedstaaten reduziert und die Besteuerung auf alle nikotinhaltigen Produkte ausgedehnt werden, inklusive erhitzter Tabak, E‑Liquide und Nikotinbeutel.

Damit werden zwei Ziele verfolgt: die Steuern in Übereinstimmung mit dem europäischen Plan gegen den Krebs gesundheitspolitisch wirksamer gestalten und der schnellen Marktentwicklung anpassen. Die Kommission hält fest, dass das aktuelle Steuergefälle die Lenkungskraft der Preise beeinträchtigt und den Einkaufstourismus fördert.

Doch sind diese Vorschläge im Rat und im Europäischen Parlament Gegenstand intensiver Diskussionen. Während viele Gesundheitsakteure eine ambitionierte Harmonisierung unterstützen, melden mehrere Mitgliedstaaten sowie die Tabakindustrie Vorbehalte an, namentlich was den Rhythmus und den Umfang der Erhöhungen angeht. Aktuell ist von einem Inkrafttreten bis 2028 die Rede, vorbehaltlich der Ergebnisse der laufenden Verhandlungen.

Und die Schweiz schaut zu…

Während die europäischen Länder grossmehrheitlich einen klaren, progressiven und selbstbewussten Pfad der Tabak- und Nikotinsteuererhöhung einschlagen oder fortsetzen, gefällt sich die Schweiz in ihrer Rolle als negativer Sonderfall. Die Zigarettenbesteuerung ist seit 2013 praktisch unverändert geblieben, weil die Tabaklobby ihren Widerstand im Parlament unermüdlich organisiert. Die erhitzten Tabakprodukte geniessen weiterhin eine steuerliche Sonderbehandlung mit einem Steuersatz von rund 16 Prozent. Dieser ist angesichts der Risiken und der wachsenden Beliebtheit dieser Produkte deutlich zu tief und nützt fast nur der Industrie.

Seit 2013 sind die Zigarettensteuern in der Schweiz nicht um einen einzigen Rappen erhöht worden.

Bei den Nikotinprodukten ist die Lage genauso besorgniserregend. Die Steuern sind tief, inkonsequent, nicht nachvollziehbar und ohne klare gesundheitspolitische Strategie. Die E-Zigaretten und Liquide waren lange von einer eigenen Steuer ausgenommen, und die kürzlich eingeführte Bundessteuer ist zu tief, um abschreckend zu wirken.

Während die Europäische Union, die Nachbarländer und viele vergleichbare Staaten die Steuer als zentrales Instrument ihrer Gesundheitspolitik einsetzen, verharrt die Schweiz auf einer minimalistischen Position, die ihre Präventionspolitik schwächt, sodass sie den Anschluss an die internationalen Standards verpasst. Die Frage ist also nicht, ob eine ambitionierte Steuerreform notwendig ist, sondern wie lange sich die Schweiz noch dem schädlichen Einfluss der Tabakindustrie beugen will.

Luciano Ruggia, 23.1.2026

[i] https://www.telegraph.co.uk/global-health/science-and-disease/cheaper-alcohol-sugary-drinks-fuel-rise-lifestyle-diseases/

[ii] https://se-legal.de/tax-lawyers-germany/germany-tobacco-tax-laws-2022

[iii] https://www.zoll.de/DE/Fachthemen/Steuern/Verbrauchsteuern/Grundsaetzliche-Regelungen/Verbrauchsteuersaetze/verbrauchsteuersaetze_node.html

[iv] https://kurier.at/wirtschaft/tabak-tabaksteuer-zigaretten-rauchen-nikotinbeutel/403117471?utm_source=chatgpt.com

[v] https://www.douane.gouv.fr/sites/default/files/2025-12/16/Maquette%20JORF%201er%20janvier%202026.pdf

[vi] https://www.leparisien.fr/economie/consommation/jusqua-50-centimes-de-plus-pour-les-marlboro-red-pourquoi-les-prix-de-certaines-cigarettes-augmentent-au-1er-janvier-12-12-2025-HAX52VE3FNCEXDNMISSXHPJVLU.php

[vii] https://www.tf1info.fr/sante/des-hausses-jusqu-a-50-centimes-le-prix-des-cigarettes-va-encore-augmenter-en-2026-2412479.html

[viii] https://www.leparisien.fr/haute-corse-2b/fini-les-cigarettes-moins-cheres-en-corse-10-01-2026-IBJZLHIY4BHTLCXFMS26BQCISM.php

[ix] https://tg24.sky.it/economia/2026/01/03/rincari-2026-aumenti-sigarette-autostrade-benzina?card=3

https://tg24.sky.it/economia/2025/10/29/aumento-sigarette-prezzi

https://www.unsertirol24.com/2025/12/14/ab-2026-wird-rauchen-teurer/

[x] https://tobaccoreporter.com/2025/10/09/ireland-increases-cigarette-prices

[xi] https://www.helsinkitimes.fi/finland/finland-news/domestic/28364-finland-s-2026-tax-changes-higher-prices-for-alcohol-and-tobacco-fuel-costs-down.html

https://yle.fi/a/74-20121721?sender_campaign=elWLG5&sender_ctype=email&sender_customer=gLjNMMD&utm_campaign=NSP+News+Digest+-+1+November+2024&utm_medium=email&utm_source=newsletter

[xii] https://www.gov.uk/government/publications/tobacco-duty-rate-changes/changes-to-tobacco-duty-rates-from-26-november-2025-and-1-october-2026

[xiii] https://www.gov.uk/government/publications/introduction-of-vaping-products-duty-from-1-october-2026/introduction-of-vaping-products-duty-from-1-october-2026

[xiv] https://www.portal.hr/en/novosti/hr/103430-primorac-od-1-sijecnja-2027-ukidanje-poreza-na-dohodak-od-mirovina

https://www.thedubrovniktimes.com/news/croatia/item/19207-cigarette-prices-in-croatia-to-rise-as-excise-duties-increase-in-2026

https://www.index.hr/vijesti/clanak/od-nove-godine-poskupljuju-cigarete/2745164.aspx

https://www.croatiaweek.com/croatia-tobacco-tax-increase-cigarettes-e-liquids/

[xv] https://en.vijesti.me/news-b/economy-d/791183/Cigarettes-to-increase-in-price-by-20-to-50-cents-from-Monday

Verwandte Artikel