Kurzintervention
Für das Gespräch über das Rauchen eignet sich die sogenannte Kurzintervention. Bei der Kurzintervention handelt es sich um ein semi-strukturiertes Gespräch in fünf Schritten. Das Ziel ist dabei nicht zwingend der Rauchstopp, sondern erstens die Evaluation des Aufhörwunsches und zweitens die Erhöhung der Motivation zum Rauchstopp.
Wenn jemand aufgrund dieser Intervention ein ausführliches Gespräch zum Rauchstopp wünscht, sprengt dies dann oft den (zeitlichen, finanziellen) Rahmen und es ist sinnvoll, den Raucher oder die Raucherin für die weitere Beratung an eine spezielle Raucherberatungsstelle weiter zu weisen.
1. Rauchen Sie?
In einem ersten Schritt wird ganz einfach nach dem Rauchstatus gefragt.
Bei Rauchern ist in den Unterlagen oft die Bezeichnung "pack years" (oder py) zu finden. Dies ist eine Einheit, die Auskunft gibt über die Anzahl Zigaretten, die jemand bisher geraucht hat. Dabei wird die Zahl der täglich konsumierten Zigarettenpäckchen mit der Anzahl Raucherjahre multipliziert. Beispiel: Ein Raucher raucht während 4 Jahren 2 Päckchen am Tag = 8 pack years.
Wenn der Kunde angibt, dass er raucht, sollte man das Einverständnis einholen, kurz über das Rauchen sprechen zu dürfen. ("Ist es Ihnen recht, wenn ich Ihnen ein paar Fragen zum Rauchen stelle?").
2. Empfehlung zum Rauchstopp
Wenn die Person einverstanden ist, sollte im zweiten Schritt eine kurze Empfehlung zum Rauchstopp folgen. ("Mit Rauchen aufzuhören wäre das Beste, das Sie für Ihre Gesundheit tun könnten."). Es ist wichtig, als Gesundheitsfachperson eine klare Haltung zu kommunizieren und über die schädliche Wirkung des Rauchens sachlich zu informieren.
3. Evaluation der Motivation zum Rauchstopp
Der dritte Schritt beinhaltet die Evaluation der Motivation zum Rauchstopp, ist also die Frage nach dem Aufhörwunsch. "Auf einer Skala von 1 – 10, wie gross ist Ihr Wunsch, mit Rauchen aufzuhören?" Je nachdem, wie dringlich dieser Aufhörwunsch ist, verläuft das anschliessende Gespräch unterschiedlich.
- Gibt die Person einen sehr tiefen Wert an (1 – 3), kann man das Gespräch abschliessen, z.B. indem man sagt: "Für Sie scheint ein Rauchstopp im Moment nicht in Frage zu kommen. Falls Sie sich doch einmal für einen Rauchstopp entscheiden würden, könnte ich Ihnen gerne allfällige Fragen beantworten und Sie unterstützen." Bei Personen, die an einem Gespräch zum Rauchstopp nicht interessiert sind, wird die Kurzintervention hier abgebrochen.
- Wenn ein Wert von 4 – 7 angegeben wird, fragt man, warum nicht ein tieferer Wert angegeben wurde: "Sie geben an, Ihr Wunsch aufzuhören liege bei 5; warum haben Sie nicht 2 gesagt?" Damit provoziert man Aussagen zu den Gründen für einen Rauchstopp, z.B.: "Weil ich manchmal am Morgen so husten muss. Dann denke ich manchmal, ich sollte aufhören." Oder: "Weil das Rauchen ganz schön teuer ist!" Oder: "Weil man fast nirgends mehr rauchen kann." Diese Aussagen werden umformuliert wiederholt und dadurch bekräftigt. Beispielsweise: "Sie machen sich also manchmal Sorgen, weil Sie Raucherhusten haben." Damit hört der Raucher noch einmal die Gründe, die er selber genannt hat und für einen Rauchstopp sprechen würden. Falls keine Zeit ist, die Ambivalenz des Patienten weiter zu explorieren, kann das Gespräch hier abgebrochen werden, mit dem Angebot, zur Verfügung zu stehen, falls man sich für einen Rauchstopp entschliessen würde. Ansonsten kann man weitere Gründe für den Rauchstopp ausloten und auch die Hindernisse besprechen, die die Person davon abhalten, einen Rauchstoppversuch zu machen. Die Hindernisse werden genannt, indem man fragt: "Was müsste denn sein, dass Sie einen höheren Wert angeben könnten für die Wichtigkeit zum Rauchstopp, also z.B. 9 oder 10?" Damit wird der Raucher auf die Gründe zu sprechen kommen, warum ein Rauchstopp im Moment nicht so wichtig ist, bzw. welche Ängste er betreffend eines Rauchstopps hat. Vielleicht können Befürchtungen im Gespräch ausgeräumt werden und die Person kann zu einem Rauchstopp motiviert werden, d.h. es kann mit einer Beratung zum Rauchstopp angeknüpft werden.
- Gibt der Raucher bei der Frage nach der Wichtigkeit zum Rauchstopp einen Wert zwischen 8 – 10 an, ist ein Rauchstopp offenbar ein Thema und man kann konkret darüber sprechen, welche Unterstützung er sich wünscht, damit das Aufhören gelingt. Je nachdem, wie befähigt sich jemand fühlt und wie viel Zeit zur Verfügung steht, kann hier mit einer konkreten Beratung zum Rauchstopp angeknüpft werden, andernfalls sollte eine geeignete Beratungsstelle empfohlen werden, z.B. das Rauchstopp-Telefon. Die Beratung zum Rauchstopp beinhaltet die Vorbereitung des Rauchstopptages und die Planung für die Zeit davor und danach (also v.a. Dinge, die die Gewohnheit und das Verhalten betreffen) sowie die Abklärung der geeigneten Medikamente für den Rauchstopp.
4. Beratung zum Rauchstopp
Beim Rauchen entsteht eine doppelte Abhängigkeit: Einerseits werden die meisten Raucher physisch abhängig vom Nikotin, was bei einem Absetzen der Zigaretten zu (unterschiedlich stark empfundenen) Entzugssymptomen führen kann, welche v.a. mit Medikamenten gelindert werden können. Andererseits besteht nach einem oft jahrelangen Zigarettenkonsum eine starke gewohnheitsbedingte Abhängigkeit. Die Gewohnheiten zu verändern fällt häufig schwer und es ist deshalb sinnvoll, sich vor einem Rauchstopp mit den mit der Zigarette verbundenen Ritualen und Gewohnheiten auseinander zu setzen.
Vorbereitung auf den Rauchstopp
Die Beratung sollte sowohl die Verhaltensveränderung als auch die Medikamente für den Rauchstopp thematisieren. Manchmal genügt eine einzige Beratung, um den Rauchstopp vorzubereiten. Es ist aber empfehlenswert, weitere Beratungen nach dem vereinbarten Rauchstopptag anzufügen, um den Raucher so über eine längere Zeit zu begleiten und einem Rückfall vorzubeugen.
Bei einem Rauchstoppversuch entschliesst sich der Raucher, einen für ihn exzellent funktionierenden Belohnungsmechanismus aufzugeben. Das, und die Angst zu versagen, verunsichern den Betroffenen. Deshalb braucht er Ermutigung, Bestärkung und eine gute Vorbereitung.
Vorbereitungsphasen:
- Nichtraucher beobachten
- Selbstbeobachtung
- Entwicklung und Planung von Alternativverhalten
- Rauchstoppdatum festlegen
Nichtraucher beobachten
Raucher, die es sich z.T. über Jahrzehnte angewöhnt haben, bei fast allen Alltagshandlungen eine Zigarette in der Hand zu halten, fällt es schwer, sich vorzustellen, wie sie bestimmte Situationen ohne Zigaretten bewältigen könnten. Rauchfreie Personen zu beobachten ist eine gute Möglichkeit, Alternativverhalten zum Rauchen zu entwickeln. Der Raucher beobachtet gezielt Personen im Alltag, die in typischen Situationen nicht rauchen und schreibt die Beobachtungen auf.
Selbstbeobachtung
Wichtig ist auch, die eigenen Gewohnheiten zu beobachten und herauszufinden, was die typischen Rauchsituationen sind. Dazu eignet sich das Selbstkontrollblatt, auf dem aufgeschrieben wird, zu welchem Zeitpunkt, an welchem Ort und zu welcher Tätigkeit geraucht wird, wie wichtig die Zigarette war und wer beim Rauchen dabei war. Schliesslich wird bei jeder Zigarette aufgeschrieben, was man alternativ zum Rauchen hätte tun können. Dies hilft, Strategien für die Zeit nach dem Rauchstopp zu entwickeln.
Entwicklung und Planung von Alternativverhalten
Ausgehend von der Selbstbeobachtung werden Situationen, Tätigkeiten und Stimmungen identifiziert, die das Rauchen auslösen und Verhaltensalternativen für das rauchfreie Leben geplant. Das kann häkeln, ein Gameboyspiel, Gymnastik oder ein Sudoku sein. Das Entscheidende ist, dass es für den Raucher passende, attraktive Alternativen sind. Da das Rauchen eine den Alltag begleitende Tätigkeit ist, müssen viele verschiedene praktikable Strategien gefunden werden, die das Aufhören unterstützen.
Rauchstoppdatum festlegen
Es ist wichtig, den Rauchstopptag frühzeitig festzulegen, damit der Raucher einen klaren Zeitplan hat. Hat man einmal ein Datum festgelegt, soll daran festgehalten werden.
Rauchstopptag vorbereiten
An diesem Tag soll langjährig eingeübtes Verhalten mit hohem Belohnungswert beendet und neues Verhalten integriert werden. Das ist eine hohe Anforderung, weshalb die Rückfallgefahr in den ersten Tagen nach dem Rauchstopp am höchsten ist. Der Raucher muss einen möglichst konkreten und wirklichkeitsnahen Plan des ersten rauchfreien Tags machen und sich konkret vorbereiten: Alle Raucherwaren und Aschenbecher sind entfernt, Medikamente für den Rauchstopp sind abgeklärt und verfügbar, alternative Handlungen sind griffbereit oder machbar (z.B. der Gameboy ist aufgeladen, die Dörrfrüchte sind eingekauft, der Tennisplatz ist reserviert etc.).
5. Abschliessen des Beratungsgesprächs
Der letzte Teil der Intervention ist ganz einfach der Abschluss des Gesprächs, d.h. es wird kurz zusammengefasst, was besprochen wurde und das weitere Vorgehen wird vereinbart. Je nachdem ist dies eben nur das Angebot, bei weiteren Fragen zur Verfügung zu stehen oder aber es sind organisatorische Fragen wie z.B. die Zuweisung an eine externe Beratungsstelle oder das Vereinbaren eines neuen Termins.
Folgeberatungen nach dem Rauchstopp dienen der Rückfallprophylaxe, dem Umgang mit Entzugssymptomen und Versuchungen und der Optimierung der medikamentösen Therapie. Weitere Themen können z.B. der Umgang mit Gewichtszunahme sein. Der Erfolg der Rauchstoppberatung ist "dosisabhängig", d.h. je intensiver die Begleitung nach dem Rauchstopp ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für den Erfolg.
AT-Schweiz
Haslerstrasse 30
3008 Bern
Tel: +41 31 599 10 20
Fax: +41 31 599 10 35
info(at)at-schweiz.ch
Selbstkontrollblatt.pdf