Wissenschaftliche Begleitung des Experiments Nichtrauchen

(at) Der Wettbewerb Experiment Nichtrauchen bietet Klassen der 6. bis 9. Schulstufe einen Anreiz, rauchfrei zu bleiben. In der Schweiz läuft der Wettbewerb seit Schuljahr 2000/01 und stösst bei Schulen auf grosses Interesse. Für das Schuljahr 2006/07 überprüfte Holger Schmid, Leiter des Instituts Soziale Arbeit und Gesundheit der Hochschule für Soziale Arbeit an der Fachhochschule Nordwestschweiz, die Wirkung des Experiments Nichtrauchen bei 7. und 8. Klassen des Wettbewerbs.

Begleituntersuchung

Experiment Nichtrauchen startet jeweils im November und endet im Mai des folgenden Jahres. Die wissenschaftliche Begleituntersuchung umfasste drei Befragungen: vor Beginn des Wettbewerbs im Oktober 2006, nach Abschluss im Juni 2007 und knapp vier Monate später im September 2007. Dabei beantworteten unabhängig voneinander die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte je einen Fragebogen.

Angeschrieben wurden Schulklassen aus den fünf Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Bern, Solothurn und Zürich. 179 Klassen beteiligten sich an der Untersuchung. Jede Klasse wurde nach dem Zufallsprinzip entweder der Interventionsgruppe oder der Kontrollgruppe zugeteilt; es handelt sich folglich um eine randomisierte Studie. Die Interventionsgruppe machte am Experiment Nichtrauchen 2006/07 mit, die Kontrollgruppe war davon ausgeschlossen.

Im Zentrum der Begleituntersuchung standen zwei Fragen:

  • Inwieweit reduziert eine Teilnahme am Experiment Nichtrauchen die Anzahl rauchender Schülerinnen und Schüler?
  • Zeichnet sich durch eine gescheiterte Teilnahme ein negativer sozialer Gruppendruck auf rauchende Schüler und Schülerinnen ab?

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Rauchen

Sowohl die Befragung der Schüler und Schülerinnen als auch die der Lehrpersonen ergab bezüglich Rauchverhalten keine signifikanten Unterschiede zwischen Interventions- und Kontrollgruppe. Nach Abschluss des Wettbewerbs rauchte in beiden Gruppen eine ähnlich Anzahl von Jugendlichen. Auch hinsichtlich der Einstellungen zum Rauchen, etwa ob eine angebotene Zigarette akzeptiert oder zurückgewiesen wird, waren zwischen den beiden Gruppen keine Unterschiede feststellbar.

Aber die wissenschaftliche Begleituntersuchung unterschätzt wahrscheinlich die Wirkung des Wettbewerbs auf das Rauchverhalten der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler. So beteiligten sich an der Begleituntersuchung vor allem Lehrer und Lehrerinnen, die am Thema Rauchen besonders interessiert waren. Auch die Lehrkräfte der Kontrollgruppe waren demnach von sich aus motiviert, den Zigarettenkonsum im Unterricht zu thematisieren. Mit anderen Worten, die Kontrollgruppe entsprach keineswegs dem normalen Durchschnitt von 7. und 8. Klassen in der Schweiz.

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Gruppendruck

In der Interventionsgruppe traten weder mehr Fälle auf von aktivem Mobbing noch von passivem Erleiden von Schikanen oder groben Belästigungen als in der Kontrollgruppe. Dasselbe gilt für das Ausschliessen von Mitschülern und für die Ausgrenzung durch Kolleginnen. Zu diesem Resultat kam sowohl die Befragung der Jugendlichen wie diejenige der Lehrkräfte.

Die wissenschaftliche Begleituntersuchung ergab keinerlei Hinweise für die Annahme, dass Druck ausgeübt wird auf rauchende Kolleginnen und Kollegen, wenn wegen diesen eine Klasse aus dem Wettbewerb aussteigen muss und keinen Preis mehr gewinnen kann.

Desgleichen traten bei der Befragung der Schüler und Schülerinnen zum Wohlbefinden und zum Klassenklima keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen auf. Auch ging die Ablehnung rauchender Kollegen und Kolleginnen in der Interventions- und der Kontrollgruppe in einem ähnlichen Ausmass zurück. Ebenso wenig folgte aus der Befragung der Lehrpersonen zum Klima in ihren Klassen ein Unterschied zwischen Interventions- und Kontrollgruppe.

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Besser informiert durch Experiment Nichtrauchen

Bei der Befragung im Juni 2007, unmittelbar nach Abschluss des sechsmonatigen Wettbewerbs, sagten in der Interventionsgruppe signifikant mehr Schülerinnen und Schüler, dass im Unterricht das Rauchen ein Thema gewesen war. Diese Jugendlichen hatten mehr Informationen bekommen und auch mehr Informationen aufgenommen als jene in der Kontrollgruppe. Im September 2007, also im neuen Schuljahr, liess sich dieser Unterschied nicht mehr feststellen.

Bei den Lehrerinnen und Lehrern zeigte nicht nur die Befragung im Juni, sondern auch die im September eindeutig einen Unterschied. Zu beiden Zeitpunkten gaben die Lehrpersonen der Interventionsgruppe häufiger an, den Tabakkonsum in der Klasse thematisiert zu haben.

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Quelle

Holger Schmid, A randomised controlled trial of the Smokefree Class Competition in Northwestern Switzerland, 2008 www.bag.admin.ch/tabak_praevention. Der "Forschungsbericht - Wissenschaftliche Begleitung des Experiments Nichtrauchen" ist nur in englischer Sprache erhältlich und kann von der Webseite des Tabakpräventionsfonds unter der Rubrik Forschung heruntergeladen werden.

Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz
Text: Nicolas Broccard
Stand: Mai 2008

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