Die Tabakindustrie mogelt

Alle Welt weiss, dass Passivrauchen der Gesundheit schadet. Einzig die Tabakindustrie tut so, als hätten Präventionsfachleute sich die Sache mit dem Passivrauchen bloss aus den Fingern gesogen.

Menschen, die über längere Zeit hinweg unfreiwillig Tabakrauch einatmen, leiden häufiger unter Atembeschwerden, Bronchitis und Asthma. Die Schweizer Studie über Umweltbelastungen und Atemwegserkrankungen bei Erwachsenen SAPALDIA lieferte dafür 1993 den hieb- und stichfesten Beleg. Zudem verursacht Passivrauchen Lungenkrebs.

Trotz der erdrückenden Beweislage streut die Tabakindustrie bis heute Zweifel. Das Motiv, warum die Tabakindustrie das Passivrauchen massiv verharmlost, liegt auf der Hand. Gesetzliche Massnahmen zum Schutz der Nichtrauchenden sind schlecht für das einträgliche Geschäft mit der Zigarette.

Die Tabakindustrie greift deshalb immer wieder tief in die Mogelkiste. Natürlich glaubt kein Mensch etwa Philip Morris, wenn der Tabakmulti von der Harmlosigkeit des Passivrauchens redet. Also schieben Philip Morris und andere Tabakfirmen scheinbar unabhängige Wissenschaftler vor. Diese erledigen dann die Arbeit für die Tabakmultis. Die Aufgabe ist stets diesselbe: in der Öffentlichkeit Verwirrung stiften.

Mann der Tabakindustrie

Ein Mann, der sich in diesem Geschäft auskennt, ist Ragnar Rylander. Seit anfangs der 1970er Jahre steht der Wissenschaftler gegen grosszügige Entlöhnung im Solde von Philip Morris. Schon damals war allen Wissenschaftlern bei Philip Morris klar, dass aktives wie passives Rauchen Krebs und weitere Krankheiten verursacht. Doch in der Öffentlichkeit leugnete Philip Morris, dass Rauchen krank macht. Rylander beteiligte sich aktiv an dieser Politik der Verleugnung.

Noch 1999 behauptete Rylander allen Ernstes in einer angesehenen Fachzeitschrift, bei Nichtraucherinnen, die mit Rauchern zusammenleben, würden schlechte Ess- und Trinkgewohnheiten für die Gesundheitsschäden in Frage kommen, die in Tat und Wahrheit auf das Konto Passivrauchen gehen. Nicht die Giftstoffe des Tabakqualms, sondern ein zu kleiner Konsum von Früchten und Gemüse sowie ein zu grosser Konsum von Kaffee und Alkohol würden Lungenkrebs auslösen.

Interessenkonflikt verheimlicht

Ohne rot zu werden erklärte Rylander ausserdem in seinem Begleitschreiben an den Herausgeber der Fachzeitschrift: "Kein Teil dieser Forschungsarbeit ist finanziert worden durch Geldquellen, die zu einem Interessenkonflikt führen könnten." Den Artikel Rylanders hatte aber das sogenannte Zentrum für Innenluftforschung finanziert (Center for Indoor Air Research CIAR). Gegründet wurde diese Organisation 1991 von den drei Tabakmultis R.J. Reynolds, Lorillard und Philip Morris. Gemäss Fachleuten für Tabakprävention dient das Zentrum der Desinformation. Die Finanzierung durch das CIAR führt zu einem klaren Interessenkonflikt.

Bereits in einer früheren Arbeit über Atemwegsinfektionen bei Kindern war Rylander sorglos vorgegangen. Nach Besprechungen mit Philip Morris veränderte Rylander die ursprünglichen Daten und kam danach zum Schluss, zwischen Passivrauchen und Atemwegsinfektionen bei Kindern würde kein Zusammenhang bestehen. Dabei hatte die Schweizer Studie über Atemwegsbeschwerden und Allergien bei Schulkindern SCARPOL den schädlichen Einfluss des Passivrauchens auf die Gesundheit von Kindern zweifelsfrei nachgewiesen; raucht die Mutter, erkranken Kinder häufiger an pfeifender Atmung, wiederholtem Husten und Infektionen der Atemwege.

Ans Tageslicht kam Rylanders Tätigkeit für Philip Morris im März 2001. Auf ihrer Website haben die zwei Genfer Präventionsorganisationen CIPRET-Genève und OxyGenève Ragnar Rylander vorgeworfen, dass er die schädlichen Auswirkungen des Passivrauchens auf die Gesundheit vertuscht hat.

Pascal Diethelm von OxyGenève und Jean-Charles Rielle von CIPRET sind Rylander auf die Schliche gekommen, als sie geheime Dokumente der Tabakindustrie ausgewertet haben. 1998 hat ein US-Gericht verfügt, dass die Tabakindustrie rund 40 Millionen geheime Dokumente öffentlich zugänglich machen muss.

Konsequenzen ziehen

Ragnar Rylander verklagte die beiden Präventionsfachleute wegen übler Nachrede. Doch Ende April 2003 entschied das Bundesgericht in Lausanne zugunsten der Tabakprävention und entlastete Pascal Diethelm und Jean-Charles Rielle von jeglichem Vorwurf. Rylanders Manipulation wissenschaftlicher Daten darf also laut und deutlich als "beispielloser wissenschaftlicher Betrug" an den Pranger gestellt werden.

Bereits früher hat die Universität Genf die Konsequenzen gezogen. Die Universitätsleitung empfiehlt den Mitgliedern der Universität, von der Tabakindustrie kein Geld mehr anzunehmen. Zukünftig wird die Universität den Einsatz privater Forschungsgelder verstärkt kontrollieren.

Mehr Informationen dazu auf der Website www.prevention.ch. Da finden sich die wichtigen Dokumente über Rylander sowie Links zu weiteren Websites.

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