Zahnkaries
Der Zusammenhang zwischen Rauchen und Zahnkaries wurde bislang nur in wenigen Querschnittstudien untersucht, und zudem wurden in vielen dieser Studien die Störfaktoren nicht hinreichend berücksichtigt.
Eine Studie an Militärpersonal aus dem US-Bundesstaat Illinois (Durchschnittsalter 25,9 Jahre) ergab, dass Raucher signifikant mehr unbehandelte kariöse und fehlende Zähne sowie einen höheren DMFS-Gesamtindex aufwiesen als Nichtraucher (DMFS von 19,38 bei Nichtrauchern gegenüber 24,59 bei aktiven Rauchern). Zu Ernährungsweise und Mundhygiene wurden keine Angaben erhoben.
In einer Stichprobe von 1’156 älteren Patienten stellten Jette et al. ausserdem einen Zusammenhang zwischen Rauchen und Karies fest, wobei die Odds Ratios (beim Vergleich mit allen kombinierten Raucherkategorien) bei Rauchern 1,47 (95%-KI: 1,00; 2,17), bei ehemaligen Rauchern 1,02 (95%-KI: 0,78; 1,34) und bei Patienten, die niemals in ihrem Leben geraucht hatten, 0,67 (95%-KI: 0,50; 0,89) betrug.
In einer Longitudinalstudie, in der Patienten, die sich einer Parodontalbehandlung bei einem Spezialisten unterzogen, über einen Zeitraum von 12 Jahren beobachtet wurden, stellten Ravald et al. fest, dass Raucher signifikant (p < 0,05) häufiger Wurzelkaries (sowohl in der aktiven als auch in der inaktiven Form) entwickelten als Nichtraucher. Ausserdem wurde in dieser Studie ein signifikanter Unterschied bei den Medianwerten der Laktobazillenzahl im Speichel von Rauchern und Nichtrauchern festgestellt.
Eine schwedische Studie untersuchte eine randomisierte Stichprobe von Erwachsenen aus genau definierten Altersgruppen (35, 50, 65 und 75 Jahre). Dabei wurde festgestellt, dass Raucher signifikant weniger intakte Zahnflächen (in allen Altersgruppen) aufwiesen als Nichtraucher und mehr fehlende Zahnflächen (Altersgruppen 50, 65 und 75 Jahre), wobei fehlende Zähne jedoch auch durch eine Parodontalerkrankung und nicht durch Karies bedingt sein konnten. Zwischen Rauchern und Nichtrauchern konnten weder Unterschiede im Plaque-Score oder den Mundpflegegewohnheiten noch in den Essgewohnheiten bezüglich der Zufuhr von Süssigkeiten oder zuckerhaltigen Backwaren beobachtet werden; allerdings nahmen Raucher häufiger Erfrischungsgetränke und Snacks zu sich (p = 0,000 bzw. p = 0,003). Andere Studien, in denen die Compliance hinsichtlich Mundhygieneregimen bei Zigarettenrauchern untersucht wurde, erbrachten ebenfalls widersprüchliche Ergebnisse.
Im Hinblick auf eine plausible Ätiopathogenese der Karies bei Rauchern ist belegt, dass Zigarettenrauch die Speichelfunktion beeinträchtigt, die einen wichtigen Kariesschutz darstellt. Andere Autoren haben darauf hingewiesen, dass der Speichel von Rauchern bzw. Nichtrauchern möglicherweise unterschiedliche Pufferkapazität aufweist, was sich ebenfalls auf die Kariesanfälligkeit auswirken könnte.
Quelle
Saman Warnakulasuriya et al, Oral health risks of tobacco use and effects of cessation. Int Dental J (2010) 60, 6-29
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