Tabakkonsum und Volkswirtschaft

(at) Der Tabakkonsum belastet die Volkswirtschaft mit hohen Kosten. Um die Nachfrage nach Tabakwaren zu senken, ist die Erhöhung der Tabaksteuer eine der wirksamsten Massnahmen. Wenn Tabakwaren viel kosten, wird weniger geraucht.

Wie hoch sind die sozialen Kosten des Tabakkonsums?

Die durch das Rauchen hervorgerufenen Gesundheitsschäden verursachen jährlich Gesamtkosten von rund 10 Milliarden Franken. Ein Forschungsteam der Universität Neuenburg hat die sozialen Kosten für das Jahr 2007 berechnet:

  • direkte Kosten 1'733 Millionen (ärztliche Behandlung, Medikamente, Spital)
  • indirekte Kosten 3'929 Millionen (verlorene Arbeitskraft, Invalidität, Mortalität)
  • immaterielle Kosten 4'272 Millionen (Bewertung anhand der Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen).

In diesen Zahlen sind die Auswirkungen des Passivrauchens nicht berücksichtigt.

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Hohe Tabaksteuer senkt den Konsum

Die Erhöhung der Tabaksteuer ist eine der wirksamsten Massnahmen zur Tabakprävention, erklärt die Weltgesundheitsorganisation. Aber um die Nachfrage nach Tabakwaren zu reduzieren, müssen die Preisaufschläge im Portemonnaie spürbar sein. Grosse Preiserhöhungen bewirken besonders bei Personen mit kleinem Einkommen einen Rückgang des Tabakkonsums. Zugleich fangen weniger Jugendliche zu rauchen an. Steigt der Verkaufspreis um zehn Prozent, sinkt die Nachfrage durchschnittlich um rund vier Prozent.

Doch der Bundesrat hat bisher die Tabaksteuer nur in kleinen Schritten hinaufgesetzt, sodass der Verkaufspreis jeweils deutlich weniger als zehn Prozent zunahm. Zum letzten Mal erhöhte der Bundesrat die Steuer am 1. April 2013, der Verkaufspreis stieg um 10 Rappen. Damit hat er seine bisherige Kompetenz für die Tabakbesteuerung ausgeschöpft. Seit der letzten Erhöhung der Kompetenz im Jahr 2003 hat er die Tabaksteuer sechsmal um insgesamt Fr. 1,70 angehoben.

Ein Vergleich mit der Preispolitik der Tabakkonzerne macht deutlich, dass kleine Aufschläge dem Geschäft mit Tabakwaren keineswegs schaden. Die Tabakkonzerne verteuerten von 2003 bis Februar 2014 ihren Anteil elfmal in kleinen Schritten um gesamthaft Fr. 1,90. In dieser Zeitspanne ging der Detailhandelspreis der meistverkauften Marke zu 53 Prozent auf das Konto der Tabakindustrie und zu 47 Prozent auf das Konto des Bundes.

Würde der Bundesrat seine Politik der kleinen Schritte fortsetzen, würde er damit nichts zur Senkung des Tabakkonsums beitragen. Aus Sicht der Gesundheitspolitik soll der Bundesrat diese Politik aufgeben und in Zukunft die Tabaksteuer in grossen Schritten von mindestens zehn Prozent erhöhen. Die Tabaksteuer fliesst vollständig in die Kasse der AHV und IV.

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Hohe Marge beim Verkaufspreis

In der Schweiz verdienen die Tabakproduzenten und der Handel besonders viel. Das zeigt ein Vergleich der Marge von Produktion, Vertrieb und Handel am Detailhandelspreis für eine Packung der meistverkauften Marke in der Schweiz und den Nachbarländern.

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Der Verkaufspreis spielt eine untergeordnete Rolle beim Schmuggel

Der illegale Handel mit Zigaretten ist in den Ländern am höchsten, in denen die Zigaretten billig sind und der Schmuggel auf keine grossen Hindernisse stösst. Dies belegt eine Studie der Internationalen Union gegen Tuberkulose und Lungenkrankheiten.

Länder mit hohem Einkommen, in denen die Zigaretten teurer sind, weisen einen tieferen Marktanteil von illegalen Zigaretten auf als Länder mit mittlerem oder tiefem Einkommen, in denen die Zigaretten billiger sind.

Den höchsten Marktanteil an illegalen Tabakwaren hat Georgien mit 50 Prozent, gefolgt von Usbekistan, Bosnien-Herzegowina, Albanien und Bolivien mit einem Anteil von 40 oder mehr Prozent.

Aus dieser Studie ergeben sich folgende Schlüsse:

  • Unterschiedliche Preisniveaus zwischen Ländern können im Grenz- und Tourismusverkehr den Schmuggel im kleinen Umfang durch Einzelpersonen oder kleine Banden beleben. Solche Veränderungen haben nur einen geringen Einfluss auf die Einnahmen der Tabaksteuer.
  • Ins Gewicht fällt hingegen der weltweite Schmuggel im grossen Umfang. Hier spielen Faktoren wie informelle Vertriebswege, organisierte Kriminalität, Beteiligung der Tabakindustrie und Korruption eine grössere Rolle als die Preisniveaus. Die Verluste für die Tabaksteuer sind erheblich.

In der Schweiz fehlen die Voraussetzungen für einen Schmuggel im grossen Umfang. Weder ist die Korruption weit verbreitet noch wird der Verkauf geschmuggelter Zigaretten geduldet. Deshalb ist die Annahme unbegründet, Erhöhungen der Tabaksteuer um zehn Prozent oder mehr würden zu einem Aufschwung des Zigarettenschmuggels führen.

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Wie hoch ist der Steueranteil bei Zigaretten?

Stand: 01.05.2015

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Wie viel nimmt die Bundeskasse bei der Tabaksteuer ein?

Jahr Millionen Franken
1995 1333
2000 1691
2001 1802
2002 1652
2003 1756
2004 2040
2005 2051
2006 2161
2007 2186
2008 2186
2009 1987
2010 2356
2011 2208
2012 2397
2013 2295
2014 2257
2015 2198

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Die Tabaksteuer dient vollumfänglich der Finanzierung der Alters- und Hinterlassenenversicherung AHV und der Invalidenversicherung IV.

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Wieviele Minuten müssen Rauchende arbeiten, um ein Päckchen Zigaretten kaufen zu können?

Land Zeit in Min.
Ungarn 45
Norwegen 39
Polen 37
Türkei 36
Grossbritanien 36
Portugal 34
Frankreich 32
Irland 30
Italien 29
Schweden 28
Belgien 25
Griechenland 24
Deutschland 23
Finnland 23
Niederlande 21
Österreich 21
Dänemark 21
Russland 17
Spanien 15
Schweiz 14
Luxemburg 14

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Quellen

Sylvie Fueglister-Dousse, Claude Jeanrenaud, Dimitri Kohler, Joachim Marti, Coûts et bénéfices des mesures de prévention de la santé: Tabagisme et consommation excessive d’alcool, Neuchâtel, octobre 2009

World Health Organization, World No Tobacco Day 2014: Raise taxes on tobacco, Öffnet externen Link im aktuellen Fensterwww.who.int/campaigns/no-tobacco-day/2014/en/.

Bundesamt für Gesundheit, Tabaksteuer (Stand 23.4.2014, Eurokurs: 1,234), Öffnet externen Link im aktuellen Fensterwww.bag.admin.ch > Themen > Alkohol, Tabak, Drogen > Tabak > Regulierung > Tabaksteuer.

Luk Joossens, David Merriman, Hana Ross, Martin Raw, How Eliminating the Global Illicit Cigarette Trade Would Increase Tax Revenue and Save Lives, International Union Against Tuberculosis and Lung Disease, Paris 2009, Öffnet externen Link im aktuellen Fensterwww.worldlungfoundation.org.

Oberzolldirektion, Öffnet externen Link im aktuellen Fensterwww.ezv.admin.ch > Information Firmen > Steuern und Abgaben > Einfuhr in die Schweiz > Tabaksteuer.

Evan Blecher, Corné van Walbeek, An Analysis of Cigarette Affordability, Paris: International Union Against Tuberculosis and Lung Disease 2008, Öffnet externen Link im aktuellen Fensterwww.worldlungfoundation.org.

Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz
Stand: April 2015