Zigarettenwerbung

Für ein Werbeverbot bezüglich Tabakwaren sprechen gute Gründe. In der Schweiz darf weder in Radio noch Fernsehen für Tabak geworben werden. Doch abgesehen davon verfügt die Tabakindustrie weiterhin über zahlreiche Werbemöglichkeiten. Das trifft besonders zu auf das Sponsoring von kulturellen und sportlichen Veranstaltungen.

Situation in der Schweiz

1964 beschloss der Bundesrat ein Werbeverbot für Tabakprodukte in Radio und Fernsehen. Weitere Einschränkungen verfügte er in der Tabakverordnung. "Werbung für Tabakerzeugnisse und für Raucherwaren mit Tabakersatzstoffen, die sich speziell an Jugendliche unter 18 Jahren richtet, ist untersagt" (Tabakverordnung, Artikel 18). Besonders verboten ist die Werbung unter anderem an Orten, wo sich hauptsächlich Jugendliche aufhalten, und an Kultur-, Sport- oder anderen Veranstaltungen, die hauptsächlich von Jugendlichen besucht werden.

Trotzdem stehen der Tabakindustrie in der Schweiz noch viele Räume für Werbung offen, speziell Kinos ab 20 Uhr für Werbespots. Dazu betreiben Tabakfirmen indirekte Werbung mittels Sponsoring von kulturellen und sportlichen Veranstaltungen allgemeiner Art; sie verkaufen weiter Produkte wie Kleider und Stiefel, die alle Namen und Logo einer Zigarettenfirma tragen, und bieten Dienstleistungen an, etwa Ferien. Nicht zu kurz kommt ferner die unmittelbare Förderung des Verkaufs, beispielsweise mit Aktionen 3 für 2.

In der Debatte um das neue Tabakproduktegesetz setzt sich die "Allianz für ein starkes Tabakproduktegesetz" für ein umfassendes Verbot von Werbung, Promotion und Sponsoring ein.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterTabakproduktegesetz

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Stichhaltige Argumente gegen die Tabakwerbung

  • Der Konsum von Tabakwaren schadet immer der Gesundheit. Jede Art des Tabakkonsums kann Krebs, Herz-Kreislauf-Krankheiten und andere Erkrankungen verursachen. Dies gilt ebenfalls für 'leichte' Zigaretten, Zigarren und Pfeifen. Tabakwaren sind deshalb nicht vergleichbar etwa mit Alkohol oder Autos. In diesen Fällen erhöht erst ein übermässiger Alkoholkonsum oder eine gefährliche Fahrweise das Krankheits- und Todesrisiko.
  • Die Zigarette ist das einzige frei erhältliche Produkt, bei dem die Hälfte der Konsumentinnen und Konsumenten vorzeitig stirbt, wenn sie das Produkt gemäss den Anweisungen der Hersteller brauchen. Von 1000 Personen, die als Jugendliche zu rauchen beginnen und ihr Leben lang weiterrauchen, sterben 250 vor und 250 nach dem 70. Altersjahr an tabakbedingten Krankheiten.
  • Die Freiheit der Konsumentinnen und Konsumenten bleibt bei einem Verbot der Werbung und des Sponsorings für Tabakwaren unangetastet. Denn die Tabakwerbung unterschlägt die zentralen Informationen bezüglich der Folgen des Tabakkonsums, weshalb überhaupt Warnaufschriften auf den Packungen nötig sind. Tabakwerbung ist alles andere als Information.
  • Die Werbewirtschaft arbeitet gut ohne die Einnahmen aus der Tabakwerbung. Seit Ende der 1990er Jahre sind die Ausgaben für Tabakwerbung stark gesunken. 2014 betrug der Anteil der Tabakwerbung an den gesamten Werbeausgaben in der Schweiz nur noch 0,3 Prozent.
  • Das Ziel einer umfassenden Einschränkung der Tabakwerbung ist ein Rückgang des Tabakkonsums. Insgesamt bleibt dieser Rückgang ohne Einfluss auf die Anzahl der Arbeitsplätze. Zum einen ist die Produktion von Tabakwaren hoch automatisiert und beschäftigt verhältnismässig wenige Personen. Zum anderen geben die Konsumentinnen und Konsumenten nach dem Rauchstopp das gesparte Geld für andere Waren und Dienstleistungen aus. Dadurch werden neue Arbeitsplätze geschaffen.

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Sponsoring ohne Tabakindustrie

Sport- und Kulturveranstaltungen sind auch ohne Tabaksponsoring erfolgreich. Dies zeigen prominente Beispiele.

Swiss Indoors ohne Davidoff

Swiss Indoors hat sich auf Ende des Tennisturniers 2010 von der Oettinger Davidoff Gruppe getrennt. Davidoff war seit 1994 Titelsponsor des internationalen Tennisturniers in der "St. Jakobshalle Basel". Die Marke Davidoff steht für noble Zigarren und Zigaretten.

Grund für das Ende des Tabaksponsorings ist der Aufstieg von Swiss Indoors im Jahr 2009 in die World Tour 500 der Association of Tennis Professionals ATP. Seither vertreibt die ATP die weltweiten Fernsehrechte, die Swiss Indoors werden in über 150 Ländern übertragen.

Damit sind auch die Werbeeinschränkungen in den verschiedenen Ländern zu beachten. Im Juni 2010 teilte die ATP mit, sie werde wegen der Werberestriktionen im Tabakbereich das Schweizer Turnier unter dem bisherigen Namen "Davidoff Swiss Indoors" in Europa nicht mehr vermarkten. Ab 2011 geht deshalb die laut Swiss Indoors grösste Sportveranstaltung in der Schweiz ganz ohne Tabakwerbung über die Bühne.

Baloise Session ohne Avo Cigars

Seit 2013 läuft die Baloise Session mit neuen Sponsoren und ohne den früheren Tabaksponsor als erfolgreiches Musikfestival weiter.

Sport frei von Tabak

Weltweit haben von sich aus viele Sportteams und Sportorganisationen auf Tabakgelder verzichtet. So lehnt der Internationale Fussballverband FIFA seit 1987 für all seine Veranstaltungen Sponsorgelder von Tabakfirmen ab.

Anlässlich des Welttags ohne Tabak 2002 haben sich das Internationale Olympische Komitee IOC, der Internationale Fussballverband FIFA und der Internationale Automobilverband FIA mit der Weltgesundheitsorganisation WHO und den US-Centers for Disease Control and Prevention CDC zusammengeschlossen zur Kampagne "Tobacco Free Sports". Das Ziel ist, Sportveranstaltungen grundsätzlich rauchfrei durchzuführen.

In der Schweiz fördert "cool and clean", das Präventionsprogramm im Schweizer Sport, mit dem Wettbewerb "Sport rauchfrei" die Einführung von rauchfreien Vereinslokalen und rauchfreien Trainings und Wettkämpfen sowie den Verzicht auf finanzielle Unterstützung durch Tabakfirmen. Teilnehmen können sowohl Vereine als auch Teams. 2015 sind Bargeldpreise von insgesamt über 75'000 Franken zu gewinnen. "Sport rauchfrei" ist der grösste Wettbewerb im Schweizer Sport. Die Trägerschaft von "cool and clean" besteht aus Swiss Olympic, dem Bundesamt für Sport und dem Bundesamt für Gesundheit.

Öffnet externen Link in neuem FensterWettbewerb "Sport rauchfrei"

Geschäft oder Gesundheit

Hinter dem Sponsoring von Sportveranstaltungen durch Tabakunternehmen stehen seit langem handfeste finanzielle Interessen. Dies belegt unter anderem folgendes interne Dokument des Tabakkonzerns R.J. Reynolds Tobacco Company von 1989. "Wir sind im Zigarettengeschäft. Wir sind nicht im Sportgeschäft. Wir nutzen den Sport als eine Möglichkeit, um für unsere Produkte zu werben. Wir können in einen Bereich gehen, wenn wir eine Veranstaltung bewerben. Wir können die Verkäufe während des Events messen und die Verkäufe nach dem Event messen und einen Anstieg der Verkäufe feststellen."

In der Schweiz beteiligt sich die Tabakindustrie heute hauptsächlich an der Finanzierung von Musikfestivals. Trotzdem werden auch Sportveranstaltungen von der Tabakindustrie gesponsert, wie das Projekt zur Beobachtung der Marketingstrategien für Tabakprodukte im Jahr 2013 für die Romandie ergeben hat.

Öffnet externen Link in neuem FensterMarketingstrategien für Tabakprodukte
Die Jugendlichen sind die wichtigste Zielgruppe der Tabakindustrie

Mit dem Sponsoring von Sportanlässen verfolgen die Tabakkonzerne eine äussert wirksame Werbestrategie. Sie setzen Kinder und Jugendliche immer wieder der Zigarettenwerbung aus und betonen gleichzeitig, die Tabakwaren seien nur etwas für Erwachsene. Dies ist der beste Weg, Zigaretten bei Jugendlichen zu stark begehrten Produkten zu machen.

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Quellen

World Health Organization, World No Tobacco Day 2002: Tobacco Free Sports - Play it Clean, Opens external link in current windowwww.who.int/tobacco/communications/events/wntd/2002/en/index.html.

CIPRET-Vaud, Projekt zur Beobachtung der Marketingstrategien für Tabakprodukte in der französischen Schweiz, 2013–2014. Studienergebnisse, 2015 Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.beobachtung-marketing-tabak.ch.

Herausgeberin: Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz
Text: Nicolas Broccard
Stand: Oktober 2015

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