Falsche Argumente gegen die Tabakprävention
(at) Das Bundesamt für Gesundheit lancierte am 5. Mai 2008 die Tabakpräventionskampagne «Weniger Rauch, mehr Leben». Zwei Tage später kritisierte der Gesundheitsökonom Peter Zweifel, Professor am Sozialökonomischen Institut der Universität Zürich, die neue Kampagne in einem Interview mit der Gratiszeitung «News». Doch Zweifels Kritik stösst in verschiedenen Punkten ins Leere.
Den 5 Milliarden Kosten, verursacht durch Rauchen, stehen 2,2 Milliarden Einnahmen durch die Tabaksteuer gegenüber.
Professor Zweifel sagte, die externen Kosten des Rauchens seien zu fast 95 Prozent durch die Steuern auf Zigaretten gedeckt. Tatsache ist, dass die direkten und indirekten Kosten des Rauchens jährlich die Gesellschaft mit 5 Milliarden Franken belasten. Die Kosten für medizinische Behandlungen belaufen sich auf 1,2 Milliarden, die Erwerbsaufallskosten betragen 3,8 Milliarden. Darin nicht enthalten sind die immateriellen Kosten, etwa durch Leid und Verlust eines tabakbedingten Todesfalles in der Familie, in der Höhe von weiteren 5 Milliarden Franken.
Demgegenüber belaufen sich die Einnahmen aus der Tabaksondersteuer pro Jahr auf rund 2,2 Milliarden Franken. Die Reineinnahmen aus der Tabaksondersteuer sowie den Tabakzöllen sind zweckbestimmt und kommen in die Bundeskasse zur Deckung des Bundesbeitrages an die AHV/IV.
Die Tabakpräventionskampagne «Weniger Rauch, mehr Leben» des Bundesamtes für Gesundheit wird vollumfänglich aus dem Tabakpräventionsfonds bezahlt. Dieser wird gänzlich von den Rauchenden finanziert mit einer zusätzlichen Abgabe von 1,3 Rappen pro Zigarette. Kein einziger Steuerfranken fliesst in die Tabakpräventionskampagne.
Die Einführung eines Bonus-Malus-Systems in der Krankenversicherung für Raucherinnen und Raucher wäre mit enormen administrativen Kosten verbunden.
Zugleich würde die Einführung eines solchen Bonus-Malus-Systems, wie es Gesundheitsökonom Zweifel befürwortet, einen unverhältnismässigen Eingriff in die persönliche Freiheit darstellen. Denn jede einzelne krankenversicherte Person müsste regelmässig kontrolliert werden, ob sie raucht oder nicht.
Mehr als 80 Prozent der Rauchenden haben vor dem 18. Geburtstag mit Rauchen begonnen. Verschiedene Faktoren behindern die freie Entscheidungswahl eines jungen Menschen für oder gegen das Rauchen:
- Für Zigaretten kann in der Schweiz weiterhin fast unbeschränkt Werbung gemacht werden.
- Zigaretten sind einfacher erhältlich als Lebensmittel wie Brot und Milch.
- Nikotin macht sowohl physisch als auch psychisch schnell abhängig. Auch Jugendlichen können schon nach wenigen Zigaretten vom Produkt abhängig werden.
Sinnvoll ist stattdessen aus Sicht der Tabakprävention ein umfassendes Verbot von Werbung, Promotion und Sponsoring für Tabakprodukte sowie eine eingeschränkte Erhältlichkeit dieser Produkte. Tabakwaren sollen z.B. nur noch in speziell lizenzierten Kiosken verkauft werden dürfen.
Immer noch sind Zigaretten viel schwächer reglementiert als leichte Giftstoffe. Die Zigarette ist das einzige frei erhältliche Produkt, bei dem die Hälfte der Konsumenten und Konsumentinnen vorzeitig stirbt, wenn sie das Produkt gemäss den Anweisungen der Zigarettenfabrikanten verwenden. Medikamente jedoch werden vom Markt zurückgezogen, wenn der Verdacht besteht, dass ein Mensch von tausend daran hätte sterben können.
Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz
Text: Nicolas Broccard
Stand: Mai 2008
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