Experiment Nichtrauchen - erfolgreiche Primärprävention
Seit Schuljahr 2000/01 läuft in der Schweiz der Wettbewerb "Experiment Nichtrauchen" für die 6. bis 9. Schulklasse. Untersuchungen aus dem Ausland belegen, dass ein solcher Wettbewerb den Anteil rauchender Jugendlicher verringert. Die Wirkung besteht vor allem darin, dass junge Nichtraucherinnen und Nichtraucher in ihrer Haltung bestärkt werden, rauchfrei zu bleiben.
Mehr rauchfreie Schulklassen
Zu Beginn von "Be smart - don't smoke" gab es zwischen den verschiedenen Schulklassen kaum Unterschiede, was das Rauchen betraf. Sechs Monate nach Ende des Wettbewerbs schnitt die Versuchsgruppe, also die Schulklassen, die an "Be smart - don't smoke" teilnahmen, eindeutig besser ab als die Kontrollgruppe:
- Bezüglich der Frage "Haben Sie in den letzten 4 Wochen geraucht?" wies die Versuchsgruppe einen Anteil von 29 Prozent "rauchender" Klassen auf und die Kontrollgruppe einen solchen von 35 Prozent.
- Hinsichtlich der Frage "Haben Sie in den letzten 7 Tagen geraucht?" lag die Versuchsgruppe mit 20 Prozent "rauchender" Klassen wiederum tiefer als die Kontrollgruppe mit 26 Prozent.
Einzig bei der Frage "Haben Sie in den letzten 7 Tagen täglich geraucht?" stellte das Forschungsteam keinen statistisch aussagekräftigen Unterschied fest, obwohl auch hier der Anteil in der Versuchsgruppe (11 Prozent "rauchende" Klassen) kleiner war als in den Kontrollgruppe (15 Prozent "rauchende" Klassen).
Einstieg verhindern
In einer früheren Studie zog das Forschungsteam einen Vergleich auf der Basis der einzelnen Schülerinnen und Schüler. Vor Start des Wettbewerbs rauchten in der Versuchsgruppe aus Hamburg und Berlin ungefähr gleich viele Jugendliche wie in der Kontrollgruppe aus Hannover. Sechs Monate nach Wettbewerbsabschluss war ein statistisch bedeutsamer Unterschied erkennbar: Die Versuchsgruppe zählte 26 Prozent rauchende Schüler und Schülerinnen, die Kontrollgruppe hingegen 33 Prozent.
Der Hauptwirkung der Kampagne besteht darin, dass junge Nichtrauchende offensichtlich erfolgreich motiviert werden, auch weiterhin rauchfrei zu leben. "Insofern wirkt die Kampagne klar primärpräventiv", betont das Team. "Der Wettbewerb ist also durchaus geeignet, den Einstieg in das Rauchen zu verzögern oder sogar gänzlich zu verhindern."
Weil die Rahmenbedingungen zur Teilnahme in Deutschland und der Schweiz grösstenteils übereinstimmen, lassen sich diese Forschungsresultate durchaus auf "Experiment Nichtrauchen" übertragen.
"Be smart - don't smoke" wie auch "Experiment Nichtrauchen" sind Teil des internationalen Wettbewerbs "Smokefree Class". Der Wettbewerb stösst jedes Jahr auf grösseres Echo. Im Schuljahr 2004/05 beteiligten sich Klassen aus 21 Ländern Europas und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Hinsichtlich der Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer stand die Schweiz mit mehr als 4'095 angemeldeten Klassen zu Beginn des Wettbewerbs an zweiter Stelle nach Deutschland mit knapp 11'000 Klassen.
Wie das Forschungsteam erklärt, liegt die grosse Verbreitung des schulischen Wettbewerbs "nicht nur daran, dass der Wettbewerb relativ einfach im Schulalltag umgesetzt werden kann, sondern sicher auch daran, dass das Programm deutlich macht, dass präventive Interventionen nicht mit dem erhoben Zeigefinger durchgeführt werden müssen, sondern im Gegenteil auch Spaß machen können."
Steckbrief
"Experiment Nichtrauchen" richtet sich an Klassen des 6. bis 9. Schuljahres aus der ganzen Schweiz. Einzige Bedingung zur Teilnahme ist, sechs Monate lang keinen Tabak zu konsumieren. Die Schulklassen können zwischen zwei Kategorien wählen:
- Die Kategorie A ist für Klassen, in denen ausnahmslos alle Schülerinnen und Schüler nicht rauchen.
- In der Kategorie B sind in den Klassen des 7. bis 9. Schuljahres einige wenige rauchende Jugendliche zugelassen.
Als Preise werden Reisegutscheine im Wert von Fr. 500.- (Kategorie A) und Fr. 250.- (Kategorie B) verlost.
Der Wettbewerb wird organisiert von der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention und den kantonalen Tabak- und Suchtpräventionsfachstellen, Krebs- und Lungenligen in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesundheit.
Quellen
Reiner Hanewinkel, Gudrun Wiborg, Förderung des Nichtrauchens in der Schule: Ergebnisse einer prospektiven kontrollierten Interventionsstudie, in: Sucht 2003; 49: 333341.
Reiner Hanewinkel, Gudrun Wiborg, Primär- und Sekundärprävention des Rauchens im Jugendalter: Effekte der Kampagne "Be Smart - Don't Start", in: Gesundheitswesen 2002; 64: 492498.
Diese Fachartikel sowie weitere Informationen finden sich auf der Webseite von "Be smart - don't smoke" unter
www.ift-nord.de "Experiment Nichtrauchen" ist unter
www.experiment-nichtrauchen.ch im Internet vertreten.
Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz
Text: Nicolas Broccard
Stand: Mai 2005

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