E-Zigaretten

(at) Auch in der Schweiz läuft eine Debatte über die gesetzliche Regelung von elektronischen Zigaretten. Soll auch der Verkauf von nikotinhaltigen E-Zigaretten zugelassen werden? «Ja» sagt der Bundesrat in seinem Vorentwurf zum neuen Bundesgesetz über Tabakprodukte. Aus Sicht der Tabakprävention aber bleiben mehrere Fragen offen.

Die Zulassung von nikotinhaltigen E-Zigaretten mit bestimmten gesetzlichen Anforderungen im freien Handel kann eine Falle für die Tabakprävention sein:

  • Für junge Leute könnte der Konsum von E-Zigaretten ein Einfallstor in die Nikotinabhängigkeit sein und nach und nach zum Konsum herkömmlicher Zigaretten führen.
  • Das rauchfreie Leben hat sich als Norm durchgesetzt, das Rauchen wird zunehmend als ausserhalb der Norm angesehen. Durch eine Verbreitung des E-Rauchens in der Öffentlichkeit würde allgemein das Rauchen wieder als eine normale Sache erscheinen.
  • Bei den Raucherinnen und Rauchern könnte die Verwendung von E-Zigaretten einen Rauchstopp hinauszögern.

Tatsächlich läuft die Entwicklung in diese Richtung, wie eine Analyse aus Grossbritannien zeigt. Werbung und Sponsoring stellen E-Zigaretten als Lifestyleprodukte hin, die direkt junge Menschen ansprechen. Doch beim Konsum einer E-Zigarette lernen junge Menschen zugleich das Rauchritual und werden mit der Idee "Ich kann mir über die Lungen Nikotin zuführen" vertraut.

Die Werbung sowie die Promotion an den Verkaufsstellen lassen sich missverstehen als Promotion für Tabakwaren. Auch fördern verschiedene Hersteller den doppelten Gebrauch von Tabakzigaretten und E-Zigaretten. Dies unterläuft eine zentrale Massnahme der Tabakprävention: die Motivation zum Rauchstopp.

Ausserdem drängen die Tabakkonzerne immer stärker in den E-Zigaretten-Markt vor. Die Konzerne stellen die E-Zigaretten als Mittel zur Schadensreduktion hin und benützen das Argument der Schadensreduktion, um Verbindungen aufzubauen zu Gesundheitsorganisationen und Gesundheitspolitikerinnen und -politikern. Dieses Vorgehen verwischt den grundlegenden Konflikt zwischen den Zielen der Gesundheitspolitik und den kommerziellen Interessen der Tabakkonzerne.

Was sind E-Zigaretten?

Elektronische oder elektrische Zigaretten (abgekürzt E-Zigaretten) sind Geräte zur Abgabe von Nikotin. Der Handel bietet auch E-Zigaretten ohne Nikotin an. Die Geräte bestehen aus mehreren Bestandteilen:

  • aufladbare Batterie,
  • elektronischer Verdampfer,
  • austauschbare Patrone oder Nachfüllpatrone und Mundstück.

Die Patrone beinhaltet in der Regel eine Flüssigkeit (Liquid) aus Nikotin, Aromastoffen, Wasser und einem Lösungsmittel (Propylenglycol: Lebensmittelzusatzstoff E 1520, und/oder Glyzerin Lebensmittelzusatzstoff E 422). Häufig werden die Aromen Tabak, Pfefferminze, Fruchtgeschmack, Kaffee, Vanille oder Schokolade verwendet.

Der Verdampfer wird mit Strom aus der Batterie betrieben. Beim Inhalieren wird das Gerät aktiviert. Im Verdampfer wird Flüssigkeit aus der Patrone erhitzt. Beim Einatmen des Dampfes (Aerosol) gelangen Nikotin und Aromastoffe in die Lunge. Entsprechend den verschiedenen Rauchgewohnheiten gibt es Patronen mit höherem oder tieferem Nikotingehalt.

Die Produktion von E-Zigaretten begann 2005 in China. Bis 2014 ist dieser Markt global auf 3 Milliarden US-Dollar angewachsen und umfasst über 450 Marken.

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Wissensstand: Gesundheitsgefährdung?

Wissenschaftliche Nachweise zur Sicherheit von E-Zigaretten fehlen noch weitgehend. Vor allem über die langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheitsrisiken von Konsumentinnen und Konsumenten lässt sich kaum etwas aussagen.

E-Zigaretten weichen bezüglich Produktsicherheit und Nikotingehalt stark voneinander ab. Viele Hersteller verzichten auf eine Deklaration aller Inhaltsstoffe. Besonders beim Kauf über das Internet ist die Produktesicherheit oft ungenügend. Zwar ist die Qualität neuerer Produkte besser geworden. Für Konsumierende ist es aber manchmal unmöglich herauszufinden, was in den gekauften Produkten tatsächlich drin ist.

Die Gesundheitsgefährdung ist für Tabakraucherinnen und -raucher, Nichtrauchende sowie dem Passivrauchen ausgesetzte Personen unterschiedlich zu beurteilen:

Raucherinnen und Raucher
Der Wechsel von Tabakzigaretten zu E-Zigaretten ermöglicht Rauchenden, die Exposition gegenüber den Schadstoffen zu vermeiden, die bei der Verbrennung von Tabak entstehen. Deshalb halten Rauchende diese Produkte zu Recht für weniger schädlich als Tabakzigaretten.

Nichtrauchende
Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung verwies in seiner Stellungnahme von 2013 auf mögliche Risiken von E-Zigaretten:

  • Die Aufnahme von Nikotin durch Inhalation erhöht unter anderem den Blutdruck und den Herzschlag und bewirkt eine stärkere Belastung von Herz und Kreislauf. Sowohl zu kurz- als auch langfristigen Folgen auf das Herz-Kreislauf-System mangelt es an aussagekräftigen Forschungsarbeiten.
  • Bei Nichtrauchenden kann der Konsum von E-Zigaretten zu einer Nikotinabhängigkeit führen.
  • Auch die Inhalation weiterer Inhaltsstoffe des Liquids ist ein mögliches Gesundheitsrisiko. So ist über die Langzeitfolgen einer chronischen Exposition gegenüber Propylenglycol wenig bekannt.

Passivrauchen
Eine Gefährdung anderer Personen durch den Konsum von E-Zigaretten ist nach aktuellem Wissensstand nicht auszuschliessen. Denn bisher fehlen zuverlässige Daten, in welchen Mengen Inhaltsstoffe nach dem Inhalieren wieder ausgeatmet werden und die Raumluft belasten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt daher, in geschlossenen öffentlichen Räumen E-Zigaretten gleich wie Tabakzigaretten zu behandeln und den Konsum von E-Zigaretten wie das Tabakrauchen zu untersagen.

Auch das Deutsche Krebsforschungszentrum vertritt die Ansicht, dass die Massnahmen zum Schutz vor Passivrauchen (wie von der internationalen Rahmenkonvention der Weltgesundheitsorganisation über die Tabakkontrolle gefordert) auf E-Zigaretten anzuwenden sind. Ebenso befürwortet die Eidgenössische Kommission für Tabakprävention in ihrer Stellungnahme von Mai 2014, im Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen und den ergänzenden kantonalen Gesetzgebungen die E-Zigaretten gleich zu regeln wie die Tabakzigaretten.

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Wissensstand: Eignen sich E-Zigaretten für die Tabakentwöhnung?

Nikotinhaltige Medikamente haben sich zur Rauchentwöhnung als wirksam erwiesen. Für eine Empfehlung der E-Zigarette als wirksames Mittel zum dauerhaften Aufhören mit Rauchen fehlen bisher wissenschaftliche Studien.

Trotzdem könnte auch die E-Zigarette zur Rauchentwöhnung in Frage kommen. Bei den heute zugelassenen nikotinhaltigen Medikamenten erfolgt die Aufnahme von Nikotin durch die Mundschleimhaut oder die Haut. Bei der E-Zigarette hingegen gelangt das Nikotin über die Lunge in den Körper. Sie ermöglicht eine schnellere Zufuhr von Nikotin und wäre deshalb womöglich wirksamer als nikotinhaltige Medikamente. Zudem verschafft die E-Zigarette, ähnlich wie die Zigarette, im Hals den sogenannten «Throat-Hit» (das starke Gefühl, wenn der Tabakrauch oder der Dampf in Kehle und Lunge eindringt).

Voraussetzung für einen Einsatz der E-Zigarette in der Rauchentwöhnung ist aber, dass Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit der E-Zigarette gewährleistet sind.

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Wie sind E-Zigaretten in der Schweiz geregelt?

Die bisherigen gesetzlichen Bestimmungen für E-Zigaretten sollen in der Schweiz geändert werden. Der Bundesrat schlägt in seinem Vorentwurf zum neuen Tabakproduktegesetz von Mai 2014 diesbezüglich Folgendes vor: Produkte ohne Tabak, die wie Tabakprodukte verwendet werden und die zum Inhalieren bestimmte nikotinhaltige Substanzen freisetzen, sind den Tabakprodukten gleichzustellen. Neu dürfen also auch E-Zigaretten mit Nikotin in den Handel gebracht werden. Sie dürfen keine gesundheitsgefährdenden Stoffe enthalten und nicht an Personen unter 18 Jahren abgegeben werden. Zudem soll der Konsum von E-Zigaretten in geschlossenen öffentlichen Räumen nicht mehr erlaubt sein. Mit diesem Vorschlag orientiert sich der Bundesrat an der neuen EU-Richtlinie über Tabakerzeugnisse (siehe unten).

Über den gegenwärtigen Stand der Regulierung von E-Zigaretten informierte das Bundesamt für Gesundheit im September 2010:

  • E-Zigaretten mit Nikotin unterstehen dem Lebensmittelgesetz und dürfen in der Schweiz nicht in den Handel gebracht werden.
  • Auch E-Zigaretten ohne Nikotin fallen unter das Lebensmittelgesetz. Wer solche Produkte in den Handel bringen will, muss sicherstellen, dass die Produkte für die Gesundheit unbedenklich sind.
  • E-Zigaretten mit Nikotin, die zur Rauchentwöhnung angepriesen werden, gelten als Arzneimittel und unterstehen dem Heilmittelgesetz. Arzneimittel müssen von der Schweizerischen Arzneimittelbehörde swissmedic zugelassen werden.
  • Zum Eigengebrauch fallen E-Zigaretten mit oder ohne Nikotin nicht unter das Lebensmittelgesetz. Als zulässig für den Eigengebrauch gilt gemäss Bundesamt für Gesundheit für einen Zeitraum von 60 Tagen die Einfuhr von 150 Nachfüllpatronen oder 150 Millilitern Nachfüllflüssigkeit mit Nikotin. Die Einfuhr von Nachfüllpatronen oder Nachfüllflüssigkeit ohne Nikotin ist unbeschränkt möglich.

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Frei von Tabakwerbung

Diese Lockerung gegenüber der heutigen Situation darf nicht dazu führen, dass die Erhältlichkeit nikotinhaltiger E-Zigaretten sich für Kinder und Jugendliche zur Eingangspforte in die Nikotinsucht entwickelt. Aus Sicht der Tabakprävention müssen folglich E-Zigaretten sowohl mit Nikotin als auch ohne Nikotin wie die anderen Tabakprodukte strengen Bestimmungen unterliegen.

Im Vorentwurf zum Tabakproduktegesetz werden die E-Zigaretten ausdrücklich den Tabakwaren gleichgestellt. Das heisst, das Werbeverbot in Radio und Fernsehen von 1964 wird ebenfalls die E-Zigaretten betreffen. Doch die weiteren im Vorentwurf vom Bundesrat vorgeschlagenen Massnahmen hinsichtlich der Vermarktung gehen zuwenig weit. Das neue Gesetz soll für Tabakprodukte ein umfassendes Werbe-, Promotions- und Sponsoringverbot einführen. Notwendig sind unter anderem ein Verbot der Werbung am Verkaufsort und ein Verbot der Verkaufsförderung durch Rabatte. Das Sponsoringverbot soll für alle Veranstaltungen gelten und nicht nur, wie der Bundesrat möchte, für jene mit internationalem Charakter.

Product-Placement
Bereits sind in US-Filmen scheinbar beiläufig E-Zigaretten zu sehen. Mit solchem Product-Placement ist schon in Schweizer Kinos Werbung für E-Zigaretten gemacht worden, etwa im US-Film "Cymbeline". In den USA haben sich die fünf grössten Tabakkonzerne 1998 im Master Settlement Agreement unter anderem verpflichtet, auf Product-Placement in Filmen und anderen Medien zu verzichten. Aber diese Vereinbarung erstreckt sich nicht auf E-Zigaretten. Unterdessen haben die Tabakkonzerne kleinere E-Zigaretten-Firmen aufgekauft und werden ihre E-Zigaretten-Marken auch über Product-Placement in Filmen bewerben.

Die 10- bis 20-Jährigen schauen mehr Filme an als jede andere Altersklasse. Untersuchungen zu Tabakszenen in Filmen belegen: Je mehr Tabakszenen Jugendliche in Filmen sehen, desto eher probieren sie Zigaretten aus. Bei Filmszenen mit E-Zigaretten in der Hand von Filmstars wird die Wirkung auf Jugendliche vermutlich ähnlich sein.

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Schweizer Expertinnen und Experten befürworten Zulassung von E-Zigaretten mit Nikotin

Die Medizinische Poliklinik des Universitätsspitals Lausanne CHUV führte zwischen September 2013 und Februar 2014 eine Delphistudie über E-Zigaretten unter 40 Fachleuten der Tabakprävention aus allen Landesteilen durch.

Die Expertinnen und Experten sind sich einig, dass in der Schweiz der Markt für E-Zigaretten zu liberalisieren ist. Neu sollen im Handel ebenfalls E-Zigaretten mit Nikotin erhältlich sein. Nötig ist aber ein klarer gesetzlicher Rahmen:

  • Verkauf nur an Erwachsene,
  • strenge Sicherheits- und Qualitätsanforderungen an die Produkte,
  • Begrenzung der zugelassenen Inhaltsstoffe,
  • Begrenzung des maximalen Nikotingehalts,
  • Einschränkung der Werbung,
  • Abgabe für die Forschung über die E-Zigarette.

Zudem sind in geschlossenen öffentlichen Räumen E-Zigaretten mit den herkömmlichen Zigaretten gleichzustellen und der Konsum von E-Zigaretten zu untersagen.

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Wie sind E-Zigaretten in der EU geregelt?

Am 19. Mai 2014 trat in der EU die neue Richtlinie über Herstellung, Aufmachung und Verkauf von Tabakerzeugnissen in Kraft. Die Richtlinie legt in Artikel 21 die Rechtsvorschriften für E-Zigaretten und Nachfüllbehälter fest:

  • Der Nikotingehalt darf maximal 20 mg Nikotin pro ml Flüssigkeit betragen.
  • Die E-Zigaretten haben strenge Sicherheits- und Qualitätsanforderungen zu erfüllen.
  • Die Packungen müssen mit Warnhinweisen und vollständigen Inhaltsangaben versehen sein. Werbewirksame Bezeichnungen sind unzulässig.
  • Ferner sind die Hersteller verpflichtet, den Behörden der Mitgliedstaaten jährlich Bericht zu erstatten über Verkaufszahlen, die Gruppenzusammensetzung der Konsumentinnen und Konsumenten und deren Vorlieben und Trends.

Werden E-Zigaretten als Hilfsmittel für den Rauchstopp angepriesen, sind sie den Arzneimitteln zuzurechnen und müssen den Bedingungen für Arzneimittel gemäss der Richtlinie über Humanarzneimittel von 2001 (Richtlinie 2001/83/EG) gerecht werden und ein positives Risiko-Nutzen-Verhältnis aufweisen.

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Welche Regelungen schlägt die WHO vor?

An der 6. Konferenz der Vertragsparteien der WHO-Rahmenkonvention über die Tabakkontrolle Mitte Oktober 2014 in Moskau waren auch elektronische Zigaretten ein Traktandum (englisch Electronic nicotine delivery systems ENDS beziehungsweise Electronic non-nicotine delivery systems ENNDS). Dazu veröffentlichte die WHO einen Bericht und empfahl vor allem folgende Massnahmen:

  • Gesundheit: Hersteller und Handel dürfen Aussagen zu Tabakentwöhung und gesundheitlicher Verträglichkeit nur machen aufgrund wissenschaftlicher Studien und einer diesbezüglichen Zulassung durch die Behörden. Die bisherigen Studien erlauben keine allgemeine Empfehlung von E-Zigaretten zum Rauchstopp.
  • Schutz: Der Konsum von E-Zigaretten in geschlossenen öffentlichen Räumen ist zu untersagen entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutz vor Passivrauchen gemäss Artikel 8 der WHO-Rahmenkonvention.
  • Werbung: Der Gesetzgeber soll wirksame Einschränkungen erlassen zu Werbung, Promotion und Sponsoring von E-Zigaretten.
  • Interessenkonflikt: Artikel 5.3 der WHO-Rahmenkonvention gilt auch für E-Zigaretten. Bei den gesundheitspolitischen Massnahmen sind die Anliegen von Public Health zu schützen vor dem wachsenden Interesse der Tabakindustrie am Markt der E-Zigaretten.

Aufgrund dieses WHO-Berichts beschlossen die Vertragsparteien, dass die einzelnen Parteien in erster Linie Werbung, Promotion, Sponsoring verbieten oder einschränken sowie die E-Zigaretten mit dem Ziel eines hohen Schutzes der menschlichen Gesundheit gesetzlich regeln sollen.

Quellen

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Herausgeberin: Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz
Text: Nicolas Broccard
Stand: Februar 2015