Warum sind Jugendliche rauchfrei?
(at) Rauchfreie Jugendliche sprechen sich vor allem aus gesundheitlichen Gründen gegen das Rauchen aus. Jugendliche, die rauchen, nennen hauptsächlich Gewohnheit, Stressbewältigung und Genuss als Grund. Dies zeigen repräsentative Befragungen von in der Schweiz wohnhaften Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren, durchgeführt von der Schweizerischen Umfrage zum Tabakkonsum (Tabakmonitoring).
Wie viele Jugendliche rauchen?
Von 2001 bis 2008 ist der Anteil Rauchender in der 14- bis 19-jährigen Wohnbevölkerung von 31 Prozent im Jahr 2001 auf 23 Prozent im Jahr 2008 gesunken.
| Junge Frauen | täglich | nichttäglich |
|---|---|---|
| 14 -15 Jahre | 1% | 5% |
| 16 -17 Jahre | 11% | 15% |
| 18 -19 Jahre | 19% | 12% |
| Total 14 -19 Jahre (2008) | 9% | 12% |
| Junge Männer | täglich | nichttäglich |
|---|---|---|
| 14 -15 Jahre | 2% | 6% |
| 16 -17 Jahre | 16% | 9% |
| 18 -19 Jahre | 27% | 14% |
| Total 14 -19 Jahre (2008) | 14% | 10% |
Wegen der kleinen Zahlen rauchender Jugendlicher besonders in den jüngeren Jahrgängen ist bei diesen Angaben mit grösseren Fehlerspannen zu rechnen.
Rauchen - eine vertraute Sache
Kinder und Jugendliche sind tagtäglich mit dem Rauchen konfrontiert. Knapp ein Drittel der Erwachsenen raucht, häufig sind auf den Strassen rauchende Frauen und Männer zu sehen.
Die Tabakwerbung macht Kinder und Jugendliche mit Rauchwaren vertraut (siehe
«Werbung verführt Jugend»). Auch wenn die Zigarettenwerbung junge Erwachsene zeigt, zielt die Tabakindustrie mit Werbung und Promotion direkt auf Kinder und Jugendliche (siehe
«Jugend im Visier»).
Viele Personen sind immer noch der Ansicht, Rauchende sollten überall die Möglichkeit haben zur Zigarette zu greifen. Das Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen lässt weiterhin Rauchräume und Rauchbetriebe zu.
Das Rauchen ist also schon für Kinder eine gängige Sache. So kann es Jugendlichen weniger abwegig erscheinen, selber Zigaretten auszuprobieren. Was aber geben Jugendliche selbst für Gründe an gegen oder für das Rauchen?
Gründe gegen das Rauchen
Aus Sicht der nichtrauchenden 14- bis 19-Jährigen sprechen gegen das Rauchen vor allem Gründe der Gesundheit und der Abhängigkeit, gefolgt von Gründen des Aussehens, der sportlichen Leistungsfähigkeit und des Geldes. Nur geringe Bedeutung hat der Grund «Weil es mir verboten wurde».
Zwischen Nichtraucherinnen und Nichtrauchern lassen sich hinsichtlich der einzelnen Gründe kaum Unterschiede feststellen. Hingegen sind für Jugendliche, die niemals geraucht haben, Geschmack oder Aussehen bedeutend häufiger ein Grund gegen das Rauchen als bei ehemaligen Rauchenden.
| Grund | trifft sicher zu | trifft eher zu |
|---|---|---|
| Weil es ungesund ist | 80% | 13% |
| Weil ich nicht abhängig werden will | 68% | 16% |
| Weil man dabei immer so stinkt | 56% | 24% |
| Damit ich beim Sport eine bessere Kondition habe | 55% | 23% |
| Weil ich den Geschmack nicht mag | 53% | 21% |
| Weil es teuer ist | 49% | 25% |
| Weil man davon gelbe Finger und gelbe Zähne bekommt | 40% | 29% |
| Weil man davon eine unschöne Haut bekommt | 32% | 21% |
| Weil eine mir wichtige Person nicht möchte, dass ich rauche | 30% | 20% |
| Weil mir immer die Augen brennen | 23% | 19% |
| Weil man mit einer Zigarette nicht gut aussieht | 18% | 12% |
| Weil es mir verboten wurde | 14% | 13% |
Gründe für das Rauchen
In den Augen der 14- bis 19-jährigen Rauchenden stehen als Grund Gewohnheit, Stressbewältigung und Genuss im Vordergrund. «Gewohnheit» könnte eine gewisse Einsicht in eine physische und/oder psychische Abhängigkeit widerspiegeln. «Stress» zeigt, dass Rauchen für viele zu einer Form der Alltags- oder Belastungsbewältigung geworden ist.
Eine untergeordnete Rolle spielen Gründe wie Leistungsfähigkeit, bessere Ausstrahlung oder Coolness. Vermutlich nehmen sich viele Rauchende zwar als cool wahr, doch wäre es uncool zuzugeben, ohne Zigaretten keine Coolness zu besitzen.
Bezüglich der einzelnen Gründe unterscheiden sich die Geschlechter kaum. Täglich Rauchende jedoch verweisen häufiger auf Gründe der Abhängigkeit und der Alltags- oder Stressbewältigung als nichttäglich Rauchende.
| Grund | trifft sicher zu | trifft eher zu |
|---|---|---|
| Weil es zur Gewohnheit geworden ist | 38% | 29% |
| Weil ich oft im Stress bin und mich Rauchen beruhigt | 30% | 42% |
| Weil ich den Geschmack geniesse | 24% | 40% |
| Weil es mir langweilig ist | 18% | 35% |
| Weil ich es nicht schaffe, mit dem Rauchen aufzuhören | 14% | 29% |
| Weil ich oft nicht weiss, wohin ich sonst mit meinen Händen soll | 12% | 22% |
| Weil Kollegen und Freunde rauchen | 11% | 23% |
| Weil ich ohne Rauchen an Gewicht zunehmen würde | 5% | 6% |
| Weil es mir das Gefühl von Freiheit gibt | 5% | 19% |
| Weil ich dadurch leistungsfähiger bin | 3% | 5% |
| Weil ich überzeugt bin, dass Rauchen mir selber nicht schadet | 2% | 3% |
| Weil man als Raucher eine bessere Ausstrahlung hat | weniger als 1% | 6% |
| Weil rauchen cool ist | weniger als 1% | 8% |
Wenn Sie mit dem Rauchen aufhören möchten, wie schwierig ist dies für Sie persönlich?
14- bis 15-jährige Rauchende haben noch keine längere Rauchkarriere hinter sich, weshalb bloss 28 Prozent meinen, ein Rauchstopp sei schwierig. Aber bei den 18- bis 19-Jährigen steigt dieser Anteil auf 57 Prozent. Auch wer täglich zur Zigarette greift, hält es für bedeutend schwieriger als eine Person, die nicht jeden Tag eine Zigarette anzündet.
| Alter | sehr schwierig | eher schwierig | eher nicht schwierig | gar nicht schwierig |
|---|---|---|---|---|
| 14 -15 Jahre | 7% | 21% | 32% | 36% |
| 16 -17 Jahre | 14% | 37% | 20% | 29% |
| 18 -19 Jahre | 12% | 45% | 17% | 26% |
| Total 14 -19 Jahre | 12% | 40% | 20% | 28% |
| täglich | 21% | 54% | 16% | 9% |
| nichttäglich | 0% | 18% | 25% | 56% |
Aufhörbereitschaft
Seit 2001/02 hat der Anteil der rauchenden 14- bis 19-Jährigen, die innerhalb der nächsten sechs Monate aufhören möchten, eher abgenommen.
2007/08 planten 8 Prozent einen Rauchstopp in den nächsten dreissig Tagen und 18 Prozent in den nächsten eins bis sechs Monaten. 20 Prozent wollten zu einem späteren Zeitpunkt aufhören, 4 Prozent möchten zwar auch aufhören, wissen aber noch nicht wann. 2007/08 wollten also insgesamt 50 Prozent der rauchenden 14- bis 19-Jährigen ihre Rauchgewohnheiten ablegen.
Auch bei diesen Angaben ist mit grösseren Fehlerspannen zu rechnen. Denn in den einzelnen Untergruppen sind die Zahlen jugendlicher Rauchenden klein.
Glauben Sie, dass Sie in zwei Jahren rauchen werden oder nicht?
Angesichts des steigenden Anteils der Rauchenden von der Altersgruppe der 14- bis 15-Jährigen zu derjenigen der 18- bis 19-Jährigen ist zu vermuten, dass viele Jugendliche ihr zukünftiges Rauchverhalten falsch einschätzen.
| Ich rauche sicher noch | 5% |
| Ich rauche wahrscheinlich noch | 41% |
| Ich rauche wahrscheinlich nicht mehr | 28% |
| Ich rauche sicher nicht mehr | 16% |
| Weiss nicht / Keine Angabe | 10% |
Die Wahrscheinlichkeit, als Raucherin oder Raucher den Ausstieg aus dem Tabakkonsum zu schaffen, ist in diesem Alter kleiner als die Wahrscheinlichkeit, als Nichtraucherin oder Nichtraucher mit dem Rauchen zu beginnen.
| Ich rauche sicher | 1% |
| Ich rauche wahrscheinlich | 2% |
| Ich rauche wahrscheinlich nicht | 25% |
| Ich rauche sicher nicht | 71% |
| Weiss nicht / Keine Angabe | 1% |
Was schätzen Sie: Wie viele Prozent der Jugendlichen in Ihrem Alter rauchen in der Schweiz?
In allen Untergruppen stufen Jugendliche den Anteil gleichaltriger Raucherinnen und Raucher viel zu hoch ein. Obschon nur knapp ein Viertel der 14- bis 19-Jährigen tatsächlich raucht, sagen die Befragten, ungefähr die Hälfte würde rauchen.
Junge Männer schätzen den Anteil der Rauchenden geringfügig tiefer ein als junge Frauen. Je älter die Befragten werden, desto höher wird der Anteil bei Gleichaltrigen veranschlagt. Tatsächlich greifen vom 14. bis zum 19. Lebensjahr immer mehr Jugendliche zur Zigarette. Trotzdem geht jede Untergruppe von einem zu hohen Anteil an Rauchenden aus.
Sowohl Rauchende wie Nichtrauchende täuschen sich. Die zu hohe Einschätzung kann den Nichtrauchenden das Gefühl geben, sie seien eine Minderheit - in Wirklichkeit machen sie in allen Untergruppen die Mehrheit aus. Wegen dieses Irrtums fällt wohl manchen der Griff zur Zigarette leichter.
Rauchverhalten in der Familie
Zwischen dem Rauchverhalten der Eltern und Jugendlichen besteht ein deutlicher Zusammenhang. Zwischen 14 und 19 beträgt der Anteil täglich Rauchender
- 26 Prozent, wenn beide Eltern rauchen,
- 17 Prozent, wenn entweder Vater oder Mutter raucht,
- 10 Prozent, wenn beide Eltern nie geraucht haben.
Allerdings blieb hier unberücksichtigt, ob zum Zeitpunkt der Befragung die ganze Familie zusammenwohnte.
Auch der gegenseitige Einfluss der Geschwister scheint wichtig zu sein. Der Anteil der 14- bis 19-Jährigen, die täglich rauchen, beläuft sich auf
- 31 Prozent, wenn zwei oder mehr Geschwister rauchen,
- 27 Prozent, wenn ein Bruder oder eine Schwester raucht,
- 9 Prozent, wenn keine Geschwister rauchen,
- 13 Prozent, wenn keine Geschwister vorhanden sind.
Quelle
Theda Radtke, Roger Keller, Hans Krebs, Rainer Hornung, Der Tabakkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in den Jahren 2001 bis 2007/08. Tabakmonitoring – Schweizerische Umfrage zum Tabakkonsum. Finanziert durch den Tabakpräventionsfonds, Oktober 2008
www.tabakmonitoring.ch.
Roger Keller, Theda Radtke, Hans Krebs, Rainer Hornung, Der Tabakkonsum der Schweizer Wohnbevölkerung in den Jahren 2001 bis 2008. Tabakmonitoring – Schweizerische Umfrage zum Tabakkonsum. Finanziert durch den Tabakpräventionsfonds, Mai 2009
www.tabakmonitoring.ch.
Herausgeberin: Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz
Text: Nicolas Broccard
Stand: August 2009
AT-Schweiz
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3008 Bern
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