Schulprogramme zur Tabakprävention

Vielfältige Gründe spielen eine Rolle, warum Jugendliche zu rauchen beginnen. Dazu gehören die Werbung und die weiteren, mehr oder weniger sichtbaren Aktionen von Zigarettenfabrikanten zur Verkaufsförderung, der Tabakkonsum von Gleichaltrigen und Angehörigen sowie der ungehinderte Zugang zu Tabakprodukten. Besonders im Alter von 11 bis 15 Jahren probieren viele junge Menschen das Rauchen aus. Programme für Schulen bringen das Thema Rauchen ungeschminkt zur Sprache.

Nichtrauchen als Norm verankern

Tabakspezifische Schulprogramme haben zum Ziel, Jugendliche über die Schäden des Rauchens richtig zu informieren und in der Haltung zu bestärken, ihr Leben in Eigenregie zu führen, ohne sich an einer Zigarette festhalten zu müssen.

Typisches Beispiel eines solchen Schulprogramms ist der europäische Wettbewerb "Smokefree Class", der in 21 Ländern Europas sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten veranstaltet wird. "Smokefree Class" hat zwei Ziele:

  • den Einstieg in das Rauchen verhindern oder hinauszögern,
  • Jugendliche, die das Rauchen bereits ausprobiert haben, zum Aufhören motivieren, bevor sie regelmässig zur Zigarette greifen.

Die Zielgruppe sind 11- bis 14-Jährige. Der Wettbewerb unterstützt Jugendliche in der Absicht, weiterhin rauchfrei zu sein, anstatt bloss vor dem Rauchen zu warnen. Die Preisverlosung stellt eine Anerkennung für alle Schulklassen dar, die sechs Monate lang erfolgreich rauchfrei gewesen sind. So wird Nichtrauchen unter Jugendlichen als Norm verankert. In der Schweiz läuft dieser Wettbewerb unter dem Namen "Experiment Nichtrauchen" (zusätzliche Informationen: "Experiment Nichtrauchen").

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Rauchfrei bleiben

Im März 2005 erschien eine Übersichtsstudie des Forschungsteams um Sarah Wiehe von der Universität Indiana. Das Team wollte wissen, wie sich Schulprogramme langfristig auswirken auf die Anzahl der Rauchenden zum Zeitpunkt des 18. Lebensjahres oder mindestens ein Jahr nach Ende des Programms. Dabei berücksichtigte das Team nur Programme, die die Ergebnisse in der Interventionsgruppe mit der Entwicklung in einer Kontrollgruppe verglichen. Anhand dieser zwei Kriterien wählte das Forschungsteam aus anfänglich 177 Auswertungen von Schulprogrammen schliesslich 8 aus. Von diesen belegte nur eine Auswertung eine statistisch aussagekräftige Wirkung in der Interventionsgruppe.

Dieses Programm bestand aus Unterrichtseinheiten für das siebte bis neunte Schuljahr zur Förderung von Life Skills. Die Befragung drei Jahre nach Abschluss des Programms ergab in den zwei Interventionsgruppen einen Raucheranteil von 26 und 27 Prozent verglichen mit 33 Prozent in der Kontrollgruppe; als Rauchende galten Jugendliche, die in den letzten dreissig Tagen mindestens eine Zigarette geraucht hatten.

2000 veröffentlichte die Oberste Gesundheitsbehörde der USA den Bericht "Verminderung des Tabakkonsums". Darin kam die Behörde zu folgendem Schluss: Schulprogramme, die das soziale Verhalten thematisieren, üben kurzfristig eindeutig einen entscheidenden Einfluss auf das Rauchverhalten junger Menschen aus. Dabei sind Programme, die sich auf die Tabakprävention bei 11- bis 15-Jährigen beschränken, wirksamer als solche, die noch andere Inhalte zur Sprache bringen.

In diesem Rahmen ist auch die Auswertung des Schulwettbewerbs "Be smart - don't smoke" zu sehen. So heisst in Deutschland der europäische Wettbewerb "Smokefree Class". Eine Auswertung dieses Programms sechs Monate nach Abschluss des Wettbewerbs zeigte, dass junge Nichtrauchende erfolgreich motiviert werden, auch weiterhin rauchfrei zu leben. In der Interventionsgruppe hatten 26 Prozent innerhalb der letzten vier Wochen geraucht gegenüber 33 Prozent in der Kontrollgruppe.

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Rauchstopp begünstigen

Ausschlaggebend für eine wirksame und wirtschaftliche Tabakprävention ist die Tatsache, dass Exraucher, die vor dem 35. Lebensjahr einen Schlussstrich unter ihre Rauchkarriere gezogen haben, ungefähr gleich lang leben wie Nichtraucher. Aber auch ein Rauchstopp zu einem späteren Zeitpunkt führt zu einer entsprechend längeren Lebenszeit. Dies folgt aus der britischen Studie, die den Einfluss des Rauchens auf die Sterblichkeit bei britischen Ärzten über 50 Jahre lang verfolgt hat.

Wer später im Leben zu rauchen anfängt, kann leichter aufhören. Wer früh im Leben eine Rauchkarriere beginnt, kann diese viel schwerer beenden. Für die Schulprogramme bedeutet dies, dass als Ziel die Motivation zum Aufhören ebenso wichtig ist wie das Ziel eines durchgehend rauchfreien Lebens. Programme in Schulen erhöhen die Chance, dass Jugendliche als Erwachsene weniger Zigaretten konsumieren oder mit Rauchen bald wieder aufhören. Solche Programme können demnach nicht einzig daran gemessen werden, wie viele Jugendliche bis ins Erwachsenenleben rauchfrei bleiben.

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Das eine tun und das andere nicht lassen

Gemäss der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme rauchten 2002 regelmässig oder täglich während der letzten dreissig Tage

  • 21 Prozent der 13-Jährigen
  • 26 Prozent der 14-Jährigen
  • 34 Prozent der 15-Jährigen
  • 38 Prozent der 16-Jährigen.

Diese hohen Zahlen sind Grund genug, das Rauchen in den Schulklassen zum Thema zu machen. "Experiment Nichtrauchen" war im Schuljahr 2004/05 für rund 4'100 Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer aus allen Landesteilen eine gute Gelegenheit, dieses Thema während eines ganzen Jahres immer wieder anzugehen.

Schulprogramme wie "Experiment Nichtrauchen" bieten Lehrpersonen Unterstützung an hinsichtlich einer vollständigen Information über die gesundheitlichen Schäden des Rauchens und liefern Hintergrundmaterial, Vorschläge für Unterrichtseinheiten und weitere Hilfsmittel. Die Schulen dürfen keinesfalls den so genannten Präventionsaktivitäten der Tabakindustrie überlassen werden. Diese will letztlich mit den Zigaretten ein möglichst grosses Geschäft machen und unterstützt deshalb keine Massnahmen, die die Anzahl der Raucherinnen und Raucher, ob jung oder alt, tatsächlich verkleinern.

Gleichzeitig geht die Tabakprävention über die Prävention bei Jugendlichen hinaus. Es ist eine Illusion anzunehmen, einzig über Erziehungs- und Informationsprogramme wirkungsvoll Prävention leisten zu wollen.

Denn:

  • in der Nähe unzähliger Schulen hängen Werbeplakate für Zigaretten,
  • in Kinos, in Discos, an Parties und Konzerten wird aufdringlich für Zigaretten geworben und Hostessen verteilen sogar Gratismuster an Jugendliche,
  • Tabakwaren sind in der Schweiz jederzeit und überall ohne Einschränkung erhältlich,
  • Vorbildpersonen wie Eltern oder Lehrer und Lehrerinnen rauchen vor Kindern und Jugendlichen.

Eine umfassende Tabakprävention beinhaltet unterschiedliche Massnahmen: Schulprogramme, aber auch ein Verbot der Werbung und des Sponsorings von Tabakprodukten, Beschränkung des Verkaufs, hohe Tabaksteuern, die vollständige Deklaration der Zusatzstoffe in Tabakwaren und der konsequente Schutz nichtrauchender Personen vor dem Passivrauchen.

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Quellen

Reiner Hanewinkel, Gudrun Wiborg, Primär- und Sekundärprävention des Rauchens im Jugendalter: Effekte der Kampagne "Be Smart - Don't Start", in: Gesundheitswesen 2002; 64: 492–498 www.ift-nord.de

U.S. Department of Health and Human Services. Reducing Tobacco Use: A Report of the Surgeon General. Atlanta

U.S. Department of Health and Human Services, Centers for Disease Control and Prevention, 2000 www.cdc.gov/tobacco/sgr/sgr_2000/index.htm

Sarah E. Wiehe et al., A systematic review of school-based smoking prevention trials with long-term follow-up, in: Jornal of Adolescent Health 2005; 36: 162-169 www.sciencedirect.com/science/journal/1054139X

Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz
Text: Nicolas Broccard
Stand: August 2005

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