Hilfe für Eltern

Hilfe - unser Kind hat geraucht! Was können wir Eltern tun?

Ihr Kind hat geraucht. Erschrecken Sie nicht unnötig. Ihr Kind ist deshalb noch nicht gefährdet. Neugier gehört zur normalen Entwicklung, und die Erfahrung, den Rauch einer Zigarette einzuatmen, lassen sich Heranwachsende kaum entgehen. Diese erste Zigarette schmeckt überhaupt nicht, und der eingeatmete Rauch wird meist als beissend und übelriechend empfunden.

Was Eltern tun können

Eigentlich sollte es nach dieser schlechten Erfahrung der ersten Zigarette bleiben - wenn sie doch gar nicht geschmeckt hat! Dass andere Triebfedern stärker sind, beweisen aber die 25 Prozent Raucher und Raucherinnen in der Schweiz. Deshalb ist es wichtig, dass Sie sich nicht scheuen, sich mit dem Thema Rauchen und Nichtrauchen zu beschäftigen.

Es lohnt sich, wenn Sie über das Thema nachdenken und sich gemeinsam mit Ihrem Kind damit auseinander setzen. Sie können:

  • Die Gründe für den Einstieg ins Rauchen kennen und verstehen lernen
  • Rechtzeitig mit Ihrem Kind über das Rauchen reden
  • Abmachungen mit Ihrem Kind treffen
  • Ihr Kind ohne Moralpredigt bei seinen Unsicherheiten und Entscheidungen unterstützen

Sollten Sie selber rauchen, dann ist das kein Hinderungsgrund, mit Ihrem Kind an dessen Rauchfreiheit zu arbeiten. Sollten Sie den Wunsch zum Rauchstopp oder schon Rückfälle hinter sich haben, dann sind Sie "Anschauungsmaterial" der Abhängigkeit, die es für Ihr Kind zu vermeiden gilt.

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Die Gründe für den Einstieg ins Rauchen kennen lernen

Zur Gruppe gehören

Ihr Kind löst sich langsam aus dem Schutz der Familie und schliesst sich Gleichaltrigen an, mit denen es Freizeit verbringt und deren Gewohnheiten und Allüren es nachahmt.

Diese Gruppen können zufällig entstehen, durch Nachbarschaft, Klasse, Schule. Eine Gruppenbildung im Schülerorchester, im Jugendsportklub, in organisierter Freizeitgestaltung allgemein hat den Vorteil, dass gleiche Interessen die Kinder zusammenführt und dass durch erarbeitete Kompetenz das Selbstvertrauen und die Selbstbestimmung so gestärkt wurden, dass Gruppendruck kaum mehr empfunden wird.

Nachahmung des gewohnten Verhaltens im Umfeld

Es wird nicht erstaunen, dass Kinder, deren Eltern oder Geschwister rauchen, eher zu Rauchern werden als solche, die in rauchfreiem Umfeld aufwachsen. Um so wichtiger ist es, mit seinem Kind das Thema Rauchen zu besprechen. Und vielleicht sind es gerade die Raucher selbst, sich am besten mit dem Thema Abhängigkeit etc. auskennen und besser verstehen können.

Idole werden kopiert

Wenn sich die Kleinkinder noch ganz an den Eltern orientiert und ihr Verhalten kopiert haben, später die Kindergärtner und Lehrerinnen an ihre Stelle getreten sind und dann die Gleichaltrigen, dann folgt meist auch eine Phase, während der Idole - meist aus Musik und Sport - erstrebenswerte Leistungen vollbringen. In den meisten Fällen können diese Top-Leistungen nicht kopiert werden, also begnügen sich die Jugendlichen mit dem Nachahmen von Kleidung und Verhalten ihrer Idole.

Zigarettenwerbung

Erklärtes Werbeziel der Tabakindustrie ist der Markenwechsel, nicht der Neueinstieg - denn sie darf ihre Werbemassnahmen offiziell nicht an Jugendliche richten. Sie tut es dennoch, und zwar in grossem Masse. Beispielsweise auf Plakaten im Jahr 2001, indem Trendverhalten aufgenommen und auf Plakaten thematisiert wird: Ein junger Mann fragt: "Do I look shy?" Dient die Aussage auf dem Plakat dem Markenwechsel? Bestimmt nicht! Kein Jugendlicher will als schüchtern gelten. Also ist die Jugend doch heimliche Werbe-Zielgruppe.

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Reden Sie rechtzeitig mit Ihrem Kind über das Rauchen

In den meisten Schulen wird das Rauchen im Unterricht behandelt. Das reicht Ihrem Kind nicht. Es will Ihre Haltung gegenüber dem Rauchen kennen lernen. Es will auch wissen, wie Sie auf sein allfälliges Rauchen reagieren würden.

Es hat keinen Sinn, ein Kleinkind vor dem Rauchen zu warnen, wenn es noch gar nicht ans Rauchen denkt. Hier steht die Stärkung des Selbstvertrauens und die Entwicklung des Mutes zum Nein-Sagen zu einem aufgedrängten Verhalten im Vordergrund.

Sobald sich Ihr Kind aber für das Rauchen interessiert oder mit dem Rauchen anderer in Berührung kommt, machen Sie ihm klar:

  • dass Nikotin im Tabakrauch von den Rauchern als angenehm empfunden und deshalb immer wieder und immer öfter gebraucht wird, und dass so eine Gewohnheit, eine Abhängigkeit und eine Sucht entstehen kann. Dass der Raucher zum Beispiel im Flugzeug, wo er nicht rauchen darf, fast durchdreht auf einem langen Flug, ähnlich wie beim Entzug von verbotenen Drogen.
  • dass Schadstoffe im Tabakrauch bestimmte Organe sehr schwer treffen können. Dass, wenn einmal durch das Nikotin eine Abhängigkeit entstanden ist, zum Beispiel der Teer in der Luftröhre und auf der Lunge klebt und kaum mehr ausgehustet werden kann. Oder dass das Kohlenmonoxid den Sauerstoff wegdrängt und damit dem Körper lebenswichtige Nahrung entzieht.
  • dass die Fitness schon im Jugendalter nachlässt, wenn Kohlenmonoxid, Teer und Reizgase ihre Wirkung entfaltet haben. Den Beweis dafür liefern jedes Jahr die Ergebnisse des Zwölfminutenlaufes bei den Rekrutenprüfungen, wo Nichtraucher durchschnittlich 240 Meter weiter rennen als Raucher.
  • dass Sie nicht möchten, dass Ihr Kind raucht, aber nicht beabsichtigen, es dafür zu schelten oder zu bestrafen, falls es rauchen sollte. Betonen Sie, dass Ihnen die Unabhängigkeit Ihres Kindes von Sucht erzeugenden Stoffen wichtig ist und dass Sie ihm helfen wollen, nie regelmässig zu rauchen.

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Abmachungen treffen...

...dass Sie ein konkretes Angebot vorschlagen, das zum Beispiel so aussieht:

  • Die ersten drei Zigaretten im Leben Ihres Kindes sind kein Gesprächsthema.
  • Ab der vierten gerauchten Zigarette wird mit den Eltern darüber gesprochen.

Dieses Gespräch könnte beinhalten:

  • Warum wurde die Zigarette geraucht?
  • Von wem wurde sie angeboten?
  • Hat das Kind gerne ja gesagt, oder wurde es zum Ja-Sagen gedrängt?
  • Hat die Zigarette schon geschmeckt?
  • Hat das Kind Angst vor weiteren aufgedrängten Zigaretten?
  • Wie können Situationen gemieden werden, wo geraucht werden "muss"?
  • Würde es etwas bringen, den Lehrer zu informieren, wenn in der Schule geraucht wird; den Nachbarn, wenn Nachbarskinder die Zigaretten angeboten haben; den Jugendsportleiter, wenn's dort passiert ist?
  • Beabsichtigt das Kind, selber ein Päckchen zu kaufen, um seinerseits anbieten zu können?
  • Hat das Kind das Gefühl, es werde in zwei Jahren noch rauchen?
  • Ist das Kind bereit, zusammen mit den Eltern ein Rauchprotokoll zu führen, damit eine Abhängigkeitsentwicklung frühzeitig erkannt wird und vermieden werden kann?

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Unterstützung statt Moralpredigt

Wenn Sie Ihrem Kind bloss sagen, Rauchen sei schlecht, oder Sie würden es verbieten, dann ist das keine Information, aus der Ihr Kind einen Sinn sieht, sondern blosse Schikane und Grund zur Opposition.

Wenn Sie eine klare Begründung geben, weshalb Sie Ihr Kind vor dem Rauchen bewahren wollen, dann kann es Vertrauen fassen und Ihre Hilfe und Unterstützung zur Vorbeugung einer Abhängigkeit annehmen. Gehen Sie moralisch wertfrei ans Thema heran, betrachten Sie Ihre Unterstützung zur Erhaltung der Rauchfreiheit Ihres Kindes als reine Arbeit mit dem Ziel, eine Abhängigkeit zu vermeiden.

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