Medikamente

Zünden Sie die erste Zigarette in der ersten halben Stunde nach dem Aufwachen an? Rauchen Sie mehr als 10 bis 15 Zigaretten pro Tag? Wenn Sie eine der beiden Fragen mit «Ja» beantworten, sind Sie vermutlich stark nikotinabhängig. Eine Behandlung mit Medikamenten könnte Ihnen den Ausstieg erleichtern.

Nikotinhaltige Medikamente

Nutzen
Der körperliche Entzug und die gleichzeitige Veränderung von Gewohnheiten sind eine doppelte Belastung. Das kann beim Rauchstopp zu einer Überforderung führen. Mit nikotinhaltigen Medikamenten können Sie vorübergehend die Entzugssymptome dämpfen. So können Sie sich während dieser Zeit auf die Umgewöhnung im Alltag konzentrieren und lernen, den Alltag ohne Zigarette zu bewältigen. Diese Änderung der Gewohnheiten braucht Zeit. Die Hersteller empfehlen, die Medikamente ausreichend lange, etwa acht Wochen, idealerweise drei Monate lang zu benutzen.

Wirksamkeit
Erfahrungsgemäss erhöhen nikotinhaltige Medikamente deutlich die Chancen, nach dem Rauchstopp abstinent zu bleiben. Die Medikamente müssen jedoch genügend hoch dosiert und lange genug verwendet werden. Sonst dämpfen sie das «Craving» (Verlangen) zu wenig und verfehlen die Wirkung. Diese Medikamente ermöglichen die Aufnahme von Nikotin in unschädlicher Form. Sie enthalten keine Schadstoffe aus dem Tabakrauch wie etwa Teerstoffe, Reizgase und Kohlenmonoxid. Die aufgenommene Nikotinmenge ist zudem geringer als beim Rauchen und fördert nicht die Sucht.

Erhältlichkeit und Kosten
Diese Produkte sind in Apotheken rezeptfrei erhältlich. Die Krankenversicherungen übernehmen die Kosten in der Grundversicherung nicht. Einige erstatten aber im Rahmen der Zusatzversicherungen die Kosten ganz oder teilweise zurück. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Versicherung nach den Bedingungen.

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Verschiedene nikotinhaltige Produkte stehen zur Auswahl

Depotpflaster

  • Passive Aufhörhilfe. Die Nikotinzufuhr während 16 oder 24 Stunden über die Haut dämpft die Entzugssymptome.
  • Diskrete Anwendung. Hautstelle beim Aufkleben des Pflasters täglich wechseln.
  • Einfache Handhabung. Regelmässige und automatische Nikotinabgabe.

Kaudepot (Kaugummi)

  • Aktive Aufhörhilfe. Die rasche Nikotinaufnahme über die Mundschleimhaut dämpft die Entzugssymptome.
  • Wichtig ist die Technik: 20 bis 30 Sekunden kauen. Anschliessend den Kaugummi zwischen Zahnfleisch und Wange gleich lang ruhen lassen. Auf diese Weise während 30 Minuten mit regelmässigen Pausen langsam kauen.
  • Ablenkung durch das Kauen, Mund und Hände sind beschäftigt. Selbständige Dosierung je nach Bedarf.

Lutschtablette

  • Aktive Aufhörhilfe. Die rasche Nikotinaufnahme über die Mundschleimhaut dämpft die Entzugssymptome.
  • Weder essen noch trinken 15 Minuten vor, während und 15 Minuten nach dem Gebrauch. Wichtig ist die Technik: 20 bis 30 Sekunden lutschen. Anschliessend die Tablette zwischen Zahnfleisch und Wange gleich lang ruhen lassen. Auf diese Weise während 30 Minuten mit regelmässigen Pausen langsam lutschen.
  • Alternative zum Kaugummi. Besonders für Personen geeignet, die eine Tablette dem Kaugummi vorziehen. Flexible Dosierung.

Microtab (Sublingualtablette)

  • Aktive Aufhörhilfe. Kleine Tablette, die ähnlich wirkt wie Kaudepot und Lutschtablette. Die rasche Nikotinaufnahme über die Mundschleimhaut dämpft die Entzugssymptome.
  • Die Tablette wird unter die Zunge gelegt, wo sie während 20 bis 30 Minuten das Nikotin abgibt und sich langsam auflöst.
  • Sehr diskret. Für mittelstarke bis starke Raucherinnen und Raucher geeignet.

Inhaler

  • Aktive Aufhörhilfe. Die rasche Nikotinaufnahme lindert das Rauchverlangen.
  • Einfache Anwendung. Der Inhaler besteht aus einem Mundstück, in das eine Patrone eingesetzt wird. Durch das Mundstück werden Nikotin und Menthol eingeatmet und über die Mundschleimhaut aufgenommen. Obschon das Produkt «Inhaler» heisst, wird der Dampf nicht inhaliert.
  • Das zigarettenähnliche Mundstück dient als Ersatz für den Griff zur Zigarette oder das Ziehen an der Zigarette.

Mundspray

  • Aktive Aufhörhilfe. Das Nikotin wird schnell aufgenommen und lindert rasch ein Craving.
  • Einfache Anwendung. Anstatt einer Zigarette oder bei Rauchverlangen ein Sprühstoss in die Mundho?hle sprühen. Das Nikotin wird über die Mundschleimhaut aufgenommen. Beim Gebrauch Lippen nicht benetzen, nicht einatmen. Einige Sekunden nach Gebrauch nicht schlucken.
  • Der Mundspray kann wirksamer sein als andere nikotinhaltige Medikamente.

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Beachten Sie folgende Punkte

Beratung
Medikamente dämpfen die Entzugssymptome, ersetzen aber nicht die aktive Veränderung von Alltagsgewohnheiten. Die Erfolgsaussichten bei der Verwendung von Medikamenten sind deshalb deutlich besser, wenn Sie zusätzlich eine fachliche Beratung und Begleitung beanspruchen, die die Rauchstopplinie oder andere Fachstellen anbieten.

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Öffnet externen Link im aktuellen FensterGruppenkurs

Starke Raucherinnen und Raucher
Beim Rauchen von täglich mehr als 20 Zigaretten sowie nach einem Rückfall kann die Kombination von starkem Pflaster und einem schnell wirkenden oralen Produkt wie Kaudepot, Microtab bzw. Lutschtablette, Inhaler oder Mundspray angezeigt sein.

Abhängigkeit, Missbrauch, Überdosierung
Die Gefahr, von nikotinhaltigen Medikamenten abhängig zu werden, ist sehr gering. Nikotinersatzprodukte führen im Gegensatz zu Tabakprodukten kaum zur Sucht. Die Verwendung solcher Produkte über lange Zeit ist selten und wahrscheinlich viel weniger riskant als das Rauchen von Zigaretten, weshalb der gesundheitliche Nutzen überwiegt.

Die Gefahr einer Überdosierung ist bei Rauchern und Raucherinnen klein, selbst wenn die Medikamente kombiniert werden (Pflaster und rasch wirkendes Medikament) oder gleichzeitig noch geraucht wird. Die durch die nikotinhaltigen Medikamente aufgenommene Nikotinmenge ist zudem niedriger als beim Rauchen.

Schwangerschaft
Schwangere Frauen sollten zuerst versuchen, ohne Medikamente rauchfrei zu werden. Die mit dem Rauchen verbundenen Risiken sind aber viel höher als die Risiken und Nebenwirkungen von nikotinhaltigen Medikamenten. Deshalb dürfen Schwangere, die den Rauchstopp ohne Hilfsmittel nicht durchführen können, nikotinhaltige Medikamente in niedriger Dosierung und mit kurzer Wirkdauer verwenden (Kaugummi, Microtab oder Lutschtablette, Inhalator, Mundspray). Besprechen Sie das Vorgehen mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt.

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Weitere Medikamente

Bupropion
Ein Antidepressivum mit dem Wirkstoff Bupropion hat sich auch bei der Rauchentwöhnung als wirksam erwiesen. Bupropion senkt das Verlangen nach einer Zigarette. Das Medikament ist nur gegen ärztliche Verschreibung erhältlich und wird von den Krankenversicherungen unter bestimmten Voraussetzungen vergütet. Lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin eingehend über die möglichen Nebenwirkungen und Risiken informieren.

Vareniclin
Der Wirkstoff Vareniclin ersetzt teilweise die Wirkung des Nikotins, ohne jedoch das Gefühl von Genuss auszulösen wie beim Rauchen einer Zigarette. Dieser Wirkstoff schwächt beim Rauchstopp die Entzugssymptome ab. Das Medikament ist nur gegen ärztliche Verschreibung erhältlich und wird von den Krankenversicherungen unter bestimmten Voraussetzungen vergütet. Lassen Sie sich von Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt ausführlich über die möglichen Nebenwirkungen und Risiken sowie die Bedingungen für eine Kostenrückerstattung durch die Krankenkasse informieren.

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Herausgeberin: Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz
Text: Catherine Abbühl, Nicolas Broccard
Stand: Januar 2014