Tabakprävention zeigt Wirkung

(at) Neue wissenschaftliche Studien untermauern die Wirksamkeit der Tabakprävention. Einen neuen Hinweis auf die Wirksamkeit gibt der Rückgang der Lungenkrebstoten in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen. Einen solchen Rückgang während der 1990er Jahre melden die meisten US-Bundesstaaten, die zuvor die Tabakprävention umfassend gestärkt haben.

Aussagekräftige Statistik

Ein Rückgang der Todesfälle von Lungenkrebskranken bei den 30- bis 39-Jährigen zeigt die Wirkung präventiver Massnahmen zuverlässig an. Dies belegt eine Studie der Amerikanischen Krebsgesellschaft.

Eine hieb- und stichfeste Statistik stützt sich ab auf eine genügend grosse Anzahl von Menschen. Die 30- bis 39-jährigen Frauen und Männer bilden die jüngste Altersgruppe, die in vielen US-Bundesstaaten eine ausreichende Anzahl Todesfälle durch Lungenkrebs aufweist. In den Altersgruppen unter 30 Jahren treten zuwenig Lungenkrebsfälle auf, sodass keine zuverlässigen statistischen Aussagen möglich sind.

Das Forschungsteam der Amerikanischen Krebsgesellschaft untersuchte zwei Entwicklungen. Auf der einen Seite ermittelte das Team für die Jahre 1992/93 in jedem Bundesstaat drei zentrale Massnahmen der Tabakprävention: die Einschränkungen des Rauchens am Arbeitsplatz und in privaten Haushalten sowie die Höhe des Verkaufspreises von Zigaretten (die Höhe des Preises hängt grösstenteils ab von der Höhe der Tabaksteuern). Auf der anderen Seite berechnete das Team, ob die Anzahl der genannten Lungenkrebstoten von der ersten zur zweiten Hälfte der 1990er Jahre ab- oder zunahm.

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Eindeutiger Zusammenhang

Das Ergebnis liefert einen statistisch hoch signifikanten Zusammenhang: Je stärker die genannten Massnahmen zur Tabakprävention sind, desto niedriger ist unter jüngeren Erwachsenen die Anzahl der Lungenkrebstoten.

  • In den meisten US-Bundesstaaten mit einem umfassenden Programm zur Tabakprävention wie Kalifornien, Arizona, Oregon und Florida sank in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen während der 1990er Jahre die Zahl der Lungenkrebstoten.
  • In jenen Bundesstaaten hingegen, die sich wie Kentucky, North Carolina, Missouri und Indiana kaum um Tabakprävention gekümmert hatten, erhöhte sich die Anzahl Todesfälle durch Lungenkrebs im selben Zeitraum deutlich.

Eine weitere signifikante Beziehung besteht zwischen Tabakprävention und Rauchstopp: Je stärker präventive Massnahmen ausfallen, desto mehr Menschen zwischen 30 und 39 hören mit Rauchen auf.

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Ein Spiegel der Rauchgewohnheiten

Das Rauchen verursacht rund 82 Prozent aller Lungenkrebstodesfälle. Ein Auftreten der Krankheit in dieser jüngeren Altersgruppe deutet hin auf kurzfristige Veränderungen in der Belastung mit krebserregenden Stoffen; eine vor langen Jahrzehnten erfolgte Belastung liegt hier nicht vor.Eine Rückgang oder Anstieg der entsprechenden Todesfälle beruht also zum grössten Teil auf veränderten Rauchgewohnheiten in den letzten 5 bis 25 Jahren. Das heisst: Die Ab- oder Zunahme der Lungenkrebstoten bei den 30-bis 39-Jährigen widerspiegelt gleichzeitig eine Stärkung oder Schwächung der Tabakprävention in der jüngsten Vergangenheit.

Die Entwicklung der Lungenkrebstoten unter jüngeren Erwachsenen stellt deshalb für die Amerikanische Krebsgesellschaft einen geeigneten Massstab dar, um die Wirksamkeit der Tabakprävention zu testen. Die Vereinigung schlägt vor, neben der Entwicklung der Anzahl Raucherinnen und Raucher in der Bevölkerung ebenso die Entwicklung der Lungenkrebstodesfälle bei jüngeren Erwachsenen zu verfolgen.

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Frühwarnanzeige

Raucherinnen und Raucher, die vor dem 40. Altersjahr an Lungenkrebs erkranken, sind genetisch besonders anfällig für diese Krankheit. Üblicherweise sind Betroffene älter als 65, auch wenn sie bereits als Teenager zu rauchen begonnen haben.

Die Entwicklung solcher Todesfälle ist demnach eine Frühwarnanzeige:

  • Gehen die Lungenkrebstoten in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen zurück, werden zukünftig auch weniger ältere Menschen an Lungenkrebs erkranken.
  • Nehmen jedoch die Lungenkrebstoten in dieser Altersgruppe zu, wird das Gesundheitssystem in Zukunft durch tabakbedingte Krankheiten stärker belastet sein.

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Mehr Geld für die Tabakprävention vermindert Zigarettenverkauf

Ebenfalls in den USA untersuchte ein weiteres Forschungsteam, wie sich die Tabakprävention auswirkt auf die Zigarettenverkäufe pro Kopf der Bevölkerung. Sie kamen zu einem klaren Resultat: Steigen die finanziellen Mittel für eine umfassende Tabakprävention, sinkt der Verkauf und somit auch der Konsum von Zigaretten.

Selbstverständlich achteten die Forscher darauf, dass andere Einflüsse die Studie nicht verfälschten. Das Resultat ist unter anderem unabhängig von den verschiedenen Steuersätzen für Zigaretten in den einzelnen US-Bundesstaaten oder von der wechselnden Kaufkraft der Bevölkerung in guten und schlechten wirtschaftlichen Zeiten. Zudem wurden die Angaben jeweils pro Kopf der Bevölkerung berechnet. So lassen sich die Ergebnisse aus den einzelnen Bundesstaaten direkt miteinander vergleichen.

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Tabakprävention umfasst unterschiedliche Massnahmen

Die neuen wissenschaftlichen Studien begreifen Tabakprävention stets als ein Bündel von Massnahmen. Diese sind auf folgende Ziele ausgerichtet:

  • Einstieg in den Tabakkonsum verhindern,
  • Ausstieg aus der Nikotinabhängigkeit erleichtern,
  • Lebenswelt rauchfrei gestalten.

Um diese Ziele zu realisieren, sind verschiedene Massnahmen und Kampagnen nötig.

  • Zu den Massnahmen zählen hohe Tabaksteuern, Werbeverbot, Reduktion der Verkaufsorte von Tabakprodukten sowie gesetzlicher Schutz vor Passivrauchen am Arbeitsplatz und in öffentlichen Räumen.
  • Kampagnen informieren unter anderem die Bevölkerung über die gesundheitlichen Schäden des Rauchens, stärken Kinder und Jugendliche in ihrer individuellen Persönlichkeit, unterstützen Raucherinnen und Raucher beim Rauchstopp.

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Quellen

Ahmedin Jemal et al., Lung cancer trends in young adults: an early indicator of progress in tobacco control (United States), in: Cancer Causes and Control 2003; 14: 579-585. www.kluweronline.com

Matthew C. Farrelly et al., The Impact of Tobacco Control Program Expenditures on Aggregate Cigarette Sales: 1981-2000, in: Journal of Health Economics 2003; 22: 843-859. www.sciencedirect.com/science/journal/01676296

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Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz
Text: Nicolas Broccard
Stand: Dezember 2003